Wallfahrt begeisterte Massen

10 500 Pilger wallfahrteten am Samstag von Osnabrück nach Telgte. Zum Schluss war der Zug insgesamt rund zwei Kilometer lang.
10 500 Pilger wallfahrteten am Samstag von Osnabrück nach Telgte. Zum Schluss war der Zug insgesamt rund zwei Kilometer lang.
(Foto: Hofmann)


Telgte. Sie ist schon stolze 155, doch die Jahre merkt man ihr nicht an. Im Gegenteil: Mit steigendem Alter scheint sie immer jünger zu werden. Gerade einmal 40 Jahre alt waren die 10 500 Pilger, die am Samstagnachmittag in Telgte einzogen, im Durchschnitt. Das ist sehr wenig für eine kirchliche Veranstaltung und erfüllt Karlheinz Schomaker, seit 22 Jahren Chef-Organisator der Osnabrücker Wallfahrt, mit großem Stolz.

Sich gut aufgehoben fühlen, das sei der Schlüssel des Erfolges der größten Fußwallfahrt Deutschlands. Jeder werde respektiert, in die Mitte der anderen aufgenommen, und fühle sich sofort Zuhause im zwei Kilometer langen Pilgertross, schwärmte Schomaker. Schon unter den etwa 800 Wallfahrern, die morgens um drei Uhr in Osnabrück gestartet sind, waren komplette Familien mit kleinen Kindern. Unterwegs kamen ständig weitere hinzu. Gut 300 Kommunionkinder aus verschiedenen Gemeinden des Bistums Osnabrück trugen zum niedrigen Altersdurchschnitt bei. „Eine Wallfahrt muss greifbar sein, richtig zelebriert werden“, erläuterte Karlheinz Schomaker seine erfolgreiche Philosophie. Auch eine religiöse Veranstaltung, wie die „Osnabrücker“ sei heute ein Event und wieder in der Lage, die Massen zu begeistern.


Den „Wallfahrtsfrischlingen“ stehen die ganz alt eingesessenen gegenüber. Die kennt Schwester Ruth aus dem St.-Rochus-Hospital besonders gut. 110 Matratzen haben die Handwerker und Zivis der Klinik in verschiedenen Räumen für die Wallfahrer unter der Regie der Ordensschwester ausgelegt. „Manche kommen schon seit 20 Jahren“, erklärt sie. In der Gymnastikhalle schläft immer die gleiche Gruppe Pilger aus Bad Iburg. „Früher haben wir Frauen und Männer getrennt untergebracht“, erklärte die Ordensfrau. Das sei allerdings nicht mehr zeitgemäß.


110 Pilger übernachteten im St.-Rochus-Hospital. Schwester Ruth hatte mit ihrem Helferteam alles bestens vorbereitet.
110 Pilger übernachteten im St.-Rochus-Hospital. Schwester Ruth hatte mit ihrem Helferteam alles bestens vorbereitet.
(Foto: Beiing)


Scheinbar hatten die Wallfahrer mit ihrer durchweg positiven Ausstrahlung auch das Wetter auf ihre Seite gezogen. Während der gesamten 46 Kilometer langen Strecke hatte es nur drei Mal kurz getröpfelt. Telgter und zahlreiche Gäste aus Osnabrück säumten die Straßen auf dem Weg zur Propsteikirche St. Clemens in Dreierreihen, um die Wanderer willkommen zu heißen und sie ihre geschundenen Füße vergessen zu lassen.


Mächtig stolz war Daniel Dahlmann, der während der Andacht den Bistumsstab halten durfte.
Mächtig stolz war Daniel Dahlmann, der während der Andacht den Bistumsstab halten durfte.
(Foto: -agh-)


Auf dem Kirchplatz begrüßte Dechant Dr. Hermann Wieh, geistlicher Leiter der Wallfahrt, die Pilger. „Was wäre dieser Wallfahrtsort ohne die Osnabrücker“, fragte Propst Heinz Erdbürger in die Menschenmenge und erntete dafür natürlich viel Beifall. Er versprach im nächsten Jahr, wenn das Bistum Osnabrück zum 97. Katholikentag lade, den Weg einmal umgekehrt anzutreten. Wegen des Katholikentages hatten die Pilger diesmal ganz neue Utensilien dabei. Der Osnabrücker Bistumsstab wird bis zum nächsten Jahr zu allen wichtigen Veranstaltungen mitgeführt und mit Erde aus den jeweiligen Orten gefüllt. Das sei ebenfalls ein Mittel, um Religion greifbar zu machen, erklärte Schomaker die Intention. Die Gemeinden führten kleinere Abbilder des Stabes mit.

Nach der Andacht zogen sich die Wallfahrer in die Stadt oder auf die Planwiese zurück, um ihre Wehwechen zu pflegen, sich zu stärken oder einfach um alte Kontakte aufzufrischen. Dann ging es in die Nachtquartiere.

Gestern Morgen nahmen gut zwei Drittel der Pilger die Strecke erneut in Angriff. Sie legten an diesem Wochenende fast 90 Kilometer zu Fuß zurücklegten.


09 · 07 · 07


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