Fast jeder Arzt ist hier eine Ärztin

Die Mannschaft des „Zentrums für Frauen“ am St.-Franziskus-Hospital besteht zu 90 Prozent aus Frauen, viele von ihnen haben Kinder.Foto:
Die Mannschaft des „Zentrums für Frauen“ am St.-Franziskus-Hospital besteht zu 90 Prozent aus Frauen, viele von ihnen haben Kinder.Foto:
(Wilfried Gerharz)


Münster - Dass es einen Ärztemangel gibt, steht für Dr. Werner Weisbach außer Frage. „Wir haben allerdings keinen“, betont der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie am St.-Franziskus-Hospital. Das Geheimnis des Erfolges: „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und die Mitarbeiter vernünftig betreut werden, dann kommen die Leute auch“, so Personalleiter Martin Michel.

„Die Leute“ - das sind am Franziskus und dort besonders in der Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie vor allem Frauen.


Während immer weniger Männer überhaupt Medizin studieren und Ärztinnen nicht selten von ungünstigen Rahmenbedingungen abgeschreckt werden, ihren Beruf auch tatsächlich auszuüben, bewegt sich die Frauenquote am Franziskus seit Jahren auf Rekordniveau. So liegt der Anteil weiblicher Ärzte im „Zentrum für Frauen“ bei fast 90 Prozent - von 33 Ärzten sind 29 weiblich, fast die Hälfte von ihnen hat ein oder mehrere Kinder. „Vor 15 Jahren lag der Anteil bei gerade mal zehn Prozent“, erinnert sich Weisbach.

Was ist in der Zwischenzeit passiert? Personalleiter Michel verweist auf die „familienfreundlichen Arbeitsbedingungen“ im Hospital. Einige Beispiele: In der betriebseigenen Kindertagespflege werden 20 Plätze für unter Dreijährige angeboten, die Nachfrage sei so groß, dass demnächst ein Anbau eröffnet wird. Zudem bietet die Klinik ein Babysitterportal an - eine interne Kommunikationsplattform, die den Mitarbeitern den Kontakt zu Betreuungskräften ermöglicht. Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen, kooperiert das Franziskus außerdem mit einem Familienservice, der unter anderem Ferienangebote organisiert. Last not least sollen flexible Arbeitszeitenregelungen dafür sorgen, „dass an Lebensphasen orientierte Arbeitszeiten geschaffen und Kinderbonuszeiten sowie Sabbaticals ermöglicht werden“, unterstreicht Michel.

Eine, die von diesen Angeboten profitiert hat, ist Dr. Mareike Möllers. Die 34-jährige Fachärztin arbeitet seit 2004 am „Zentrum für Frauen“ und ist mittlerweile stolze Mutter von Lina (4) und David (3). Sie schwärmt von den geregelten Arbeitszeiten und berichtet von Kolleginnen, die über die Möglichkeiten, die ihnen die Klinik bietet, „einfach nur glücklich sind“.

Weitere Ideen treiben das Franziskus um - so überlegt der Personalleiter, nicht nur die Betreuung von Kindern, sondern auch von pflegebedürftigen Angehörigen zu erleichtern. Ärztemangel dürfte für die Klinik damit auch in Zukunft kein Thema sein.

VON MARTIN KALITSCHKE, MÜNSTER

29 · 07 · 10



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