Münster. Der Unglücksfall vom Samstag, als drei Tribünenpfeiler, vorgefertigte Betonelemente für die Überdachung, aus der Halterung rutschen und auf den Boden krachten, könnte auch einen psychologischen Effekt haben. Möglicherweise wird durch den Vorfall auf der Baustelle Preußenstadion die Gefühlswelt der zukünftigen Zuschauer beeinträchtigt.
Vielleicht werden einige mit einem mulmigen Gefühl das Bauwerk betreten. Andererseits hat es immer wieder Bauunfälle gegeben, und trotzdem wurden Museen, Kaufhäuser, Wohntürme oder sonstwas bewohnt oder bevölkert.
Preußen-Präsident Dr. Marco de Angelis wirbt dabei für Ruhe und Besonnenheit: „Anfangs haben wir uns alle gefragt, warum das passieren kann und wieso gerade uns. Aber wenn die Umstände geklärt sind und das Bewusstsein dafür geschaffen ist, wird bei den Zuschauern sicher kein Vorbehalt bleiben.“ Um dann das Wesentliche anzufügen: „Wir sind froh, dass keine Menschen schwerwiegend zu Schaden gekommen sind. Das ist das Wichtigste.“
Dem SCP drohen möglicherweise Einnahmeverluste, grob geschätzt mindestens rund 20 000 Euro für den Fall einer ausverkauften Tribüne je Spiel. Im Idealfall hätte der SCP nur noch ein Heimspiel gegen den VfL Bochum 2 (28. Februar) ohne Sitzplätze ausgetragen, schon gegen Eintracht Trier (14. März) wäre die Tribüne voraussichtlich besitzbar gewesen. Denn eigentlich war der Zeitplan festgezurrt, verbrieft und versiegelt durch den Vertrag des SCP Münster und der Paderborner Bremer AG.
Drei Fixpunkte finden sich in dem Schriftstück wieder; dass am 12. Februar der Rohbau abgenommen wird; dass die Inbetriebnahme am 15. März möglich ist und Zuschauer dann wieder sitzen können; dass die komplette Fertigstellung mit Funktionstrakt und Business-Bereich am 15. Mai geschafft ist.
Ein zeitlicher Verzug dürfte den SCP Geld kosten. Auf der alten Tribüne fanden noch 1400 Zuschauer Platz, bis zu 400 Plätze waren dabei in Sponsorenpaketen verankert. Auf der neuen Tribüne gibt es 3000 Zuschauer-Plätze. Angenommen, die Sitzplatz-Kapazität der frei verkäuflichen Plätze steigt von 1000 auf 2600. Und die Preise bleiben wie bisher bei 14 Euro, dann würde bei einer ausverkauften Tribüne die Einnahmen von 14 000 Euro auf 36 400 Euro steigen.
Also würden dem SCP mindestens 22 400 Euro durch die Lappen gehen. Durchaus denkbar war, dass der SCP in den ersten Heimspielen - unabhängig von der sportlichen Entwicklung und allein aus reiner Neugier - auf eine ausverkaufte Tribüne hätte spekulieren dürfen . . .