Begegnung mit Menschen: Weihnachten im Kapuzinerkloster in Münster

Das Leben in der Gemeinschaft:Bruder Richard lebt seit 46 Jahren im Kloster. Längst sind die Mitbrüder zu seiner Familie geworden.  
Das Leben in der Gemeinschaft:Bruder Richard lebt seit 46 Jahren im Kloster. Längst sind die Mitbrüder zu seiner Familie geworden.  
(Foto: Wilfried Gerharz)


Münster - Draußen in der Stadt tobt in aller Hektik der ganz normale Weihnachtswahnsinn: Plätzchen backen, Baum besorgen, Geschenke kaufen, Essen vorbereiten, streiten und schlichten. Drinnen im Kapuzinerkonvent findet in aller Ruhe der ganz normale Klosteralltag statt.

„Hektik“, sagt Bruder Richard und schiebt die Hände in die Brusttasche seines braunen Habits, „nein - die gibt es bei uns eigentlich nicht.“ Auch nicht zum Weihnachtsfest, einem der Höhepunkte des Kirchenjahres? „Nein“, erklärt der Guardian des münsterischen Konvents an der Kapuzinerstraße, „bei uns weiß jeder lange im Voraus, was er zu tun hat.“

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In der Adventszeit erinnert in den langen Gängen des Klosters nur hier und da ein Tannenzweig an die bevorstehende Ankunft von Gottes Sohn. Die 35 Brüder leben ihren Alltag. Der enthält neben den drei Gebetszeiten am Tag viel Arbeit. Die ist vielfältig. Krankenhausseelsorge, Lehrtätigkeit an der ordenseigenen Hochschule, seelsorgliche Gespräche, Betreuung der Obdachlosen, die zwei Mal täglich zum Essen ins Kloster kommen können, Betreuung der ordenseigenen Missionare in Albanien, Chile Indonesien und Mexiko. Und die Brüder in Ausbildung gehen fleißig ihren Studien nach.

Erst wenn die vierte Kerze brennt, wird es weihnachtlich. Die Räume werden festlich hergerichtet, der Weihnachtsbaum im Refektorium aufgestellt und geschmückt. Die Kartons mit den Krippenfiguren werden vom Speicher geholt und Maria, Josef und all die anderen Beteiligten bekommen ihre Plätze im Stall.

Im Chor, dem Raum, in dem sich die 35 Brüder des münsterischen Konvents drei Mal täglich zum Gebet und zur Eucharistiefeier versammeln, steht ein schlichter, aber großer Tannenkranz mit vier Kerzen. Seit dem ersten Advent lassen die Texte und Lieder, die die Brüder aus dem Stundenbuch beten und singen, den Heiligen Abend immer näher rücken. Bis es am 24. Dezember dann endlich nach Jesaja heißt: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt . . .“

Trotzdem: Am Heiligen Abend kehrt noch keine Ruhe ein. Um 21 Uhr wird ein festlicher Gottesdienst in der Klosterkirche gefeiert. Die wird dann ziemlich voll, die Gottesdienste bei den Kapuzinern sind beliebt. Nicht nur die Menschen aus dem umliegenden Wohngebiet singen gemeinsam mit den Brüdern: „Menschen, die ihr wart verloren, lebet auf, erfreuet euch“. Manche Gottesdienstbesucher reisen von weit her an, um die besondere Stimmung aufzunehmen. Andererseits müssen aber auch einige der Brüder reisen: Sie feiern in den Schwesternkonventen der Region diese „Heiligste Nacht“.

„Am ersten Weihnachtstag haben wir unser Familienfest“, sagt Bruder Richard und meint mit „Familie“ die Klostergemeinschaft, zu der neben den 35 Brüdern auch noch drei Franziskanerinnen gehören, die die Brüder in Haushaltsdingen und auf der hauseigenen Pflegestation unterstützen. Nach dem Abendgebet bereiten die Brüder gemeinsam ein kalt-warmes Büfet vor und legen die Geschenke, die sie von anderen Menschen bekommen haben, unter den Baum. Nach dem Essen liest dann einer der Brüder eine Geschichte vor. „Die muss nicht fromm sein, sollte aber natürlich etwas mit Weihnachten zu tun haben“, erzählt Bruder Richard. Und zu den Getränken gehört dann auch mal ein Bier.

Für die andere „Familie“, die leiblichen Brüder, Schwestern und Eltern, ist am Zweiten Weihnachtstag Zeit. „Viele von den Brüdern haben ihre Familie in der Region, die schaffen das dann an einem Tag, andere sind weiter und länger weg.“ Er selbst fährt zu seiner Schwester nach Menden.

Dabei lebt der 68-Jährige länger mit seiner Klosterfamilie als mit der ursprünglichen Familie zusammen. Schon im Alter von 15 Jahren hatte er als Schüler den ersten Kontakt zu Kapuzinern, trat mit 21 Jahren in den Orden ein. Warum? Es war das Leben in der Gemeinschaft, das den jungen Sauerländer faszinierte.

Und der Auftrag der Kapuziner, das Evangelium nicht nur für sich allein zu leben. sondern es auch den Menschen nahezubringen. „Die Begegnung mit den Menschen ist mir wichtig“, sagt der Mann mit dem schlohweißen Bart. Und wann ginge das besser als in der Advents- und Weihnachtszeit?


24 · 12 · 09


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