Münster - Überraschungscoup zur Mittagszeit: Nur wenige Autos sind auf der Grevener Straße unterwegs, als die Polizei am Donnerstag um 13.30 Uhr vor den drei besetzten Häusern auffährt, um den Verkehr zum Erliegen zu bringen. Dann rollt ein Bagger an und rammt seine Schaufel in die Fensterfront. Zeitgleich stürmen Dutzende Beamte in die Gebäude. „Wir bleiben da!“ steht auf einer Barrikade, die sie aus einem Fenster auf die Straße werfen.
Zwei Jugendliche versuchen, eines der Gebäude auf der Rückseite zu verlassen, die Polizei stellt ihre Personalien fest. Weitere Besetzer sind nicht vor Ort, die Polizei hat leichtes Spiel. „Der rechtlose Zustand ist beendet, Zwischenfälle hat es nicht gegeben“, verkündet ein Polizeisprecher kurz darauf.
Der Bewohner der Dachwohnung des Hauses Nr. 49 dürfte das anders sehen. Obwohl es überhaupt nicht besetzt ist, stürmen die Beamten auch dieses Gebäude, rennen das Treppenhaus hoch - und treten die Tür der Dachwohnung ein. „Das geschah mit Absprache des Eigentümers“, betont Polizeisprecher Alfons Probst später. „Wenn wir gewusst hätten, dass da jemand wohnt, hätten wir sie nicht gestürmt.“ Auf die Frage, ob die Polizei damit einen Hausfriedensbruch begangen hat, entgegnet Probst: „Das hat gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft zu bewerten.“
Gegen 14 Uhr versammeln sich Mitarbeiter von zwei Abrissfirmen vor den geräumten Häusern. „Wir sollen sie unbewohnbar machen“, sagt Harry Jablonski. Vor Freitagmittag, vermutet er, wird sein Einsatz nicht beendet sein.
Die Polizei bereitet unterdessen ihren Abzug vor. Damit die Besetzer danach nicht zurückkehren, wird sie von einem Sicherheitsdienst abgelöst, der die geräumten Häuser im Auftrag der Wohn- und Stadtbau bewachen soll. Bis Montag - „dann beginnt der Abriss“, sagt Michael Toddenroth, Leiter der Hausverwaltung. Parallel wolle sein Unternehmen Verhandlungen mit den Mietern von Haus Nummer 49 aufnehmen, denn auch das soll im Zuge der Neugestaltung der Häuserzeile abgerissen werden.
Auf der Straße haben sich derweil Sympathisanten der Besetzer eingefunden. „Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage“, skandieren sie. Die Polizei drängt sie von der Straße, es gibt ein kurzes Gerangel. Um 15 Uhr rollt der Verkehr wieder.