TV-Komiker König beim „Sozialpalast“ im Schlossgarten

Drinnen liest ein kleiner König, draußen wird ein großer draus - Projektion ist eben alles.
Drinnen liest ein kleiner König, draußen wird ein großer draus - Projektion ist eben alles.
(Foto: -heh-)


Münster - Er steht im öffentlichen Raum und zeigt auf seiner Außenwand, was in ihm vorgeht. Der kleine Wohnanhänger - die mobile Kunststation der Aktion „Sozialpalast“ - parkte am Wochenende im Schlossgarten und um die fahrbare Kunstherberge lagerten sich die Zuhörer in Picknick-Manier. Im Wohnanhänger filmt die Kamerafrau unablässig alle Ecken und Winkel des vollgepfropften Vehikels, und ihre Bilder werden dank der Dunkelheit live draußen auf der weißen Außenwand wie auf einer Leinwand sichtbar.

TV-Komiker Johann König führt durch das skurrile und streckenweise sehr unterhaltsame Programm, das die Künstler im Wagen loslassen. Ziemlich bissig stößt er den Finger in die intellektuellen Weichteile seiner Mitmenschen. Er liest Gedichte und Texte. Lauten Klamauk braucht er nicht. Er zielt direkt ins Eingemachte, trifft ebenso ziel- wie selbstsicher und hinterlässt ein breites Grinsen im Gesicht des Zuhörers. Denn er scheint immer nur die anderen auf der Pfanne zu haben und sucht sich gern ein paar Randgruppen raus, die nicht durch Cleverness glänzen. Wie jene Fastfood-Family, deren Ernährungsberaterin sie vorm hohen Zuckergehalt von Cola warnt. Und die daraufhin erleichtert und stolz entgegnen, sie tränken Fanta.


Das musikalische „Kommando zurück“ hat Chaos-Techno oder Trash-Rap im Raumgepäck. Überspannt spacig rappen drei Herren in weißen Anzügen (optisch irgendwo zwischen Raumpatrouille Orion und Sandmännchen) sarkastisches Zeug ins Mikro. Ein paar mutmaßlich außerirdische Freunde tanzen und hopsen währenddessen um den mobilen „Sozialpalast“ herum. Schön bunt, garantiert unterhaltsam und sympathisch frech. Dazu blitzt zeitweilig das Sendfeuerwerk am Nachthimmel, wie bestellt. Oder kriegen die tanzenden Typen mit der Leuchtlampe auf dem Helm ein paar galaktische Grüße von kleinen grünen Freunden dort oben?

Andy Strauß ist bekennender Poetry-Slammer, und was er den Zuhörern um die Ohren wirft, ist durchaus hörenswert. Er zielt aus der Hüfte, den Literaturnobelpreis hat er weniger im Visier als die Lachmuskeln der Zuhörer. Vom begehrten Hochglanz der Prospektwelt bis nicht zur ganz jugendfreien Story um einen Nachmittag in der Einöde des Prenzlauer Bergs liest er schnell und hektisch seine Texte, und kaum ist der eine Lacher raus erstickt der nächste Gluckser schon dessen Reste.

Und dann die schönen Balladen von „Jock Watson & Die Anonymen Melancholiker“ - was haben die Jungs mit Konzertgitarre und Cello dort im Wohnanhänger zu suchen? Ganz einfach, sie singen ebenso aus vollem Herzen wie die anderen aus diesem heraus drauflostexten, sie haben Michael Jacksons „Billy Jean“ ein bisschen abgespeckt und aufpoliert.
Und Johann König wickelt alle jungen und jung gebliebenen Talente professionell in einen gutgeschnittenen Comedy-Mantel.

VON HEIKE EICKHOFF, MÜNSTER

30 · 06 · 08


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