Ministerin besucht Hauptschulen

Bad in der Schülermenge an der Hauptschule Coerde: Die Jugendlichen wollten Barbara Sommer am Schluss nicht mehr gehen lassen.Foto:
Bad in der Schülermenge an der Hauptschule Coerde: Die Jugendlichen wollten Barbara Sommer am Schluss nicht mehr gehen lassen.Foto:
(Matthias Ahlke)


Münster - Nachdem Lehrer, Sozialpädagogen, Schulverwaltungsexperten viele lange Sätze gesprochen haben, richtet die Ministerin das Wort an die beiden Schüler am großen Sitzungstisch. „Und ihr“, will Barbara Sommer wissen, „wenn ihr nach eurer Schule gefragt werdet, sagt ihr dann, ihr geht nur auf die Hauptschule?“ André Wichtrup aus der neunten Klasse ist ganz ehrlich: „Ja schon“, sagt er und fügt hinzu: „Aber es ist die beste Schule, die ich mir vorstellen kann.“ Da lacht die Schulministerin an diesem Mittwochvormittag bei ihrem Besuch in der Droste-Hauptschule in Roxel: „Was haben sie dir für dieses Statement versprochen?“

Entspannte Stimmung im Lehrerzimmer der Hauptschule, in der erst vergangene Woche die gemeinsam mit der Augustin-Wibbelt-Förderschule genutzte Mensa eingeweiht wurde. Hier riecht alles neu, die Räume sind hell, im Schülercafé duftet es nach frischen Waffeln, der Fitnessraum hat eine Kletterwand - eine Vorzeigeschule.


Es ist schon die zweite Station an diesem Vormittag, den Barbara Sommer dem Besuch münsterischer Hauptschulen gewidmet hat. Die erste Adresse, die sie ansteuert, ist die Hauptschule Coerde, Landessiegerin und zweite Bundessiegerin beim Wettbewerb „Starke Schule“ und damit zweitbeste Hauptschule Deutschlands. Der Besuch der Ministerin, sagt ihr Pressesprecher, der einen ganzen Tross von Journalisten nach Münster mitgebracht hat, sei auch ein Ausdruck der Anerkennung für diese Leistung.

Schülersprecherin Lea Trubel, die schon bei der Preisverleihung in Düsseldorf dabei war, begrüßt Barbara Sommer wie eine alte Freundin. Viele Kinder und Jugendliche werden von der Ministerin geherzt, immer wieder streichelt sie Pferdeschwänze, klopft Jungen auf die Schulter und zum Schluss kommt sie kaum weg vom Schulhof, weil sie so viele Autogrammwünsche erfüllen muss.

Solche Bäder in der begeisterten Menge tun einer Politikerin immer gut. Barbara Sommer genießt es sichtlich. Lächelnd stöckelt sie durch die Schulflure und spendet überall Lob.

Lob für die Arbeit der Schulen, die den Jugendlichen nicht nur Wissen vermitteln, sondern auf Fragen der Lebensplanung Antworten geben wollen. „Wir brauchen hier jemanden, der auch für die Jugendlichen da ist, wenn sie nicht mehr auf unserer Schule sind“ lautet ein Wunsch der Lehrer an der Hauptschule Coerde: „Eine Stelle für jemanden, der dafür sorgt, dass einer im spontanen Frust nicht nach drei Monaten die mühsam errungene Ausbildungsstelle wieder schmeißt“, sagt Konrektorin Inge Nieländer.

Sommer nickt und verspricht, sich zu kümmern. In Coerde und Roxel sieht sie fast an jeder Station, die ihr vorgeführt wird: Die beiden Schulen haben reichlich Kooperationspartner gesucht und gefunden, um die Jugendlichen auf einen guten Weg zu bringen.

VON KARIN VÖLKER, MÜNSTER

03 · 06 · 09


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