Wo einst die Mauer die Menschen trennte

Martin Sonneborn (l.) sprach im Cinema mit Stephan Rürup über seinen Film „Heimatkunde“.
Martin Sonneborn (l.) sprach im Cinema mit Stephan Rürup über seinen Film „Heimatkunde“.
(Foto: -bel-)


Münster. „D-Mark und Bananen! Wir wollen D-Mark und Bananen.“ Das Vorpremierenpublikum zur Satire „Heimatkunde“ hatte sich passend zu Datum und Film am Freitagnachmittag, mithin der 3. Oktober und somit Nationalfeiertag in Erinnerung an die Wiedervereinigung, eingestimmt. Das Programmkino Cinema hatte sich, des Datums wohl bewusst, für eine Einladung an den bekannten Satiriker Martin Sonneborn, Ex-Chef des Magazins „Titanic“ und Chef der „Partei“-Partei, entschieden.

Sonneborn, sonst immer für Krawall-Satire gut, ließ es in dem Film verhältnismäßig kommod angehen. Begleitet von teils kitschigen Luftbildern und Sonnenuntergängen, umrundete er in 28 Tagen das Umland der Hauptstadt Berlin. Da, wo früher die Mauer Ost und West trennte, machte er sich auf die Suche nach skurrilen Leuten und deren Meinung zu Ost und West.


Auch wenn der Berliner Kurier noch vor Veröffentlichung des Filmes von „übler Ossi-Hetze“ schrieb, so hielt Sonneborn etwaige Vorurteile doch im Zaum. Und das tat dem Film gut. Ganz höflich und unprätentiös näherte er sich den Menschen, und die ließen ihrer „Berliner Schnauze“ freien Lauf.

Im Anschluss an das gut eineinhalbstündige Roadmovie auf Schusters Rappen fand Sonneborn zu alter Schärfe zurück und erklärte dem Premierenpublikum die nicht vorhandene Scheu seiner Akteure: „Das ist der Einfluss des Unterschichtenfernsehens.“ Die Leute, so war sich der „Partei“-Vorsitzende sicher, glaubten mittlerweile, eine Kamera beim Gespräch sei ganz normal.

Ist Heimatkunde nun eine „üble Ossi-Hetze“? Wer genau hinschaut, erkennt, dass das nicht die Intention des Filmes war. Auch wenn Sonneborn außerhalb des Films immer wieder darauf zurück kommt, dass seine „Partei“ für einen neuen Mauerbau eintritt, so fällt dieser Spruch im Film kein einziges Mal. Und auch die Menschen werden nicht durch den Kakao gezogen, wie man erwarten könnte. Bewegend war zum Beispiel die Szene, in der Sonneborn mit dem Asylanten Ahmet Abbas aus Palästina spricht, der schon seit 1995 in einer ausrangierten NVA-Kaserne lebt. Er darf weder in Deutschland arbeiten noch Brandenburg verlassen noch zurück nach Palästina, weil er keinen Pass hat. Insgesamt ist Heimatkunde also fast mehr Dokumentarfilm mit satirischen Anklängen. Oder, wie Sonneborn selbst sagt: „Der Film ist scheißpoetisch geworden.“

VON BERND LIESENKÖTTER, MÜNSTER

05 · 10 · 08



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