Telgte - Als die rund 200 Traktoren direkt vor seinem Hof auf der Wolbecker Straße Aufstellung nahmen, um dann geschlossen weiter zu fahren, war Bernhard Rumphorst die Rührung anzumerken. „Wenn wir damit nichts erreichen, dann weiß ich es auch nicht mehr“, sagt der Landwirt aus Überzeugung. Zusammen mit Hunderten Berufskollegen machte sich der Telgter am Montag mit dem Trecker auf den Weg nach Brüssel, um dort am europäischen Milchbauerntreffen teilzunehmen und gegenüber den EU-Verantwortlichen ein deutliches Zeichen dafür zu setzen, dass „die Lage unseres Berufsstandes dramatisch ist“, so Rumphorst.
Der Landwirt weiß, wovon er spricht. 30 Kühe hat er im Stall, außerdem 500 Mastschweine. Um wirklich kostendeckend zu arbeiten, müsste er eigentlich einen Milchpreis von 40 Cent pro Liter bekommen. Knapp die Hälfte davon bekommt er zurzeit. Monatlich kommen so mehr als 3000 Euro zusammen, die der Bauer zuschießt. „Langsam wird die Luft immer dünner“, sagt er, und viele der umstehenden Berufskollegen nicken. Es geht um ihre Existenzen und die ihrer Kinder.
Auch wenn Bernhard Rumphorst am Sonntagabend bei einem kreisweiten Treffen von Milchbauern auf dem Hof Fockenbrock erst noch ein wenig gezögert hatte, schließlich schlug er den Knoten durch und packte seine Sachen.
Die rund 400 Kilometer bis Brüssel legt der Tross in Abschnitten zurück. Gestern ging es bis nach Kleve. Übernachtet wurde mit Luftmatratze und Schlafsack auf Anhängern.
Passend zum Gipfeltreffen der EU-Regierungschef Mitte der Woche wollen die Landwirte in Brüssel eintreffen. „Wir rechnen dort mit 4000 Traktoren aus etlichen Ländern“, so Rumphorst.
Unterstützung erhalten die Landwirte von vielen Seiten. Der Diesel für die Schlepper wird gesponsert. Rumphorsts Schlepper stellte Landmaschinen Reckers zur Verfügung. Der Grund dafür: Der eigene Traktor muss auf dem Hof bleiben, denn den bewirtschaftet in der Zwischenzeit ein guter Bekannter. Weitere Unterstützung sagten auch andere Telgter Landwirte zu.
„Sicherlich werde ich das eine oder andere Mal zu Hause anrufen und mich nach dem Rechten erkundigen“, so Bernhard Rumphorst. Doch er steht zu seinem Entschluss: „Wir werden nichts unversucht lassen, auf unsere Situation aufmerksam zu machen und ein Umdenken zu erreiche“, sagt er entschlossen.