Lebensgefährliches Mäuse-Virus auch in Münster aufgetreten

Putzig, aber möglicherweise auch gefährlich: Mäuse können Hanta-Viren übertragen.Foto:
Putzig, aber möglicherweise auch gefährlich: Mäuse können Hanta-Viren übertragen.Foto:
(dpa)


Münster - Gegen das Hantavirus gibt es keinen Impfstoff und keine Medikamente. Das ist beunruhigend, schließlich kann eine Infektion mit diesem Erreger tödlich verlaufen. Acht Münsteraner hatten seit Jahresanfang Glück: Sie überlebten die schweren Erkrankungen, die das vor allem von Mäusen und Ratten übertragene Virus auslösen kann. Zum Vergleich: Im Vorjahr gab es nur drei Erkrankte.

Acht Infektionen - das ist wenig und doch viel: Im Bundesgebiet gehören Münster und das Münsterland derzeit zu den am stärksten von dem Virus betroffenen Regionen in ganz Deutschland, wie aus Daten des Robert-Koch-Instituts hervorgeht. Warum gerade hier so viele Hanta-Viren unterwegs sind, darauf hat das städtische Gesundheitsamt keine Antwort.


Wohl aber auf die Frage, ob die niedergelassenen Ärzte auf diese seit 2001 meldepflichtige Erkrankung vorbereitet sind: Sie sind es meistens nicht, betont der stellvertretende Leiter der Behörde, Dr. Joachim Alexewicz. „Das Gesundheitsamt wird daher seine Aufklärungsbemühungen in der nächsten Zeit verstärken“, betont der Mediziner - denn das Virus und seine Symptome seien den meisten Medizinern weitgehend unbekannt.

Zwei Drittel der Infizierten überstehen die Erkrankung ohne Komplikationen. Für ein Drittel wird es jedoch gefährlich: Von Blutungen über Herzrasen bis zu Nierenversagen reichen die körperlichen Reaktionen. Wer nicht schnell in ein Krankenhaus eingewiesen wird, hat kaum Chancen zu überleben.

Wo infiziert man sich? „Hanta-Viren befinden sich im Kot von Mäusen und Ratten“, berichtet Alexewicz. Wenn der Kot trocknet und anschließend - zum Beispiel beim Putzen - aufgewirbelt wird, können schon kleinste Teilchen, die über die Lunge in den menschlichen Körper gelangen, eine Infektion auslösen.

Was tun? „Mäuse gibt es überall“, sagt Alexewicz. Vor allem Gartenhäuser, zum Beispiel in Kleingartenanlagen, und Kaninchenställe können wahre Brutherde für Hanta-Viren sein. Sein Tipp: Grundreinigung nur mit einer Maske. Zudem sollte man es unterlassen, Nager im häuslichen Umfeld zu mästen - auch wenn sie noch so niedlich sind.

Denn auch das possierlichste Mäuschen kann Überträger des bösartigen Virus sein. Aber selbst, wenn man solche Regeln befolgt, gilt: „Einen hundertprozentigen Schutz vor dem Hanta-Virus gibt es nicht“, so Alexewicz. Immerhin ein Trost: „Von Mensch zu Mensch kann es nicht weitergegeben werden.“

VON MARTIN KALITSCHKE, MÜNSTER

30 · 07 · 10


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