-ps- Gronau. Der Saal im Walter-Thiemann-Haus war überfüllt, als am Donnerstagabend das Team des Gronauer Psychose-Seminars mit Teilnehmern, Gästen, Gratulanten und einem Referenten das zehnjährige Bestehen des Treffs für Psychose-Erfahrene, Angehörige und Interessierte beging. Bescheiden, aber dennoch zufrieden mit dem Erreichten, nahmen Birgit Römhild und Hartmut Kruber die Grußworte und Blumensträuße zum runden Geburtstag ihres „Zöglings“ entgegen – nicht aber, ohne ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass das Selbsthilfeforum ohne die Mitwirkung, die Offenheit und die Akzeptanz der Betroffenen und der Menschen um sie herum, seien es nun die Ärzte oder die Familienangehörigen, nicht existieren könnte.
Auf die immense Bedeutung von tragenden Beziehungen ging auch der Referent des Abends, Kalle Pehe, ein. Der Lehrer aus Krefeld berichtete ausführlich von seinen eigenen Erfahrungen mit seiner Erkrankung und machte deutlich, wie wichtig für seine Wiedereingliederung die Unterstützung seiner Frau und der drei Kinder war und immer noch ist. Hinzu kam, dass der Biologie- und Physiklehrer ziemlich schnell nach seinem Klinikaufenthalt vor 17 Jahren wieder die Chance bekam, in seinem Beruf voll anerkannt zu arbeiten. Seine bipolare Störung – „damals nannte man das noch manisch-depressiv“, erklärte er – habe er mittlerweile gut im Griff, ohne Medikamente, wie er betonte. Pehe, der sich ausdrücklich als psychiatriekritisch versteht, prangerte die schnelle Verordnung von Psychopharmaka an. „Ich weiß, dass es auch Ärzte gibt, die einen anderen Kurs fahren“, sagte er. Für ihn steht aber fest, dass eine Therapie auf der Grundlage von Gesprächen die nachhaltigere Lösung bringt.