Münster-Gievenbeck - Etwas schlapp, diese Basketball-Mannschaft. Die Jungs hängen in der Umkleidekabine wie nasse Waschlappen. Selbst die Mädchen von der Cheerleader-Truppe, die mit wagemutiger Akrobatik ihr Bestes geben, scheinen sie nicht mehr zu motivieren. Das muss anders werden, da muss jemand durchgreifen, der wirklich Schwung in die Klasse bringt.
Was als Experiment im Geschichtsunterricht gedacht war, läuft jedoch zunehmend aus dem Ruder. Gestern bei der Premiere des Theaterstücks „Die Welle“ nach dem Roman von Morton Rhue herrschte angespannte Stille im Publikum. Wurde draußen vor dem Einlass noch fröhlich gequatscht und ein wenig ungeduldig gerangelt, so konzentrierten sich die Jugendlichen schon nach wenigen Minuten voll auf das Stück.
Der Klassenlehrerin Ursula Steinbach und der Musiklehrerin Elke Schönfeld-Terhaar ist es gelungen, die Achtklässler bei einer beachtlichen Leistung zu begleiten. Allein bei den Kniebeugen oder beim Gesang gab es mal ein kleines Kichern unter den Schauspielern. Doch die Schüler beherrschten ihren umfangreichen und anspruchsvollen Text und ihre Rollen so gut, dass die Zuschauer ganz in die Zeit des Jahres 1967 versetzt wurden. Damals exerzierte tatsächlich der Lehrer Ron Jones mit seinen Schülern durch, wie sich eiserne Disziplin und rücksichtslose Machtausübung in Verbindung mit ausgrenzendem Gedankengut auswirken.
„Die meisten Leute haben später gesagt, sie hätten nichts davon gewusst“, erklärt Mr. Ross seinen Schülern im Unterricht über den Nationalsozialismus. „Hauptsache, ihr seid immer wach genug“, ruft er sie auf, sich gegen ähnliche Tendenzen zu wehren. Doch dann wird wahr, was Ross warnend sagt: „Es kann jederzeit wieder passieren.“