Aufregend anders

Was will er dem Kunstfreund zeigen? Die Arbeit „Der falsche Mann“ von Christoph Krümpel weist den Weg durch die „Loft 113“-Ausstellung im Rohbau an der Friedrich-Ebert-Straße. Fotos:
Was will er dem Kunstfreund zeigen? Die Arbeit „Der falsche Mann“ von Christoph Krümpel weist den Weg durch die „Loft 113“-Ausstellung im Rohbau an der Friedrich-Ebert-Straße. Fotos:
(G.M. Glajch)


Münster - Volksfeststimmung kürzlich an der Friedrich-Ebert-Straße Nummer 113: Grillwürstchen und Bier statt Sekt und Lachsschnittchen. Das Architekturbüro Lethmate präsentiert das Projekt „Loft 113 - Kunst im Bau“, was bewusst mehrdeutig verstanden werden soll. Nicht nur die Kunst steckt im Rohbau des umgestalteten ehemaligen Stuhlgroßhandels. Auch viele der 26 ausstellenden Künstler sind quasi noch „im Bau“, sprich: Sie sind Studierende oder frische Absolventen der Kunstakademie.

Das sagt über die Qualität der Arbeiten natürlich nichts aus. So empfängt die Besucher zum Beispiel draußen das nicht nur durch die Plakatwandgröße beeindruckende Triptychon von Moritz Neuhoff. Obwohl dieser erst im vierten Semester studiert, lassen seine Gemälde und Collagen in Form und Ausdruck auf einen Künstler schließen, der seine Bildsprache bereits gefunden hat.


Gleb Bas hingegen absolvierte in 2008 sein Examen an der hiesigen Kunstakademie. Anna Fiegen, die Kommilitonen und Ehemalige für die außergewöhnliche Präsentation „Loft 113“ begeistern konnte, holte Bas sogar aus Berlin zurück nach Münster. Eloquent erklärte er Besuchern bei der Eröffnung die Machart seiner speziellen Mal-Druck-Technik auf Folie. Einen eigenen kleinen Raum im ersten Stock hat er gestaltet. Dort stellte er seine zeitgenössischen Ikonenbilder in Korrespondenz mit vorhandener Fototapete und Mörtelwänden.

Besondere Aufmerksamkeit zieht die Skulptur von Christoph Krümpel auf sich: Eine lebensgroße Männerfigur auf einem Sockel deutet mit ausgestrecktem Arm auf ein anderes, fiktives Objekt. Vielleicht deutet „Der falsche Mann“ (Titel) ja auf die gegenüber liegende Arbeit von Robin Ortgies: zwei etwa 50 Zentimeter hohe Spiegel stehen im 90-Grad-Winkel über einem auf dem Boden liegenden Halteverbotsschild. Das sich ergebende Bild verändert sich je nach Blick und Bewegung des Betrachters. Ein humoriges Spiel mit Form und Perspektive.

Viele Künstler und Galeristen kamen am Wochenende, um sich von der ungewöhnlichen, erst im April geplanten Kunstpräsentation ein Bild zu machen. Für die Aussteller bestand die Herausforderung beim Projekt „Loft 113“ darin, ihre Arbeiten in eine unvollkommene räumliche Umgebung zu stellen. Auf rauen Betonböden, in kahlen Treppenhäusern, zwischen nackten Ziegelwänden, herunter hängenden Stromkabeln und unverputzten Säulen wirken sämtliche Arbeiten aufregend anders. Besondere Effekte erzeugten bei der Eröffnung die intensiven Sonnenstrahlen, die durch die neuen, hohen Fensteralleen die Kunstwerke in ein eigenwilliges Licht tauchten.

» Die Ausstellung „Loft 113“ läuft noch bis zum 11. Juni. Die Öffnungszeiten sind: Montag bis Freitag von 16 bis 19 Uhr.


07 · 06 · 10



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