Freckenhorst - In die Abteilung Historische Buchbestände der Universitätsbibliothek Münster war vor mehreren Monaten der Buchbestand der ehemaligen Dechaneibibliothek Freckenhorst gebracht worden. Dort sollte er gesichtet, auf Schäden untersucht und katalogisiert werden. Die kleine, aber wertvolle Sammlung von rund 350 Werken vor allem des 17. bis 19. Jahrhunderts kehrte nun in einen Bibliotheksraum zurück, der zum neuen „begehbaren Depot“ der Pfarrgemeinde S. Bonifatius gehört. Dessen Fertigstellung steht kurz vor dem Abschluss.
In Münster wurden die Bücher auch in eine digitale Kartei aufgenommen, so dass sie nun in Freckenhorst für wissenschaftliche Arbeiten wieder benutzbar sind. Klaus Gruhn vom Förderkreis freute sich sehr über die Rückkehr des Bücherschatzes. Zu dem Schatz gehören als ältestes Werk eine 1515 in Lyon gedruckte und mit schönen Holzschnitten versehene Sammlung des Kirchenrechtes, ein in Köln 1537 gedruckter Psalter und eine ebenfalls mit Holzschnitten gezierte Bibel aus dem Jahre 1542. Daneben findet man viele Werke zur Predigtlehre und Moraltheologie oder auch das 1632 in Antwerpen gedruckte Missale Monasteriense, in dem die liturgischen Texte für alle Messfeiern des Kirchenjahres festgehalten sind. Auch Handschriften enthält der Schatz, die beim Chorgesang der Stiftsdamen benutzt wurden oder, als besondere Kostbarkeit, die Aufzeichnung der Abläufe eines „Osterspiels“, in dem der biblische Auferstehungsbericht von den Stiftsdamen und Geistlichen in dramatischer Form nachgespielt wurde. Der Leiter der Historischen Buchabteilung an der Uni Münster, Reinhard Feldmann, hat sich für den Erhalt vieler verborgener Bücherschätze in unserer Region verdient gemacht, so auch im ehemaligen Kloster Clarholz oder in Milte, wo es eine kleine historische Pfarrbibliothek gibt. Für Freckenhorst hat er zudem einen Kostenanschlag für nun notwendige Restaurierungsarbeiten an den Büchern aufgestellt. Das bedeutet für den Förderkreis, neben der guten Nachricht von der Rückkehr des Bücherschatzes auch eine weniger gute: Er muss nun über Jahre hinaus Bücherfreunde und Spender finden, die die hohen handwerklichen Restaurierungskosten bezahlen. Wer „Bücherpate“ werden will, kann steuerbegünstigt Geld bereit stellen. Gern geben dazu der Vorsitzende Klaus Gruhn oder die Kassenführerin Gerda Niehoff unter ihren Telefonnummern Auskunft.