Waldorfschule: Bühne mit Ablaufdatum

Das Studentenorchester gehört zu den Gästen im Konzertsaal der Waldorfschule. Wie lange noch?Foto:
Das Studentenorchester gehört zu den Gästen im Konzertsaal der Waldorfschule. Wie lange noch?Foto:
(heh)


Münster - Wenn Prof. Joachim Harder darüber nachdenkt, wo er mit „seinem“ Studentenorchester auftreten kann, ist er schnell mit seinem Latein am Ende: Die Bühne im Hörsaal H1 ist zu klein, der Hörsaal am Aasee hat keine ausreichende Akustik, die Halle Münsterland ist für das Orchester zu teuer.

Wie viele andere Künstler hat Harder den Saal der Waldorfschule in Gievenbeck als seine Bühne entdeckt. „Die Lage ist nicht ganz optimal“, so Harder. Ansonsten aber habe er es nicht bereut, mit dem Konzertbetrieb nach Gievenbeck umgezogen zu sein.


Fragt sich nur, wie lange das so bleibt. Denn der rege Kulturbetrieb in der Waldorfschule, zu dem auch die Alte Philharmonie und das Freie Musical-Ensemble beitragen, basiert auf einem Vertrag, der 2013 ausläuft. Als Anfang der 90er Jahre die Privatschule gebaut wurde, gab es ordentlich Geld von der Stadt. Die Schule verpflichtete sich im Gegenzug, für 20 Jahre den aufwendig gestalteten Saal für öffentliche Kulturveranstaltungen zur Verfügung zu stellen - und zwar kostenlos.

Wie es mit dem Konzertsaal nach dem Auslaufen des Vertrages weitergeht, darüber hat die Waldorfschule nach Auskunft ihres Vorstandes Alexander Paede bislang noch nicht beraten. Paede begrüßt die kulturellen Aktivitäten, weist aber zugleich darauf hin: „Der Schulbetrieb geht vor.“ Ohne den anstehenden Verhandlungen vorgreifen zu wollen, markiert der Sprecher der Schule zwei Eckpunkte: Zum einen dürfe es „zu keiner Erweiterung des Kulturbetriebs kommen“. Zum anderen müsse das Kulturprogramm „auf eine neue vertragliche Basis gestellt werden“. Sprich: Für die Nutzung des Saals wird Miete fällig.

Organisiert wird das Kulturprogramm vom Gievenbecker Verein Kulturkontakte. Dessen Vorsitzende Ruth Janssen stellt klar, dass der gemeinnützige Verein mit Mietzahlungen finanziell überfordert wäre.Damit liegt der Ball bei der Stadt Münster. Kulturdezernentin Dr. Andrea Hanke will nach eigenem Bekunden „alles versuchen, damit es weitergeht“. Kein leichtes Unterfangen, da Insidern längst klar ist: Ohne Geld geht es nicht.

An die Möglichkeit, dass die Waldorfschule in einigen Jahren nicht mehr zur Verfügung steht, will Ingrid Leidreiter von der Alten Philharmonie derweil nicht denken. Das Ensemble ist seit 2002 regelmäßiger Gast in Gievenbeck: „Die Bühne ist toll, die Akustik gut“.

Und einen Plan B hat Leidreiter nicht in der Tasche. So wie viele andere Künstler im Gievenbecker Konzertsaal.

VON KLAUS BAUMEISTER, MÜNSTER

02 · 03 · 10



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