Glücksbringer genießt Vertrauen

Hoch über den Dächern ist der Arbeitsplatz von Bezirksschornsteinfeger Klaus Achtermann.Fotos:
Hoch über den Dächern ist der Arbeitsplatz von Bezirksschornsteinfeger Klaus Achtermann.Fotos:
(Lieber)


Sassenberg - Klaus Achtermann setzt die Leiter an, erklimmt das Dach und ist blitzschnell auf allen Vieren beim Schornstein. Er lässt den Leinenbesen in den Schacht gleiten und fegt den Kamin. Für den 43-Jährigen ist das Alltag, auch wenn nicht jeder Tag im Leben des Schornsteinfegers gleich abläuft. Aber dafür ist er wohl der Einzige, der Bürgermeister Josef Uphoff sowohl privat als auch im Rathaus aufs Dach steigen darf.

„Ich bin für die Straße Lange­fort und das Gebiet links und rechts von Langefort zuständig“, erklärt Achtermann, der sich als Bezirksschornsteinfeger das Sassenberger Gebiet mit einem Kollegen aufteilt. Außerdem ist Klaus Achtermann auch für die Gemeinde Beelen zuständig.


Um 6 Uhr steht der Freckenhorster auf, und kurz bevor er sich auf den Weg macht, geht es noch ins Büro, um den Anrufbeantworter abzuhören. „Gegen 7 Uhr fahre ich dann los.“ Die normale Kehrtätigkeit nimmt dabei in etwa 50 Prozent seiner Arbeitszeit in Anspruch. Die andere Hälfte ist ausgefüllt mit messen und überprüfen, denn das Bundesimmissionsschutzgesetz hat hier klare Richtlinien vorgegeben. Es ist geregelt, welche Schornsteine in welchem Rhythmus gefegt und überprüft werden müssen. Dementsprechend werden natürlich Schornsteine mit festem Ofen und Rußentwicklung häufiger gereinigt.

Aus logistischen Gründen trennt Klaus Achtermann die Tage nach Aufgabenlage. So legt er die Kehrtermine möglichst zusammen, um in der schwarzen Kluft seinen Dienst zu versehen. „Ich fahre los und besuche Kunden, die terminlich angekündigt sind“, sagt Achtermann. Aber zwischendurch besucht er auch andere Kunden. „Ich habe meine Erfahrungen und weiß, wen man auch so aufsuchen kann“, füllt der Schornsteinfeger die zeitlichen Lücken.

Bei den Kunden geht es entweder mit der Leiter aufs Dach, um mit dem Leinenbesen - weil er an einer Leine hängt - den Kamin zu fegen. Oder aber auf den Dachboden, um mit dem Stoßbesen nach oben und mit dem Leinenbesen nach unten zu reinigen. „Dann gehe ich in den Keller, um an der Sohle den Ruß zu entnehmen“, erklärt Achtermann. Zudem reinigt er die Verbindungen. Für ein Einfamilienhaus benötigt er im Schnitt eine halbe Stunde. „Es besteht ein großes Vertrauensverhältnis in der Kundschaft, so das vieles unproblematisch abläuft.“

Aber der selbstständige Bezirksschornsteinfeger hat auch noch andere Aufgaben. Und dann geht es in zivil zu den Kunden, um beispielsweise Feuerstätten abzunehmen, Energie-Beratungen vor Ort durchzuführen, oder auch beim Neubau im Vorfeld die möglichen Alternativen aufzuzeigen. „Man kann den Kunden Anhaltspunkte für die Entscheidung geben.“ Dabei ist auch die Feuersicherheit ein wichtiges Thema, denn durch die dichten Gebäudehüllen der neuen Häuser und die leistungsstarken Dunstabzugshauben und Lüftungsanlagen besteht die Gefahr, dass Unterdruck im Gebäude entsteht, der vom Schornstein überwunden werden muss, damit sich kein Kohlenmonoxid bildet.

Neben den Außendiensttätigkeiten steht dann ab 16 Uhr zu Hause auch noch reichlich Büroarbeit an. Denn auch der Schornsteinfeger muss am Computer arbeiten. „Mein Mitarbeiter kommt hierhin und dann erledigen wir die Tagesabrechnung“, sagt Achtermann. Zur Verwaltung gehört auch das Ausfüllen des Kehrbuches, das am Jahresende an den Kreis abgegeben wird. Dort wird dann überprüft, ob alle Gebäude begangen worden sind, und es wird eine Mängel-Statistik erstellt, um Gefahrenpotenziale zu erkennen.

„Mein Beruf ist abwechslungsreich und macht mir immer noch Spaß, versichert Klaus Achtermann, der schon als 16-Jähriger eine Lehre in Everswinkel absolvierte, 1990 seine Meisterprüfung ablegte und 2004 schließlich seinen Bezirk als selbstständiger Schornsteinfeger übernehmen konnte. Und sein letzter Azubi war aus Sassenberg. Dennis Möllers wurde sogar Landessieger und belegte beim Bundeswettbewerb den vierten Platz.

In die Zufriedenheit mischt sich nun aber die Unsicherheit über die neue Gesetzgebung, die ab 2013 in Kraft tritt. Dann können die Kunden auf dem freien Markt ihren Schornsteinfeger für Mess- und Kehrtätigkeiten beauftragen. „Der Feuerstättenbescheid wird aber weiter vom Bezirksschornsteinfeger erstellt und ist gebührenpflichtig“, sagt Achtermann.

Aber eins ist auch nach vielen Jahren geblieben: Der Schornsteinfeger bleibt ein Glücksbringer. „Die Leute fragen oft, ob sie mich mal anfassen oder am Goldknopf drehen dürfen. Das ist sogar bei der jüngeren Generation noch so“, strahlt Achtermann.

VON ULRICH LIEBER, WARENDORF

26 · 02 · 10



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