Seit dem Schuljahr 2007/2008 werden in Nordrhein-Westfalen Noten zum Arbeitsverhalten und Sozialverhalten in sechs Bewertungskategorien vergeben.
Im Bewertungsbereich Arbeitsverhalten werden Noten für „Leistungsbereitschaft“, „Zuverlässigkeit/ Sorgfalt“ und „Selbstständigkeit“ erteilt. Das Sozial-Verhalten wird in den Kategorien „Konfliktverhalten“, „Kooperations-fähigkeit“ und „Verantwortungs-Bereitschaft“ bewertet.
Da sowohl Lehrer, Eltern und Ausbildungsbetriebe die Trennschärfe der sechs Beurteilungsbereiche als nicht stark genug wahrgenommen haben, wurden die Beurteilungsbereiche des Sozialverhaltens in eine Note zusammengeführt, so dass nun Noten in den drei Kategorien: „Leistungsbereitschaft“, „Zuverlässigkeit/ Sorgfalt“ und „Sozialverhalten“ vergeben werden.
Laut Barbara Sommer (Ministerin für Schule und Weiterbildung) soll der Auftrag der Schule an einem Verständnis von ganzheitlicher Persönlichkeitsbildung ausgerichtet sein, da Schüler nicht nur Wissensstoff vermittelt bekommen, sondern auch soziales Verhalten erlernen sollen.
Die Benotung erfolgt in den vier Notenstufen: „sehr gut“, „gut“, „befriedigend“ und „unbefriedigend“.
Das Thema „Kopfnoten“ wird kontrovers diskutiert: Während viele die Kopfnoten befürworten, sind auch einige Gruppen dagegen. Schülervertreter z.B. nennen diese Noten „Schleimnoten“, da sie befürchten, dass kritische Äußerungen im Unterricht mit einer schlechten Verhaltens-Note abgestraft werden könnten. Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, meint, dass Kopfnoten nicht objektiv sein könnten, da sie den Blick aufs Bewerten lenken, aber nicht auf Möglichkeiten, wie sich Verhalten ändern könne. Viele Eltern befürchten, dass eine schlechte Note im Sozialverhalten die Chance einer Bewerbung um eine Lehrstelle mindern könnte.
3000 Eltern haben schon Klage eingereicht, davon sind 4 momentan vor Gericht, eine andere erziehungsberechtigte Person verlor den Prozess. Sie hatte sich beschwert, da sie nicht auf das Verhalten ihres Sohnes vor der Zeugnisvergabe aufmerksam gemacht worden sei.
Zwei Schüler des Gymnasiums Johanneum führten bei Schülern und Eltern zu diesem Thema eine Umfrage durch:
Die Schüler waren im Allgemeinen gegen die Kopfnoten, da sie sich mit dem System nicht anfreunden können und an der Objektivität der Lehrer zweifeln. Die Eltern dagegen waren dafür, da sie hoffen, dass dadurch mehr Disziplin an die Schüler weitergeleitet wird. Jedoch zweifelt auch eine Vielzahl der Eltern an der gerechten Beurteilung der Lehrer, da die Lehrer zu wenig Zeit mit den Schülern verbringen. Andere hoffen auf den guten Menschenverstand der Lehrkräfte. So hat eine Mutter gesagt: “Der gesunde Menschenverstand sagt einem doch, wenn jemand ein gutes oder schlechtes Sozialverhalten hat, indem einer zum Beispiel nie grüßt und im Unterricht nicht aufpasst und sich ablenkt, kein gutes Verhalten zeigt.“
Da auch an die Zukunft gedacht werden muss, wurden auch Firmenleiter in die Umfrage miteinbezogen. Sie halten die Kopfnoten für sehr wichtig, da sie kaum jemanden einstellen würden, der ein schlechtes Arbeits- und Sozialverhalten hat.
Eine weitere Mutter fügte hinzu: “Die Lehrer sollten nicht so viel Angst haben auch mal schlechtere Noten zu vergeben, nur weil sie Kritik der Eltern befürchten.“
Die Meinung der Lehrer ist der der Eltern annähernd gleich. Sie halten die Kopfnoten ebenfalls für eine gute Idee, da man den Schülern dadurch einprägt, wie sie sich benehmen sollen. Einige Eltern äußerten Bedenken über den negativen Einfluss schlechter Kopfnoten im Abschlusszeugnis für die Zukunft ihrer Kinder z.B. bei einer Bewerbung. Im Großen und Ganzen wird die Idee an sich positiv bewertet. Zweifel werden hauptsächlich an der Effektivität, Aussagekraft und Bewertung der Lehrer erhoben.
Falls ein Schüler ein unbefriedigendes Verhalten vorweist, kann der Lehrer nicht allzu viel unternehmen, da kein alleiniger erzieherischer Unterricht stattfindet. Der Lehrer muss mit den Eltern kooperieren und gemeinsam mit ihnen auf das Verhalten des Kindes positiv einwirken.
Der Pädagoge Horst Bartnitzky macht den Vorschlag, das Arbeits- und Sozial-Verhalten im Unterricht stetig zu schulen.
Christan Welp
Marius Schröder
Klasse 8b
Gymnasium Johanneum