Religion beeinflusst die Medizin

Traditionelle Heilmethoden stehen bei Menschen in fremden Kulturen hoch im Kurs.Foto:
Traditionelle Heilmethoden stehen bei Menschen in fremden Kulturen hoch im Kurs.Foto:
(colourbox.com)


Münster - Rollende Augen, zuckende Gliedmaßen, Schaum vor dem Mund - in westlichen Kulturen ganz klar ein Zeichen von Krankheit. In indigenen Kulturen muss das nicht sein. Krankheit, Gesundheit, Heilung haben zum Teil eine ganz andere Bedeutung. Die erforscht die Ethnologin Prof. Dr. Helene Basu im Rahmen des Exzellenzclusters „Religion und Politik“: „Ich will herausfinden, wie indigene Heiler in Koexistenz mit biomedizinisch-psychiatrischen Vorstellungen existieren können.“ Über ihr Projekt ist jetzt die DVD „Drugs & Prayers“ erschienen.

Bei „Drugs and Prayers“ bieten Psychiater regelmäßige Sprechstunden und eine ausschließlich medikamentöse Behandlung in der Nähe von Sufi-Heiligtümern an, die von Menschen aller Religionen zum Zweck der Heilung aufgesucht werden. Während die Psychiater, die zwar aus Indien stammen, aber westlich ausgebildet wurden und ihren kulturellen Hintergrund schlicht nicht kennen, die traditionellen Heilverfahren oft abwerten, sind die traditionellen Helfer „sehr aufgeschlossen und tolerant“, beschreibt die Ethnologin in einer Pressemitteilung. „Die Heilkraft des Heiligen in seinem Grab kann durch die Psychiater nicht infrage gestellt werden. Die Sufis finden das zusätzliche Angebot gut, denn sie glauben, der Heilige habe die Psychiater gerufen.“


Die Patienten reagierten ganz unterschiedlich. Einige lehnten die Behandlung durch die Mediziner rundheraus ab, andere probierten es aus, aber niemand, so Helene Basu, würde nur auf die Behandlung allein durch die Psychiater setzen.

Ob indigene Verfahren so helfen können wie medizinische, sei nicht bekannt. Eine Studie aus einem hinduistischen Tempel mit 30 Patienten zeige: Auch ohne Medikamente und Therapie hat sich der Zustand der Patienten verbessert, erzählt Helene Basu.

Die Berücksichtigung der Kultur bei einer medizinischen Behandlung wird auch in Deutschland immer wichtiger. Immigranten bringen ihre eigenen Vorstellungen von Krankheit und Heilung mit, wenn sie von einem deutschen Arzt behandelt werden. Helene Basu bietet deshalb schon seit Jahren gemeinsam mit einem Psychiater aus dem Benin Seminare zur transkulturellen Psychiatrie an.

» Die DVD mit englischen oder deutschen Untertiteln gibt es für 20 Euro unter E-Mail hbasu_01@uni-muenster.de.


31 · 07 · 10



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