Theo Reddemann (rechts) und Rainer Koßmann haben am Freitag die neuen Auszubildenden der Firma Echterhoff begrüßt. Für den Fototermin „enterten“ die beiden Geschäftsführer eine Henschel-Walze, Baujahr 1955. Der Oldtimer ziert seit wenigen Tagen die Einfahrt zum Betriebsgelände und wurde mit Unterstützung einiger Lehrlinge restauriert.Foto: (Frank Klausmeyer)
Westerkappeln-Velpe - Wer über Deutschlands Straßen fährt und die Brücken in der Republik quert, ist nicht selten auf der fachmännischen Arbeit der Firma Echterhoff unterwegs. Und das seit 1860. Das Unternehmen feiert sein 150-jähriges Bestehen. Seit fünf Generationen steht es im Familienbesitz, wahrlich nicht die Regel in der Bauindustrie. Zum Jubiläum schickt sogar der Bundespräsident Glückwünsche.
Nun kennt Christian Wulff als Osnabrücker die Echterhoff Bau-Gruppe, die in der Hasestadt gegründet wurde, auch ziemlich gut. In der Hauptverwaltung an der Industriestraße in Velpe sind die Verantwortlichen trotzdem stolz auf das Grußwort des ersten Mannes im Staate, das allerdings noch streng vertraulich in den Akten von Geschäftsführer Rainer Koßmann verwahrt wird. Gefeiert wird das stolze Jubiläum erst im Herbst; am 15. Oktober zunächst mit einem offiziellen Festakt in der Stadthalle Osnabrück, eine Woche später gibt´s ein großes Mitarbeiter- und Familienfest in Velpe.
Im Moment steht noch das Tagesgeschäft im Vordergrund. Und da stand am Freitag die Begrüßung der neuen Auszubildenden auf dem Terminplan. Zehn Lehrlinge haben am Montag in Velpe ihren ersten Arbeitstag, vier weitere legen am Standort Dessau los. Insgesamt bildet die Unternehmensgruppe damit derzeit 43 junge Menschen aus, bei einer Gesamtbelegschaft von rund 400 Mitarbeitern. Das seit vielen Jahren selbstgesteckte Ziel von einer Ausbildungsquote über zehn Prozent wird wieder locker erfüllt.
Theo Reddemann, der mit Rainer Koßmann sowie Thomas Echterhoff und Jutta Echterhoff-Beeke die Unternehmensgeschicke lenkt, hat in diesem Zusammenhang noch eine interessante Zahl parat. 6499 Lehrlinge gebe es in Nordrhein-Westfalen im Baugewerbe. Wenn Echterhoff davon 43 beschäftigt, ist auch dies Beleg für den Hinweis auf der firmeneigenen Homepage, dass Ausbildung „wichtiger Bestandteil der Unternehmensphilosophie“ ist. „Wir haben auch soziale Verantwortung“, erklärt Reddemann dazu.
Bewerbungen für das nächste Ausbildungsjahr sind bereits willkommen, wobei das Unternehmen sowohl Haupt- und Realschüler als auch Gymnasiasten nimmt. Es komme auch nicht zwingend auf die Noten an, betont Koßmann. „Vorrangig ist der Leistungswille“, ergänzt Reddemann
Die hohe Ausbildungsquote ist genauso Eigennutz. Denn so sichert sich das Unternehmen qualifizierte Fachkräfte. Besonders im gewerblichen Bereich sei Echterhoff „gut aufgestellt“, sagt Koßmann.
Bei der Bauleitern, sprich Ingenieuren, drückt Echterhoff - und der Branche insgesamt - dagegen schon der Schuh. „Die Studentenzahlen sind in den vergangenen Jahren drastisch gesunken“, berichtet Reddemann, der auch Vorsitzender des Bauindustrieverbandes Münsterland ist. In Deutschland würden jährlich 4500 neue Bauingenieure gebraucht, 2008 habe es aber nur 3150 Absolventen gegeben.
Die Wirtschaftskrise hat die Echterhoff Bau-Gruppe bestens überstanden. Die Auftragslage sei gut, berichtet Reddemann. Noch am Donnerstag gab es die Zusage für ein größeres Projekt in Düsseldorf. „Wir haben einen Auftragsbestand von mehr als zehn Monaten“, freut sich Koßmann.
Und die Arbeit, die auf der Straße liegt, reicht theoretisch für Jahrzehnte. Allein der Bund besitze 38 000 Brücken, wovon 15 Prozent dringend sanierungsbedürftig seien. Für die Jahre 2006 bis 2020 hätten Experten Tiefbauleistungen für den Trinkwasserbereich in einem Umfang von 28 Milliarden Euro errechnet, bei der Abwasserbeseitigung sogar das Doppelte. „Es muss aber eine Verstetigung der Infrastrukturausgaben geben“, meint Theo Reddemann, der allerdings befürchtet, dass der öffentlichen Hand das Geld fehlt. Vor allem den Städten und Gemeinden. „Überall, wo die Kommunen gefordert sind, herrscht im Moment Flaute“, sagt Rainer Koßmann.