Manchmal ist Kunst ziemlich im Eimer

Freuen sich auf Besucher aus aller Welt (v. l.): Susanne Koheil, Stephan Us, Anja Jensen, Tomasz Samek, Günter Wintgens, Thomas Gerhards und Thomas Wrede.
Freuen sich auf Besucher aus aller Welt (v. l.): Susanne Koheil, Stephan Us, Anja Jensen, Tomasz Samek, Günter Wintgens, Thomas Gerhards und Thomas Wrede.
(Foto: -fz-)


Münster. Stephan Us demonstriert für nichts! Damit löst er diverse Reaktionen bei Passanten aus. „Das Nichts sind die Lücken eines Systems, anhand derer ich über das System reflektiere“, erklärt der Künstler. In der Ausstellung „showroom 4.7“ zeigt er eine Videodokumentation und Fotos von Nichts-Demos. Außerdem lädt er Besucher dazu ein, selbst zu demonstrieren.

Neun Künstler aus dem Atelierhaus Speicher II präsentieren bis zum 30. September aktuelle Arbeiten. „Es ist natürlich kein Zufall, dass wir die Ausstellung parallel zu den Skulptur-Projekten zeigen“, erklärt Susanne Koheil. Die Münsteraner Künstler möchten von den sommerlichen Besucherströmen profitieren. Und die Rechnung scheint aufzugehen: „Schon jetzt haben wir Anmeldungen aus New York, London und ganz NRW“, freut sich Thomas Wrede. Er ist einer von drei Künstlern, die in der Ausstellung Fotografien präsentieren. Auf seinen Bildern spielt er mit dem Gegensatz zwischen Idyll und Katastrophe, indem er Modellhäuschen in reale Landschaften stellt. So steht ein Fachwerkhaus zwischen dräuenden Felsen, und am Rande einer Neubausiedlung ragt bedrohlich eine Sanddüne empor.


Auch Anja Jensen inszeniert die Szenen für ihre Fotografien, die deshalb wie „Film-Stils“ – Schnappschüsse von einem Drehort – wirken. Ihre Themen sind Sicherheit, Überwachung und Kontrolle. Die Momentaufnahmen sollen beim Betrachter ein „Kopfkino“ anstoßen, Ende offen.

Tomasz Samek begibt sich für seine Fotografie an Kunstorte. Doch in den Museen fotografiert er nicht die ausgestellten Werke von Kollegen, sondern die Wände. Mit sehr langen Belichtungszeiten fängt seine Plattenkamera „Lichtdokumente auf weißen Wänden“ ein, die überraschend farbig sind.

Kunst auf der Wand haben auch Susanne Koheil und Günter Wintgens mit ihrem Projekt „Hafenarbeiter“ kreiert. Jetzt zeigen sie von ihren überdimensionalen Porträt-Projektionen eine Edition hochwertiger Drucke. Kirsten Kaiser macht mit ihrer Installation dem Paradies ihre Aufwartung, Sonja Behrens hat Promis und Hunde auf Glas gemalt, und die Installation von Thomas Gerhards ist – mit Verlaub – ziemlich im Eimer. Sein Konstrukt aus Scheibenwischermotoren, Bohraufsätzen und Metalleimern ist ein echter Hingucker! showroom 4.7“, Speicher II im Stadthafen, Hafenweg 28, dienstags bis sonntags von 16 bis 20 Uhr geöffnet.

VON FRANK ZIMMERMANN, GRONAU

12 · 06 · 07



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