Neue Perspektiven am Ortsrand

Ortsrandbild mit begrenzter Haltbarkeit: Das neue Baugebiet „Königskamp“ wird an die Stelle von Kleingärten und Streuobstwiese rücken und künftig den Südrand Alverskirchens prägen.Foto:
Ortsrandbild mit begrenzter Haltbarkeit: Das neue Baugebiet „Königskamp“ wird an die Stelle von Kleingärten und Streuobstwiese rücken und künftig den Südrand Alverskirchens prägen.Foto:
(Meyer)


Alverskirchen - Die Vorentscheidung ist gefallen. Der Bezirksausschuss hat in seiner Sitzung am Dienstagabend den Bebauungsplan und die Flächennutzungsplanänderung für das angepeilte Alverskirchener Baugebiet „Königskamp“ mit dem Ausgangsstempel versehen und auf den Weg geschickt. Der Flächennutzungsplan erwartungsgemäß mit den Stimmen von CDU und FDP bei gleichzeitiger Ablehnung durch die SPD, beim Bebauungsplan stimmte die FDP allerdings auch mit "Nein", weil sich die Liberalen an der Gestaltungssatzung stoßen. Nun wird sich der Planungsausschuss am Dienstag mit der Materie beschäftigen, bevor der Gemeinderat am 13. Juli die bindenden Beschlüsse fällt.

Noch einmal kämpfte sich der Ausschuss mit einem gewissen Déjà-vu-Erlebnis durch die eingegangenen Einwände und Stellungnahmen zu der Planung, denn viele Äußerungen waren schon aus der frühzeitigen Bürgerbeteiligung bekannt. Bezirksregierung und Landwirtschaftskammer haben bereits grünes Licht signalisiert, und die Archäologen des Landschaftsverbandes wollen - sobald der Frost aus dem Boden und der Acker trocken ist - ihre Bodenuntersuchung nachholen.


Planerin Johanna Schoppengerd vom Büro Tischmann & Schrooten griff in der Sitzung die zentralen Punkte heraus. Dabei spielte unter anderem die Grünzunge zwischen bestehendem und künftigem Baugebiet eine Rolle. Anwohner fordern mit Hinweis auf Eintragungen im „Ortsentwicklungsplan“ einen durchgehenden Grünbereich. Schoppengerd machte erneut deutlich, dass die Funktion eines Grünzuges auf der ganzen Breite nicht gegeben sei und auch unter finanziellen Gesichtspunkten (Bauland) „nicht sinnvoll ist“. Außerdem, so hob FDP-Ratsfrau Dagmar Brockmann hervor, „ist das kein Ortsentwicklungsplan, sondern ein Ortsentwicklungskonzept, das gar nicht beschlossen wurde“. Das Konzept war 2003 unter Mitwirkung von Werner Schniedermann entwickelt worden, hat aber nie verbindlichen Charakter erlangt.

„Das haben Pläne so an sich: Was schön ist, wird eingezeichnet“, und manchmal müsse die Kommunalpolitik so etwas wieder streichen, wenn es konkret werde, erklärte Ausschussvorsitzender Karl-Theo Gerd-Holling (CDU), der die Idee des Planungsbüros, die neue angrenzende Bebauung weiter nach Norden zu verschieben, so dass größere Gärten entstünden, als gut bezeichnete. Die Befürchtung einiger Anwohner, die derzeit den freien Blick auf die Landschaft genießen, durch das neue Baugebiet eingeschnürt zu werden, veranlasste Planerin Schoppengerd dazu, mit einer möglichen Illusion aufzuräumen: „Man hat kein dauerhaftes Recht auf Wohnen an der Siedlungskante.“

Auch die Einwände, das Baugebiet sei an der falschen Stelle, sei zu groß, vernichte die vorhandenen Kleingärten, werde verkehrlich falsch angebunden und führe zur unvertretbaren Belastung der Wiemstraße, wurden noch einmal aufgerollt. Der Flächenauswahl sei eine umfangreiche Diskussion vorangegangen, das Baugebiet orientiere sich am örtlichen Bedarf und werde in Abschnitten entwickelt, „und es entsteht auch kein neuer Siedlungsschwerpunkt, sondern das Baugebiet schließt sich an den vorhandenen Siedlungsschwerpunkt an und nutzt die vorhandene Infrastruktur“, betonte Schoppengerd und verwies darauf, dass es in Alverskirchen keine größere Brachfläche als Alternative gebe. „Wichtig ist es, zweigleisig zu fahren: Nachverdichtung im Bestand zu betreiben und Neubaugebiete zu entwickeln.“ Eine Bemerkung, die Bürgermeister Ludger Banken bekräftigte. Was die Verkehrsbelastung der Wiemstraße anbelangt, so liege die mit prognostizierten 605 Fahrzeugen am Tag deutlich unter der Grenze der möglichen Belastbarkeit mit bis zu 2 500 Fahrzeugen am Tag, zeigte Bauamtsleiter Frank Holzmüller auf. Eine direkte Anbindung des „Königskamps“ an die L811 wird vom Landesbetrieb Straßen NRW derzeit abgelehnt.

Mit Blick auf die Streuobstwiese und die Kleingärten erklärte die Planerin, „man findet nie einen Landschaftsraum, der keine wertvollen Elemente hat“, aber dafür werde ja ein Ausgleich geschaffen, und die Obstbäume könnten umgesetzt werden. Den Pächtern der Kleingärten sei zudem schon lange bekannt, dass in diesem Bereich Ortsentwicklung stattfinden könnte. Laut Bauverwaltungsamtsleiter Norbert Reher helfe die Gemeinde bereits bei einer angedachten Alternativfläche.

VON KLAUS MEYER, WARENDORF

11 · 03 · 10



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