Geschichten gehen unter die Haut

Einige Schülerinnen suchten im Anschluss an die Autorenlesung in der Hauptschule im Herxfeld das Gespräch mit der Schriftstellerin Annette Weber Foto:
Einige Schülerinnen suchten im Anschluss an die Autorenlesung in der Hauptschule im Herxfeld das Gespräch mit der Schriftstellerin Annette Weber Foto:
(Irmler)


Sassenberg - Intensiv hatten sich die Schüler des neunten Jahrgangs der Hauptschule im Herxfeld auf ihren Besuch vorbereitet. In der Zeit von den Herbstferien bis zum Jahreswechsel hatten sie sich gemeinsam mit ihren Deutschlehrerinnen mit dem Buch „ Im Chat war er noch so süß!“ von Autorin Annette Weber befasst.

Sie fertigten aufwändige Lesetagebücher an und schrieben ihr einen Brief. Zu ihrer positiven Überraschung antwortete Weber auf jeden einzelnen Brief mit einem persönlichen Antwortschreiben und ging hierbei individuell auf die Fragen und Eindrücke ihrer Leser ein.


Am Freitagmorgen war es dann soweit. Weber betrat die schuleigene Mensa und las aus ihren Werken vor. Diese handeln von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die vom rechten Weg abgekommen sind und nun Haftstrafen verbüßen müssen. Die Geschichten der Insassen sind sehr unterschiedlich. Vom Räuber, über den Gewalttäter bis hin zum drogenabhängigen Jugendlichen.

Auch das Thema Prostitution wird thematisiert. Weber suchte den Kontakt zu Straftätern und Psychiatrien und tauschte sich mit den Betroffenen aus. So berichtet beispielsweise eine junge Frau von ihrem krankhaften Zwang, sich selbst mit Glasscherben oder Messern schmerzhafte Narben an Armen und Händen zufügen zu müssen.

Die vorgestellten Bücher unterscheiden sich jedoch in ihrer Art. Einige, wie etwa das zuvor im Unterricht intensiv gelesene „Im Chat war er noch so süß“ stammen aus der Feder Webers. Viele andere Geschichten wurden jedoch von den Betroffenen selbst verfasst. Ihre Identität wurde jedoch verfremdet.

Authentisch bleiben ihre geschilderten Erlebnisse dennoch. „Sie fungieren selbst als Autoren. Ich setze mich dann mit einem Team des Verlags zusammen. Die Jugendlichen haben unterschiedliche schulische Werdegänge. Wir helfen ihnen dann dabei, ihre Schilderungen entsprechend zu verfassen“, erläuterte Annette Weber. Eine Überarbeitung des Geschriebenen sei daher manchmal nötig.

Auf die Frage, ob ihr als Autorin überhaupt noch neue Themen einfallen würden, reagierte Weber ein wenig zurückhaltend. „Es wird natürlich schwieriger. Aber im Team besprechen wir mögliche weitere Themen.“ Nachdem sie in der Vergangenheit eine Justizvollzugsanstalt sowie eine Psychiatrie besuchte, erreichen sie nun direkt Zuschriften anderer Straftäter und Betroffener, die ihre eigene Geschichte erzählen möchten. „Ich habe schon sehr viel erlebt und gesehen. Routine werden diese Begegnungen aber deswegen nicht. Die Geschichten gehen mir ganz schön unter die Haut!“

Seit etwa 28 Jahren ist Weber bereits als Autorin tätig. Hierfür hängte sie sogar ihren Beruf als Lehrerin an den Nagel. „Ich war sehr gerne Lehrerin. Doch das Schreiben macht mir einfach noch mehr Spaß.“ Um ihrer entdeckten Passion nachgehen zu können, ließ sie sich vom Schuldienst freistellen. Diese Option ist jedoch zeitlich begrenzt. Eine Rückkehr in den Schulalltag schließt Weber jedoch aus. „Ich denke nicht, dass ich wieder in den Schuldienst zurückkehren werde.“

Nicht nur der Autorin schienen die Lesung und der Kontakt mit ihrer jungen Zielgruppe sichtlich Freude zu machen. Die Neuntklässler waren im Rahmen der Besprechung sehr engagiert und stellten viele Fragen. Deutschlehrerin Ingrid Meyer zu Hörste war ebenfalls sehr zufrieden. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Maria Cordt und Verena von Lanngen hatte sie das Treffen vorbereitet. „Der Kontakt zu Frau Weber war sehr unkompliziert. Die Schüler haben die Lesung selbst finanziert. Das spricht für sich.“

Zum Abschluss des Treffens bestand die Möglichkeit, sich das im Rahmen einer intensiven Vorbereitung angefertigte Arbeitsheft von Weber signieren zu lassen. Auch ein Austausch im kleineren Rahmen war möglich.


28 · 02 · 10



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