Proben bis Mitternacht

Fiebern der Premiere am Freitag (30. Januar) bereits entgegen: Die Zwölftklässler der Waldorfschule führen das Stück „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth auf.Foto:
Fiebern der Premiere am Freitag (30. Januar) bereits entgegen: Die Zwölftklässler der Waldorfschule führen das Stück „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth auf.Foto:
(mas)


Münster-Gievenbeck - Proben, Proben, Proben - und das fast rund um die Uhr. Für 22 Zwölftklässler der Waldorfschule dreht sich seit gut drei Wochen alles nur um eines: Das Theaterstück „Geschichten aus dem Wiener Wald“ aus der Feder von Edmund Josef von Horváth (bekannt als Ödön von Horváth). Es gehört zum festen Bestandteil der Gievenbecker Waldorf-Philosophie, dass sich die Schülerinnen und Schüler zwei Mal während ihrer Schulzeit über einen längeren Zeitraum mit einem Theaterstück auseinandersetzen - und zwar in den Klassen acht und zwölf.

Ende des vergangenen Jahres wurden unter der Regie des Musiklehrers Dr. Günter Moseler, der zudem für die Bereiche Theater und Chor an der Waldorfschule mitverantwortlich ist, das Stück ausgewählt und die Rollen verteilt. In den Weihnachtsferien mussten die Schüler ihren Text lernen. Anschließend ging es dann - abseits des Stundenplanes - täglich auf die Bühne der Waldorfschule. „Auch samstags und sonntags“, erzählt Matthis Völkert. „Teilweise dauern die Proben bis Mitternacht.“


„Geschichten aus dem Wiener Wald“ ist das bekannteste Stück des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Horváth. Er schrieb es Ende der 20er Jahre, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, und setzt sich kritisch mit der sogenannten „Wiener Gemütlichkeit“ auseinander. „Die Wiener Gesellschaft, das Spießbürgertum wird an den Pranger gestellt“, erläutert Jana Bärenwaldt. „Das Stück ist aber auf jede Zeit übertragbar“, ergänzt Carla Profazi. Horváth halte der „Gesellschaft einen Spiegel vor“, so Luisa Kaluza. Zudem zeige das Stück die „triebhaften Züge im Menschen“, meint Matthis Völkert.

Drei Wochen Theaterproben - das schweißt zusammen und stärkt das Gemeinschaftsgefühl unter den Schülern. „Es war eine tolle Zeit“, findet Jana Bärenwaldt.

Lehrer Günter Moseler, der zum zwölften Mal in Folge mit einer zwölften Klasse ein Theaterstück einstudiert, ist mit seinen Schülern zufrieden. Wichtig sei, dass sie „generell einmal mit Theater in Berührung kommen“. Dabei erfahren sie, dass sie „nicht sich, sondern ihre Rolle spielen müssen“, so Moseler.

Zudem müssen sich die Schüler um den gesamten Ablauf kümmern - von der Musik bis zur technischen Ausstattung, vom Programmheft bis zum Bühnenbild. „Teamwork mussten die Schüler in den vergangenen Wochen entwickeln“, sagt Moseler. „Und das ist ihnen auch sehr gut gelungen.“

» Nach der schulinternen Aufführung am Donnerstag findet am Freitag (29. Januar) um 20 Uhr in der Waldorfschule, Rudolf-Steiner-Weg 11, die offizielle Premiere statt. Weitere Aufführungen sind am Samstag (30. Januar, 20 Uhr) und Sonntag (31. Januar, 17 Uhr).

VON MARTIN SCHILDWÄCHTER, MÜNSTER

26 · 01 · 10



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