Dunkles Dorfgeheimnis

Szenen des Dorflebens: Der sichtlich angetrunkene Bürgermeister (Ulrich Sprenger) tanzt mit zwei Damen auf dem Tisch.
Szenen des Dorflebens: Der sichtlich angetrunkene Bürgermeister (Ulrich Sprenger) tanzt mit zwei Damen auf dem Tisch.
(Foto: -bel-)


Münster. Ein letzter Blick zur Upkammer, da oben ist seine Tochter Barbara gestorben. Dann macht der mürrische Vater das Licht aus. Ganz duster ist es nun in der finsteren Maikottenscheune, langsam brandet Applaus auf. Von der letzten Reihe bis ganz nach vorne. Die Premiere des Stückes „Gottverlassen“ von der erst im April gegründeten Theatergruppe „Theaterblut“, endete mit der klassischen Katastrophe.

Doch von vorne: Das von der Gründerin Stefanie Bockermann selbst geschriebene und inszenierte Stück fängt harmlos an: Zwei junge Mädchen vom Lande streiten sich um Süßigkeiten.


Doch so harmlos geht es in dem Dorf nicht zu. Da ist die hübsche Barbara (Rike Voswinkel), Tochter des Bauern (Wilhelm Neu), der ziemlich mürrisch ist und sich für Gott hält. Sie ist schwanger. Zusammen ist sie mit dem wortkargen Freddie (Thomas Kasny). Der freut sich riesig über das Kind, sein Kind. Doch im Dorf wird getratscht. Die Ladenbesitzerin (Andrea Worlitz) kriegt alles mit. Überzeugend zeichnet das Stück die dörfliche Neugier, die aber unter westfälischer Zurückhaltung versteckt werden will, nach. Die Neugier zielt auf das dunkle Geheimnis: Ist das Kind vielleicht gar nicht von Freddie, sondern vom Vater?

Die morbide Stimmung verstärkt sich. Grandios zeichnet Regisseurin Bockermann den dörflichen Osterball nach. Der besoffene, leicht desillusionierte Bürgermeister (Ulrich Sprenger) tanzt ausgeflippt mit der schönen jungen Studentin (Nadine Speckels) und der rassigen Lucia (Alica Neuhaus) zu Kim Wildes „Kids in America“ – herrlich grotesk. Nach gehörigem Gesaufe lallt es der Bürgermeister dann laut heraus: „Das Kind ist doch vom Vater.“

Der in sich gekehrte Freddie ist tief gekränkt. Barbara weist ihn zurück. Nichts will sie mit ihm zu tun haben. Dazu noch das Gerede im Dorf – schrecklich und beklemmend. Noch ein letztes Mal will er Barbara überreden. Er fensterlt, doch sie will nichts von ihm hören. Da flippt er aus.

VON BERND LIESENKÖTTER, MÜNSTER

14 · 09 · 08



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