Mit kritischer Feder im Wettbewerb

Zeichnen sich für einen gehaltvollen, schmackhaften „Schülereintopf“ verantwortlich (von links): Danica Holtmeyer, dahinter Uta Höcker, Karolina Bereza, Isabell Kaiser, Schulleiter Rudi Grunden, Patrick Wessel, Sandra Lessing und Milena Maimann. Foto:
Zeichnen sich für einen gehaltvollen, schmackhaften „Schülereintopf“ verantwortlich (von links): Danica Holtmeyer, dahinter Uta Höcker, Karolina Bereza, Isabell Kaiser, Schulleiter Rudi Grunden, Patrick Wessel, Sandra Lessing und Milena Maimann. Foto:
(Ulla Wolanewitz)


Tecklenburg - Gute Nachrichten aus dem Ministerium für Schule und Weiterbildung Nrw flatterten Rudi Grunden, Schulleiter der Hauptschule, dieser Tage ins Haus. Ministerin Barbara Sommer gratulierte dem Redaktionsteam der Schülerzeitung „Schülereintopf“ zu ihrer letzten Ausgabe, mit der sich die jungen Hobby-Journalisten gleichzeitig - mit weiteren 35 Schülerzeitungen aus Nordrhein-Westfalen - für den Bundeswettbewerb „Kein Blatt vorm Mund“ qualifizierten.

Diese Lorbeeren schmeicheln und sind eine wunderbare Anerkennung für das praxisorientierte Schulprojekt. Dass die Crew der 16 Neun- und Zehntklässler vergangenes Jahr fleißig war, ist dem 60-seitigen Exemplar - mit viel Liebe und kritischer Feder gestaltet - zu entnehmen. Da gibt es kaum ein Themenfeld, dass die ambitionierten Jugendlichen nicht beackert hätten.


Wir machen alles komplett selber“, sagt Rudi Grunden, Schulleiter der Hauptschule stolz. „Vom ersten Gedankenaustausch über die Themenauswahl bis hin zur Druckplattenerstellung mit der Reprokamera, dem Offsetdruck, der Klammerheftung und dem letzten finalen Schnitt.“

Kontinuierlich begleitet der Pädagoge, der seit 31 Jahren in Tecklenburg im Einsatz ist - seit einem halben Jahr als Schulleiter - das beliebte Projekt: „Schülereintopf“. Diesen gehaltvollen, schmackhaften Titel trägt die Hauptschul-Gazette, die mit einer Auflage von 500 Exemplaren zwei Mal im Jahr die hauseigene Druckerei verlässt. Ziemlich modern produziert, das alles. „Kein Vergleich zu früher als wir noch mit Tipp-Ex arbeiten mussten“, ergänzt Grunden amüsiert. Tipp-Ex? schütteln die Schüler den Kopf: Was ist das?

Klar, Lehrer mussten hier Farbe bekennen, Rede und Antwort stehen. So erfährt der Leser beispielsweise, welcher der Pädagogen gerne Wildwestromane schreibt und, dass die sportliche Schulsekretärin gerne Posaune spielt.

Hier gibt es Antwort auf die Frage, ob Döner wirklich schöner macht und die Information, dass Scootertuning nicht kriminell ist. Den umstrittenen Berliner Rapper Bushido nahm Patrick Wessel ins Visier, obwohl „ich den überhaupt nicht mag.“

Einmal wöchentlich kam das Redaktionsteam im Wahlpflichtfach zusammen, um sich miteinander abzustimmen. „Die Schüler entscheiden immer gemeinsam, was veröffentlicht wird. Ich berate sie dabei“, beschreibt Grunden die Spielregeln und lacht: „Und weise natürlich auch darauf hin, dass sie mit Gegenreaktionen rechnen müssen.“

Allen Beteiligten hat es großen Spaß gemacht, die Entstehung der Zeitung von Anfang an, mit zu gestalten. Wobei es doch mehr die männlichen Jugendlichen waren, die den praktischen Teil an der Druckmaschine bewerkstelligt haben - unter Anleitung des Chefs versteht sich. „Nicht, dass die Mädchen, das nicht könnten. Aber sie überlassen es lieber den Jungen“, sagt Grunden und ergänzt, dass über die Jahre gesehen viele seiner Schüler einen Beruf im Druckhandwerk gefunden haben.

Ob es eine Chance gibt, den Bundeswettbewerb zu gewinnen? Da ist der Schulchef eher etwas skeptisch. Obwohl: 1982 gab es für den Schülereintopf schon mal eine Platzierung auf dem 2. Rang auf der Bundesebene, 1989 den Platz drei im Landes-Projekt „Praktisches Lernen“.

Grunden bezweifelt, dass in der Endwertung berücksichtigt wird, dass die Zeitung komplett handgemacht ist, nicht aus einer Profi-Druckwerkstatt stammt. „Wichtig bleibt, dass den Jugendlichen die praktische Arbeit Spaß macht, dass sie lernen zu formulieren. Die Fähigkeit, gute Texte zu schreiben, hat nicht zugenommen“, sagt er. „Chats und SMS-Kommunikation sind da nicht gerade förderlich. Deswegen bleibt es auch bitter nötig, dass wir die Schüler ans Lesen kriegen.“

VON ULLA WOLANEWITZ, NOTTULN

25 · 02 · 10



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