„Elf Jahre habe ich noch vor mir“

Sportlich der größte Glücksmoment in 2009: Fabian Wegmann nach dem Sieg in Frankfurt.Foto:
Sportlich der größte Glücksmoment in 2009: Fabian Wegmann nach dem Sieg in Frankfurt.Foto:
(Roth)


Münster - Fabian Wegmann hat abgesattelt. Mit der Schlussetappe der Lombardei-Rundfahrt endete für den 29-Jährigen eine vergleichsweise unauffällige Rennsaison. Allein der Erfolg beim Eschborn-City-Loop in Frankfurt, vormals „Rund um den Henninger Turm“, sticht bei Durchsicht der Ergebnisse heraus. Im Gespräch mit Redakteur Ansgar Griebel lässt der Münsteraner mit Wahlheimat Freiburg die Saison noch einmal Revue passieren und verrät kurz vor dem Start in seine verspäteten Flitterwochen, dass alles Glück der Erde nicht ausschließlich im Rennsattel zu finden ist.

Eine lange Rennsaison ist zu Ende gegangen. Was bleibt in Ihrem persönlichen Rückblick haften?



Fabian Wegmann: Natürlich der Sieg in Frankfurt: Das war schon immer mein Traum.

Aber der Sieg in Frankfurt war auch dringend notwendig für eine ordentliche Jahresbilanz?

Wegmann: Auf jeden Fall. Es war eine eher durchwachsene Saison - und Frankfurt hat sie dann noch irgendwie retten können. Dazu kam der elfte Platz bei der WM. Eigentlich auch weniger, als ich mir vorgenommen hatte, aber immerhin ein ordentliches Ergebnis.

Am Montag hat der Weltverband die aktuelle Weltrangliste veröffentlicht. 261 Fahrer sind hier vertreten, aber der Name Wegmann taucht nicht auf.

Wegmann: Das stimmt. Ich habe bei den Pro-Tour-Rennen nicht gepunktet und so taucht man in dieser Liste auch nicht auf.

Gemessen an Ihren eigenen Erwartungen hat das Sportjahr 2009 nicht überzeugen können und ist wohl auch schlechter ausgefallen als die Vorjahre. Gibt es dafür eine Erklärung?

Wegmann: Man kann sich eben nicht immer steigern, und es läuft auch nicht immer alles nach Plan. Eigentlich fing es ja ganz gut an, doch die Klassiker verliefen für mich nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Und der Sturz bei der Dauphine de Libere hat mich rückblickend doch weiter zurückgeworfen als vermutet. Eine ernsthafte Verletzung und insgesamt sechs Wochen Reha beeinflussen den Saisonverlauf natürlich auch.

Am Wochenende ging bereits ihre achte Rennsaison zu Ende. Die Zeit des hoffnungsvollen Nachwuchstalentes ist vorbei, Fabian Wegmann hat inzwischen bestes Radrenn-Alter erreicht. Kommen Ihnen da manchmal Gedanken ans Aufhören und die Zeit nach der sportlichen Karriere?

Wegmann: Nein, daran denke ich nicht. Letztens habe ich mich noch mit Jens Voigt genau über dieses Thema unterhalten. Er sagte, dass er noch ein Jahr unter Vertrag steht und sich vorstellen kann dann noch ein Jahr dranzuhängen, dann wäre er 40. So betrachtet habe ich noch elf Jahre vor mir.

Neben den sportlichen Schlagzeilen gab es auch in dieser Saison die obligatorischen Dopingmeldungen. Zuletzt war Mannschaftskamerad Linus Gerdemann aus Münster betroffen ...

Wegmann: Im Grunde genommen ist es lächerlich, solche Anschuldigungen ohne jede Grundlage einfach so rauszuhauen. Es ist wirklich schade, dass wir Radfahrer so etwas inzwischen einfach mit uns machen lassen müssen. In anderen Sportarten ginge das nicht. Ich finde nicht, dass Linus irgendjemandem Rechenschaft schuldig ist.

Die beste Schlagzeile des Jahres haben Sie ohnehin nicht im Rennsattel, sondern vor dem Traualtar produziert. Die außersportliche Bilanz des Jahres 2009 dürfte entsprechend positiv ausfallen.

Wegmann: Ja natürlich, die Hochzeit macht das Jahr zu etwas ganz Besonderem.

Und jetzt geht es in die Flitterwochen?

Wegmann: Na ja, es ist ja schon etwas Zeit vergangen, aber - ja man kann es auch noch so nennen. Allzu viel Zeit haben wir aber nicht. Wenn meine Saison endet, geht bei Johanna die Uni los. Da bleiben nur zwei Wochen.

Zwei Wochen Radtour?

Wegmann: Nein bestimmt nicht. Wir wissen noch nicht genau, wo wir hinfahren, aber das Rad bleibt zu Hause.


22 · 10 · 09



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