Münster - Ja, sie haben es. Das gewisse Etwas, in den Adern der Preußen fließt offenbar ganz spezielles Pokalblut. Der Knüller im Westfalenpokal war eine fette Beute für die Hausherren, dieser hart erkämpfte 4:2 (0:1/2:2/3:2)-Erfolg nach Verlängerung über Regionalliga-Konkurrent SF Lotte. Obwohl es nur die 2. Runde war, öffnete sich bereits damit die Pforte zur ersten - überaus lukrativen - DFB-Pokalhauptrunde. Den vermutlich dicksten Brocken in der Lostrommel haben die Schützlinge von Trainer Roger Schmidt aus dem Weg geräumt.
Dabei taten sich Preußen schwer. Und in der Tat wirkten die Gäste aus Lotte zielstrebiger. Die beste Möglichkeit vergaben Marcus Fischer und Silvio Pagano im Doppelpack. Paganos Nachschuss klärte Münsters Rechtsverteidiger Daniel Fall erst kurz vor der Linie. Wenig später stellt Fischer SCP-Schlussmann David Buchholz auf die Probe, das ging aus Sicht der Preußen so gerade noch mal gut.
Die Hausherren benötigten eine gute halbe Stunde, um sich in der Offensive besser sortiert zu haben. Es war Massimo Ornatelli, der nach einem Konter aus bester Position den Ball am Tor vorbeilupfte. Oberwasser hatten die Gastgeber. Aber dann kam die 42. Minute. Orhan Özkara zog den vorbeistürmenden Sidney am Trikot. Was nicht weiter schlimm gewesen wäre, hätte nicht ausgerechnet Referee Dominik Nowak (Bottrop) die beste Aussicht auf diese Strafraum-Nickligkeit gehabt hätte. Den fälligen Strafstoß verwandelte Benjamin Wingerter.
Dann wurde es endlich ein rassiger Pokalfight mit Haken und Ösen: Schmidts Schützlinge kamen ins Rollen. Ornatellis Elfmeterschinderei war da nur der Auftakt, jetzt wurde gekämpft, gegrätscht, gekratzt und gebissen - und die Hausherren führten Regie. Ein Schlenzer von Marc-Andre Nimptsch fand nicht das Ziel, doch in der 61. Minute köpfte Sami El-Nounou nach vehementer Vorarbeit von Jens Wissing zum 1:1 ein. Brauchen die Preußen den wirklich nun stets einen Rückstand, um sich mit letzter Konsequenz in ein Spiel reinzuhängen? So war es gegen Schalkes Reserve zuletzt beim 4:1, so war es gestern auch.
Doch der Dämpfer folgte nach 67 Minuten, als die Gäste den ersten vernünftigen Angriff nach der Pause durch Silvio Pagano zur 2:1-Führung abschlossen. Wenig später wieder Ärger im Lotter Strafraum, dieses Mal hatte Gäste-Verteidiger David Czyszcon Glück, als er den eingewechselten Wojciech Pollok am Torschuss elfmeterwürdig hinderte.
Gegenseite: Buchholz klärt spektakulär einen Hechtkopfball, von Daniel Beyer. Zurück in der anderen Hälfte, als David Lauretta aus 25 Metern draufhält und Lottes Schlussmann Bastian Görrissen überrascht. Ausgleich, 2:2 (75.). Das war besser als jeder TV-Krimi, mit Strategiespielchen hielt sich keiner mehr auf, nun schepperte es auf dem Rasen. Die Adlerträger suchten die fristgerechte Entscheidung, doch Torjäger Pollok ließ sich zu häufig (79. 85 und 90.) bitten - mal wieder Verlängerung beim Stand von 2:2.
Lotte war nun stehend k.o. - Münster belohnte sich selbst. Julian Loose leitete den Angriff ein, Pollok spielte zurück, Loose verwandelte (98.), Pollok (114.) erhöhte auf 4:2. Münster hatte das Ding gedreht, zwei Mal einen Rückstand aufgeholt, und dann das. Das war ein Wahnsinnsspektakel. Nun sind die Preußen wohl Pokalhelden - kleine zumindest.