Sendenhorst - Viele Hände schnippten, und manche Füße wippten am Samstagabend auf dem Promenadenring. Dass Musik verbindet, erlebten viele Sendenhorster bei m „Sing around the Ring“ im Rahmen des „German Acappella-Bundescontestes“ dort hautnah.
Bereits im Vorfeld hatte sich die erfolgreiche Identifikation der Bürger mit der „Stadt der Stimmen“ gezeigt, denn das Interesse an dem eigentlichen Wettbewerb in Studio vier der Alten Molkerei war bereits sehr groß.
Das Programm, in verschiedene Blöcke von Freitag bis Sonntag eingeteilt, bot mannigfaltige Abwechslung. Frauen- und Beziehungsthemen direkt aus dem Leben gegriffen hatte die Gruppe „Female Affaires“ in petto. Mit ihrem Song „Du“ von Peter Maffay, den sie kurzerhand mit viel Humor und Sarkasmus in ein egozentrisches „Ich“ umgeschrieben hatte, erntete sie spontane Lachsalven und Beifallsstürme aus dem Publikum.
Die Damen-A-cappella-Gruppe „Sugar n Spice“ umgarnte während ihrer Darbietungen gekonnt ihren 22-jährigen Chorleiter Lennard Bertzbach und zeigte flotte, spritzige Choreographien. Sie war eigens für den Wettbewerb am Samstag angereist und wollte am selben Abend auch wieder abreisen, verriete sie den WN. „Von Sendenhorst haben wir leider nicht viel gesehen.“
Und Action: Die Mädel von „Sugar`n Spice“ sorgten für ordentlich Bewegung auf der Bühne. Fotos: (Anke Weiland)
Der Moderator des Wettbewerbs, Alexander Schwarz, lobte den Facettenreichtum der Gruppen und kündigte die reine Männergruppe „vorlaut“ an.
Sie machte ihrem Namen alle Ehre und brachten Alltagssituationen, vornehmlich das weibliche Geschlecht betreffend, humorvoll musikalisch auf den Punkt. Von „shoppen gehen kannst du alleine“ über das Rauchen bis zur Frage, wer denn nun den „ersten Schritt“ macht, ließen sie kein Klischee aus und brachten das Publikum zum Schmunzeln. Auch diese Jungs hatten eine lange Anfahrt von fünf Stunden hinter sich. Bis zur Siegerehrung gestern wollten sie dennoch bleiben. „Es gefällt uns gut hier“, waren sie am Samstagabend doch reichlich müde und freuten sich auf ihr Quartier in der „Waldmutter“.
Die „NotenDealer“ brachten A-cappella-Rock-Entertainment in den Wettbewerb. Die selbst ernannte A-cappella-Boygroup rockte definitiv die Bühne. „Andrea, die andern sind okay, aber du bist okayer“, hieß es in ihrem Liebeslied.
Mit ihrer bombastischen Performance von Michael Jacksons „Smooth Criminal“ brachten sie die Bühne zum Beben und die Zuschauer zum Kreischen. „Sendenhorst ist eine sehr liebe Stadt. Wir kommen gerne wieder“, war die Sympathie gegenseitig. Sänger Tim Gernitz fand es „herrlich“ in Sendenhorst, meinte er im Gespräch mit den WN. Die Gruppe sei privat bei Max Linnemann-Bonse untergebracht. „Gestern waren wir noch in Berlin“, erzählte er von der Teilnahme an der Fernsehshow „X-Factor“. „Das Publikum hier ist total nett.“Einen vergleichsweise schlichten Auftritt, wenn es um Choreographie geht, zeigten die drei „Himmelstöchter“, die ihren Namen einem Törtchen verdanken. Ihr Fokus lag eindeutig auf den stimmlichen und melodischen Qualitäten. Auch auf spanisch konnten sie gesanglich mit „El vito“ überzeugen.
Die „Himmelstöchter“ waren anschließend auch privat beim „Sing around the Ring“ anzutreffen. Sie waren sehr angetan von dem Wettbewerb in Sendenhorst und sparten nicht mit Lob für die Organisation: „Es fehlt uns an nichts. Wir werden persönlich betreut, es ist das Rundum-Sorglos-Paket.“ Das hohe Niveau der Darbietungen erstaunte sie: „Auch die, die sich Amateure nennen, sind toll.“ Nur das „englische Wetter“ hätte ihrer Meinung nach besser sein können, nahmen sie es mit Humor.
Rund um die Promenade konnten sich dann alle interessierten Sendenhorster von dem Können einiger A-cappella-Gruppen auf den vier Bühnen überzeugen. Die frechen Damen von den „Zuckerröhren“ stellten ihre Heimatstadt Berlin musikalisch vor und tranken sich die Männer schön. „Wo sind die Singles, wenn man einen braucht?“ Sarkastische Texte über Softies erheiterten das Publikum im Garten von Haus Siekmann.
Auf der Bühne an der Neustraße vertonten „Key West“ vertraute Lieder bekannter Sänger wie Phil Collins und Michael Jackson. Die Zuhörer trotzten hartnäckig den gelegentlichen Regenschauern und wurden dafür von den Sängern gelobt: „Ihr seid so tapfer.“
„Mit ohne Alles“ aus Aachen bot kurzweilige Unterhaltung auf der Bühne am „Himmelreich“. Die fünf Studenten bewiesen ihre Vielseitigkeit, als aus „Hotel California“ mitten im Lied „Hotel Havanna“ mit unüberhörbaren kubanischen Einflüssen wurde. Auch die improvisierte Pausenmusik von „Pete the Beat“, Peter Stohl, der in Sendenhorst kein Unbekannter mehr ist, wurde frenetisch bejubelt.
Einer der Publikumslieblinge waren wohl die fünf Amateure von „Scampi“, die mit ihren unkonventionellen Texten - „My Girl“ wurde kurzerhand zu „Mein Grill“ - die Zuhörer begeisterten. Die „A-cappella-Schlümpfe“ in unverwechselbares Türkis gekleidet, brachten ihre Lieder mit einer ordentlichen Portion Humor und suchten gerne den unmittelbaren Kontakt zum Publikum. Jubel und Zugabe-Rufe der Zuhörer waren der wohlverdiente Dank.
Die Stimmung unter den Sendenhorstern, die das Angebot „umsonst und draußen“ reichlich nutzten, war trotz des kühlen und nassen Wetters gelöst und heiter. Das lag zum einen an der tollen Organisation und der Durchführung, an der sich auch viele Geschäftsleute beteiligten. Sicherlich aber auch an den mitreißenden Darbietungen der sympathischen A-cappella-Gruppen, die einen unvergesslichen Abend gestalteten, der in der abschließenden After-Show-Party im Studio seinen allmählichen Ausklang fand.
Die Jury brauchte gestern am frühen Abend lange, um das letztlich knappe Ergebnis festzustellen. Bei den Profis hatte die „Juice Box“ die Nase vorn. Bei den Semiprofessionellen siegte „Female Affairs“. Und die „Chickpeas“ aus Leipzig wurden zu den besten Amateuren erklärt.