Hier ist der Unfall passiert: Norbert Nientiedt (l.) mit den Polizeibeamten Ludwig Austermann und Udo Weiss (r.) an der Kreuzung Promenade / Hörsterstraße. (Foto: -kal-)
Münster. Der Unfall, der Norbert Nientiedts Leben verändert hat, liegt mittlerweile zwei Jahre zurück. Noch immer trägt er am rechten Arm eine Schiene, noch immer kann er nur unter Schmerzen schreiben. Und noch immer suchen den 60-Jährigen regelmäßig Albträume heim. „Ich sehe die beiden Augen meines Unfallgegners, ganz groß, dann kommt dieses Gefühl, dass gleich etwas Schlimmes passieren wird.“ Das ist der Punkt an dem er wach wird, immer wieder, seit zwei Jahren.
Zwischen 2004 und 2006 wurden in Münster 27741 Unfälle polizeilich erfasst – darunter 2541 mit Radfahrerbeteiligung. Insgesamt wurden in die sem Zeitraum 23 Perso nen getötet, 797 schwer und 3839 leicht verletzt. Bei Radunfällen gab es sechs Tote, 341 schwer sowie 1582 leicht Verletzte.
Rund ein Drittel aller Un fälle geschah an Unfall häufungsstellen, heißt in einem von Unfallforschern des Gesamtver bandes der Versiche rungswirtschaft erstellten Gutachten. Als besonders gefährlich haben sich da nach die Bereiche Hammer Straße, Westfalenstraße und Münzstraße bis Mauritzstraße sowie die Kreuzungen Westfalenstraße/Merkureck, Orléans-Ring/Coesfelder Kreuz sowie York-Ring/Grevener Straße erwiesen. Häufigste Unfallursachen bei den 1164 von Radfahrern verursachten Unfällen sind laut Gutachten Fahrfehler, Nichtbeachtung der Vorfahrt, ungenügender Abstand sowie Alkoholeinfluss. Jeder elfte Unfall ereignete sich zudem, weil Radler bei Rot einfach weiterfuhren.
25. November 2006: Nientiedt, Seelsorger an der Hildegardisschule, fährt mit dem Rad die Promenade entlang. Kurz, bevor sie die Hörsterstraße kreuzt, gewinnt er an Fahrt – dort geht es leicht bergab. Die Ampel zeigt Grün, Nientiedt fährt auf die Straße. Er bemerkt nicht, dass sich auf der Gegenseite ein 23-jähriger Radler ohne Licht nähert – der Koch wird von einem Ehepaar verdeckt. Plötzlich überholt er das Paar und „gerät voll in meine Spur“, so Nientiedt. Er sieht nur noch die Augen des 23-Jährigen, riesengroß, ahnt, dass etwas Schlimmes passieren wird, dann stoßen die beiden frontal zusammen.
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Nientiedt fliegt mehrere Meter durch die Luft, berichten Zeugen später – er selbst kann sich daran nicht mehr erinnern. Schwer verletzt wird er ins Krankenhaus eingeliefert, ebenso der Unfallverursacher.
Nientiedt hat zwei gebrochene Rippen, seine rechte Hand ist so schwer verletzt, dass sie zwei Mal operiert werden muss. Bis heute hat er Schmerzen, kann nur mit Mühe Arbeiten korrigieren. Er schreibt keine Zensuren mehr, er stempelt sie, das ist einfacher. „Wie es jetzt ist“, sagt Nientiedt, „wird es bleiben. Das wird nicht mehr besser.“
Am 25. November 2006 hat ein Leben eine unvorhersehbare Wendung genommen – weil es ein Radfahrer nicht für nötig hielt, im Dunkeln das Licht anzuschalten und auf den Gegenverkehr Rücksicht zu nehmen. „Eigentlich Banalitäten“, räumt Udo Weiss, Leitender Polizeidirektor, ein – „doch hier sieht man, was für fatale Folgen sie haben können.“
Woche für Woche, immer wieder: Leber- und Lungenrisse, Arterienverletzungen, Schädel-Hirn-Traumata. „Wegen Banalitäten“, wiederholt Weiss, der ein Drittel der Radler für unbelehrbar hält, ein Drittel für unachtsam – und ein Drittel für Mitläufer, die Regeln missachten, weil es angeblich alle anderen auch tun. Die Unfallbilanz spiegelt dieses Verhalten wider: 2007 gab es 249 Unglücke mit Radfahrerbeteiligung.
„Eigentlich“, sagt Weiss, „ist das alles doch ganz einfach.“ Licht an, Rotlicht beachten, nicht in entgegengesetzter Fahrtrichtung radeln, nicht betrunken unterwegs sein – im Rahmen einer weiteren Schwerpunktaktion sollen diese Regeln Münsters Fahrradfahrern ab 8. Dezember erneut vorgebetet werden. Schon jetzt ist absehbar, dass das nicht der letzte Einsatz dieser Art sein wird.
Unterdessen hat der heute 25-Jährige, der Nientiedts Unfall verursachte, einen Strafbefehl erhalten. Mit einem Anwalt will das Opfer zudem Schmerzensgeld erstreiten. Ob Nientiedt etwas bekommen wird, ist unklar. Der 25-Jährige ist nicht haftpflichtversichert, und er verdient gerade mal 1100 Euro.
Derweil bezweifelt Nientiedt, ob sein Wunsch, bis 65 zu arbeiten, noch realistisch ist. Sein liebstes Hobby musste er bereits aufgeben: Seit dem Unfall hat er kein Fahrrad mehr bestiegen.
Ich fahre nicht mehr so viel Rad wie früher, aber was ich heute häufig aus dem Auto beobachte, lässt mich grausen, da gelten Verkehrsregeln anscheinend nur noch als "Angebote". Morgens hat zwei Drittel der Räder kein Licht an, da wild an Ampeln bei rot drübergefahren, Einbahnstraßen gelten nur für Autos usw. usw. Meines Erachtens würden nur drakonische Strafen greifen: Nicht 10€ für Licht aus, sondern 50€. Das würde "weh tun" und dann würde sich auch die Verkehrmoral wieder bessern. Anders (fürchte ich) geht´s nicht.
Ich fahre nicht mehr so viel Rad wie früher, aber was ich heute häufig aus dem Auto beobachte, lässt mich grausen, da gelten Verkehrsregeln anscheinend nur noch als "Angebote". Morgens hat zwei Drittel der Räder kein Licht an, da wild an Ampeln bei rot drübergefahren, Einbahnstraßen gelten nur für Autos usw. usw. Meines Erachtens würden nur drakonische Strafen greifen: Nicht 10€ für Licht aus, sondern 50€. Das würde "weh tun" und dann würde sich auch die Verkehrmoral wieder bessern. Anders (fürchte ich) geht´s nicht.
Ich fahre nicht mehr so viel Rad wie früher, aber was ich heute häufig aus dem Auto beobachte, lässt mich grausen, da gelten Verkehrsregeln anscheinend nur noch als "Angebote". Morgens hat zwei Drittel der Räder kein Licht an, da wild an Ampeln bei rot drübergefahren, Einbahnstraßen gelten nur für Autos usw. usw. Meines Erachtens würden nur drakonische Strafen greifen: Nicht 10€ für Licht aus, sondern 50€. Das würde "weh tun" und dann würde sich auch die Verkehrmoral wieder bessern. Anders (fürchte ich) geht´s nicht.
Nichts Neues: Die WN berichtet einseitig über unbelehrbare, rücksichtslose Radfahrer. Finden Sie es angesichts des dichten Radfahrverkehrs in Münster nicht bemerkenswert, dass lt. den von Ihnen genannten Zahlen weniger als 10% der Unfälle mit Radfahrerbeteiligung stattfinden?
Warum lese ich nichts über rücksichtslose Autofahrer die entlang von Radwegen ihre Autotür blind aufstoßen, Radwege regelmäßig zuparken oder mit überhöhter Geschwindigkeit fahren? Ich bin sicher, dass hier deutlich häufiger und ernstere Gefährdungen enstehen. Meine eigene Autotürkollision war jedenfalls keinen Bericht wert.
Auch die von mir erlebten Polizeikontrollen lassen leider auf radfahrerfeindliche Scheuklappen schließen. So stoßen WN und Polizei immer wieder ins gleiche fade Horn. "Typisch Radfahrer, eben... ". Macht doch bitte mal die Augen auf und freut euch, dass nicht noch mehr Autos die Straßen verstopfen!
Nichts Neues: Die WN berichtet einseitig über unbelehrbare, rücksichtslose Radfahrer. Finden Sie es angesichts des dichten Radfahrverkehrs in Münster nicht bemerkenswert, dass lt. den von Ihnen genannten Zahlen weniger als 10% der Unfälle mit Radfahrerbeteiligung stattfinden?
Warum lese ich nichts über rücksichtslose Autofahrer die entlang von Radwegen ihre Autotür blind aufstoßen, Radwege regelmäßig zuparken oder mit überhöhter Geschwindigkeit fahren? Ich bin sicher, dass hier deutlich häufiger und ernstere Gefährdungen enstehen. Meine eigene Autotürkollision war jedenfalls keinen Bericht wert.
Auch die von mir erlebten Polizeikontrollen lassen leider auf radfahrerfeindliche Scheuklappen schließen. So stoßen WN und Polizei immer wieder ins gleiche fade Horn. "Typisch Radfahrer, eben... ". Macht doch bitte mal die Augen auf und freut euch, dass nicht noch mehr Autos die Straßen verstopfen!
Nichts Neues: Die WN berichtet einseitig über unbelehrbare, rücksichtslose Radfahrer. Finden Sie es angesichts des dichten Radfahrverkehrs in Münster nicht bemerkenswert, dass lt. den von Ihnen genannten Zahlen weniger als 10% der Unfälle mit Radfahrerbeteiligung stattfinden?
Warum lese ich nichts über rücksichtslose Autofahrer die entlang von Radwegen ihre Autotür blind aufstoßen, Radwege regelmäßig zuparken oder mit überhöhter Geschwindigkeit fahren? Ich bin sicher, dass hier deutlich häufiger und ernstere Gefährdungen enstehen. Meine eigene Autotürkollision war jedenfalls keinen Bericht wert.
Auch die von mir erlebten Polizeikontrollen lassen leider auf radfahrerfeindliche Scheuklappen schließen. So stoßen WN und Polizei immer wieder ins gleiche fade Horn. "Typisch Radfahrer, eben... ". Macht doch bitte mal die Augen auf und freut euch, dass nicht noch mehr Autos die Straßen verstopfen!