„Qualitätskontrolle muss selbstverständlich sein“

Der Vorsitzende des Agrarausschusses in Berlin, Hans-Michael Goldmann (2.v.li), diskutierte auf dem Hof Werring aktuelle Themen aus der Landwirtschaft. Foto:
Der Vorsitzende des Agrarausschusses in Berlin, Hans-Michael Goldmann (2.v.li), diskutierte auf dem Hof Werring aktuelle Themen aus der Landwirtschaft. Foto:
(Josef Thesing)


Sendenhorst - Deftige Worte gehören zum Wahlkampf wie das Salz in die Suppe. „Bei einer grünen Ministerin sehen wir Landwirte rot“, sagte Kreislandwirt Karl Werring zur Begrüßung seiner zahlreichen Gäste auf seinem Hof. Und wie zur Bestätigung sprang im Stall die Alarmanlage an - ohne ernsthafte Konsequenzen.

Vor dem Kamin waren zahlreiche Vertreter der Landwirtschaft und der heimischen FDP zusammengekommen, um mit einem besonderen Gast über eine Fülle von Themen zu diskutieren, die die Bauern bewegen: Hans-Michael Goldmann, FDP-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Im Schlepptau hatte der auch Dr. Hans Günter Schöler, FDP-Landtagskandidat für den Nordkreis.


Klar, dass sich Goldmann, der im ursprünglichen Beruf Tierarzt ist und aus dem Emsland kommt, für die Wiederwahl der derzeitigen schwarz-gelben Landesregierung aussprach. „Aus landwirtschaftlicher Sicht muss sie bleiben.“

Diskutiert wurden unter anderem zahlreiche, vor allem auf europäischer Ebene anstehende Reformen. Und da gelte es dafür Sorge zu tragen, dass die deutschen Bauern vor allem in finanzieller Sicht nicht als zweiter Sieger durch das Ziel gehen. Schließlich gehe es auch um vier Millionen Arbeitsplätze.

Fakt sei aber, so Goldmann, dass es für den einzelnen Landwirt wohl weniger zu verteilen gebe, da die Gemeinschaft der Nutznießer durch die neuen Mitglieder in Osteuropa größer geworden sei. Und: „Es ist klar, dass in Deutschland im Jahr 2011 auf Teufel komm raus gespart wird.“ Nicht zu vergessen sei zudem auch, dass alles von den Steuerzahlern finanziert werden müsse.

Ob Landwirtschaft und Klima oder Tierschutz und Verbraucherinteresse: Die Palette der Themen war groß. „Ein vernünftiger Bauer hält sich an den Tierschutz, weil er nicht blöd ist“, erklärte Goldmann. Denn die Tiere seien nicht nur „Mitgeschöpfe“, sondern auch lebendiges Kapital. Wichtig sei, dass sich alle an die Regeln hielten und „klug agieren“.

Die Verantwortung für die Qualität der landwirtschaftlichen Produkte liege bei den Unternehmern und nicht beim Staat. Gleichwohl sei es wichtig, dass die Lebensmittelkontrolle die Landwirte unterstütze. „Wir brauchen keine Diskussion über die Qualitätskontrolle, weil diese selbstverständlich sein muss“, erklärte Goldmann. Wichtig sei dabei, „auch untereinander Klartext zu reden“. „Du kannst die Eier nicht mit ,Freiland stempeln, wenn du die Hühner immer nur im Stall hast“, appellierte der Abgeordnete an die Ehrlichkeit.

Gefordert sei auch beharrliche Kontinuität. „Horst Seehofer neigt dazu, alle drei Tage eine neue Sau durch das Dorf zu treiben“, schickte er Grüße an den bayrischen Ministerpräsidenten, der die Zukunft des ländlichen Raums zur Chefsache erklärt hatte.

VON JOSEF THESING, SENDENHORST

24 · 03 · 10



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