Schicksale nicht vergessen

Nikolai Karpow, Autor der Erzählung „Der kleine Ostarbeiter“, war in Hiltrup als Zwangsarbeiter untergebracht. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes möchte an die Geschichte dieser Menschen mit einer Gedenktafel im Waldpark erinnern.
Nikolai Karpow, Autor der Erzählung „Der kleine Ostarbeiter“, war in Hiltrup als Zwangsarbeiter untergebracht. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes möchte an die Geschichte dieser Menschen mit einer Gedenktafel im Waldpark erinnern.
(Foto: -gro-)


Münster-Hiltrup. Geschichte nicht vergessen – das ist das Anliegen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten. Nicht vergessen sollten die Menschen auch das ehemalige Zwangsarbeiterlager „Waldfrieden“. Hinter diesem recht idyllisch klingenden Namen verbirgt sich ein Arbeiterlager, das von 1939 bis 1945 im Hiltruper Waldpark in Betrieb war.

„Eigentlich war das Lager für rund 200 Personen ausgelegt“, erklärt Detlef Lorber, Sprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Dort seien allerdings mindestens 260 Personen aus Polen, der Sowjetunion und Italien, darunter auch Frauen und Kinder, untergebracht gewesen.

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Um an das Schicksal der Menschen zu erinnern, möchte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes an den heute noch vorhandenen Bunkerresten einen Gedenkstein und Informationstafeln aufstellen lassen. Es gebe mittlerweile schon einen Entwurf eines Bildhauers, erklärt Lorber. Die Historikerin Dr. Gisela Schwarze vom Verein „Gegen Vergessen. Für Demokratie“ werde Texte für vier geplante Informationstafeln verfassen und darauf über die Historie des Arbeiterlagers informieren. Es solle ein kleiner Rundgang durch die Reste des ehemaligen Lagers werden, wünscht sich Lorber die Umsetzung des Projektes.

Die Idee, dort einen Gedenkstein zu errichten, gebe es schon lange, berichtet Lorber. Doch nun möchte die Vereinigung endlich Nägel mit Köpfen machen. Dazu soll bis zum 31. Januar ein Antrag auf einen Zuschuss bei der Bezirksvertretung gestellt werden. Lorber rechnet mit Kosten in Höhe für das Projekt von rund 2800 Euro.

Der Sprecher geht davon aus, dass diese Summe nicht komplett von der Bezirksvertretung übernommen wird und hofft, dass sich der ökumenische Kreis, der das Anliegen unterstützt, beteiligt. Außerdem hoffe die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes auf weitere Sponsoren für ihr Projekt. Sobald das Geld da sei, solle zügig mit der Umsetzung begonnen werden, so Lorber.

Das Schicksal der Menschen, die dort und in den anderen insgesamt elf Zwangsarbeiterlagern in Hiltrup arbeiten und leben mussten, nicht zu vergessen, sei ein wichtiges Anliegen, betont Lorber. Unter ihnen befand sich auch Nikolai Karpow, der 1942 gemeinsam mit seiner Großmuter nach Münster verschleppt wurde und in Hiltrup im Haus Heidhorn untergebracht war. Über seine Geschichte hat er die Erzählung „Der kleine Ostarbeiter“ geschrieben. Im Sommer vor vier Jahren war Karpow zuletzt in Hiltrup und schaute sich die Reste des Zwangsarbeiterlagers an. Heute befinden sich dort nur noch die Bunker für die Wach- und Lagermannschaften. Die Baracken sind verfallen und die Eingänge komplett verschüttet, so dass es keine Möglichkeit gibt, die Bunker zu betreten.

Im Jahr 2006 fand die Gedenkfeier zum Volkstrauertag am ehemaligen Lager „Waldfrieden“ statt. „Das Lager unterstand der Deutschen Arbeitsfront (DAF), einem Verband der NSDAP, ihm mussten alle Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Deutschen Reich 1933 bis 1945 angehören“, heißt es in der Einladung zu der Gedenkveranstaltung. Die zustände dort seien sehr unmenschlich gewesen. Damit sich so etwas nicht wiederhole, so Lorber, und allen rechten Gesinnungen immer entgegengewirkt werde, sei ein Gedenken immer wichtig.

VON MARION FENNER, MÜNSTER

19 · 12 · 08



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