Die Rutsche bildet nach Ansicht der Planer ein großes Gefahrenpotenzial und müsste entweder abgesperrt oder an einer andere Stelle platziert werden.
Sassenberg - Dass eine komplette Sanierung des Freibades teuer würde, war den Kommunalpolitikern sicher schon lange klar. Welche Summen aber letztlich im Raum stehen, das erfuhren sie am Dienstag in einer gemeinsamen Sitzung des Infrastrukur- und des Sozialausschusses. Rund 1,3 Millionen Euro würde demnach ein Edelstahlbecken kosten, für rund 923 000 Euro ist ein Folienbecken zu haben.
Bürgermeister Josef Uphoff hatte zu Beginn der Sitzung zunächst eine schlechte Nachricht, denn ursprünglich sollte neben dem Sanierungskonzept auch ein Angebots- und Entwicklungskonzept vorgestellt werden, doch der Referent musste aus Krankheitsgründen kurzfristig absagen. Aber auch so wurde es interessant, denn Peter Kofler und Dirk Leinkenjost vom Planungsbüro Roling hatten wichtige Informationen für die Ausschussmitglieder.
„Der aktuelle Betrieb entspricht einer geduldeten Situation“, mahnte Kofler. Allerdings liege dies nicht maßgeblich am Sanierungsbedarf, sondern daran, dass sowohl die Rutsche als auch der Sprungturm nicht den heutigen Sicherheitskriterien entsprächen. „Die Rutsche ist ein absolutes ,no go, und die Sprunganlage hat Gefahrenpotenzial, weil die Geländer nicht mehr den aktuellen Richtlinien genügen.“ Das Problem der Rutsche liegt darin, dass sie nicht in einem Extra-Bereich untergebracht ist. Es müsste zumindest eine Absperrung eingerichtet werden, um Unfälle zu verhindern.
Kofler begann seinen Bericht mit einer Bestandsanalyse. Er wies darauf hin, dass die Wasserqualität verbessert werden könnte, denn nur 50 Prozent des Umwälzvolumens würden bei der Längsdurchströmung abtransportiert. „Hier besteht die Gefahr der Keim- und Virenbelastung.“ Um 100 Prozent zu erreichen, sollte das Wasser mit einer Vertikaldurchströmung über Überlaufrinnen ablaufen. Im Rahmen der Sanierung sollten seiner Meinung nach auch die Durchschreitebecken behindertengerecht gebaut, die Rutsche erneuert und neu positioniert, die Sprunganlage und der Beckenkopf erneuert werden. Er empfahl ein Edelstahlbecken, weil dies attraktiv und modern sei und von der Bevölkerung gut angenommen werde.
Der alternative Ausbau in Folienform ist deutlich günstiger und dauert nur etwa einen Monat länger. Allerdings müssten dafür erhebliche Tiefbauarbeiten durch geführt werden. „Ein Folienbecken wirkt schnell ungepflegt und wird nur noch selten verbaut“, sagte Kofler.
Dirk Leinkenjost gab noch einen Einblick in den technischen Teil und schlug zusätzlich eine Solarabsorberanlage vor, um das Wasser durch die Sonne ein wenig vorzuheizen. Außerdem sei es sinnvoll, eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren.
Franz-Josef Linnemann (FWG) wollte wissen, ob denn die Pflicht zur Sanierung bestehe, oder ob es reiche, die Mängel zu beheben. „Ein Längsdurchströmung ist eigentlich nicht mehr erlaubt“, meinte Kofler, der auch noch einmal auf die Sicherheitsrisiken hinwies. „Wir dürfen aber keine Rechtsberatung machen“, bliebt er vorsichtig.
Gar nicht einverstanden war Michael Franke (SPD): „Ich wehre mich dagegen, dass unser Freibad gefährlich ist. Das stimmt so nicht.“ Rüdiger Völler (CDU) bat die Verwaltung darum, die rechtliche Seite zu überprüfen, um auf der sicheren Seite zu sein.
Für Bürgermeister Josef Uphoff war angesichts der vorgestellten Kosten klar, dass die bislang eingestellten Beträge für die kommenden Haushalte bei weitem nicht ausreichen werden. „Wir kümmern uns um die Haftungsrisiken“, versprach er. Und so wird es erstmal dabei bleiben, dass die Stadt die vorhandenen Mängel soweit wie möglich beseitigt, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Dafür werden jedes Jahr zwischen 5000 und 10 000 Euro aufgewendet.