Spritzigstes Musikerlebnis

Die vier Musiker von „String Thing“ ließen beim Konzert in der Bagno-Galerie persönliche Erfahrungen in ihre Eigenkompositionen einfließen. Foto:
Die vier Musiker von „String Thing“ ließen beim Konzert in der Bagno-Galerie persönliche Erfahrungen in ihre Eigenkompositionen einfließen. Foto:
(sh)


Burgsteinfurt - Mit 16 Saiten eine ganz eigene Musikwelt geschaffen - solch mitreißend innovative Klänge wie am Samstagabend beim Konzert von „String Thing“ hat man in der ehrwürdigen Bagno Konzertgalerie wohl noch nicht so häufig gehört. Nennt man es nun Jazz, Weltmusik, zeitgenössische Musik oder einfach unheimlich lebendiges Musizieren, mit einem normalen Streichquartett hat „String Thing“ vielleicht nur die Anzahl der Saiten gemeinsam. Was die Musiker allerdings vor ausverkauftem Haus damit machten, verdient Respekt und ließ beim Publikum als einziges Kriterium Begeisterung zu.

Nicola Kruse, Violine, Ingmar Meissner, Violine und Viola, Gunther Tiedemann Violoncello und Jens Piezunka, Kontrabass, ließen ihrer Lebendigkeit und Spielfreude freien Lauf. Ihr neuestes Konzertprogramm „Alma Latina“ war aber auch ganz nach dem Geschmack des Publikums, da leuchtete die kubanische Sonne in Anlehnung an den „Buena Vista Social Club“ im wunderbaren Ambiente der Konzertgalerie. Sofort beim „Jolly Jumper“ von Nicola Kruse waren die Zuhörer eingefangen von der persönlichen Erzählweise beim musikalischen Ritt der untergehenden Sonne entgegen. Persönliche Erfahrungen ließen die vier Musiker in ihre Eigenkompositionen einfließen, ging es in perfekt ausgewogenem Streicherklang von der argentinischen Tango-Melancholie bis zum brasilianischen Karneval.


Gewürzt wurde alles mit einer gehörigen Portion Jazz- und Funkelementen, so dass die „Funky Stringeros“ einen mitreißenden Eindruck hinterließen. Es war ja nicht das erste Konzert, das sie hier gegeben haben, aber sicherlich für alle Beteiligten das spritzigste Musikerlebnis der eigentlich besinnlichen Vorweihnachtszeit. Mit ihren kurzen teils humoristischen Moderationen zu den Stücken ermöglichten die Musiker einen leichteren Einstieg in ihre sehr klangmalerisch konzipierten Werke. Ausdrucksstark und unheimlich nuanciert erklangen die Ausflüge in die Musikwelt Lateinamerikas. Beim „Tango TaBassco“ von Nicola Kruse hätte man am liebsten seine Konzertbegleitung zu einem Tanz aufgefordert.

Der starken Präsenz und Musizierfreude von „String Thing“ konnte man sich nicht entziehen, da wurde eine Liebeserklärung zum feurigen Temperamentsausbruch. Welch ungewöhnliche Klänge die vier Musiker ihren Instrumenten entlockten, überraschte immer wieder, selbst percussive Spielweisen waren bei ihrer technischen Versiertheit kein Problem. Ineinander verschobene Rhythmen, viel Raum auch für spontane Improvisationen faszinierten, da erlebte man einen ganz ungewöhnlichen Abend. Selbst intellektuell erscheinende Werke wie „Cubism“ von Gunther Tiedemann erregten das Interesse, ließen sich bei solch transparenter Spielweise erschließen. „String Thing“ lassen sich nicht in irgendeine Schublade stecken, sie versuchen immer den Graben zwischen „U“ und „E“-Musik zu überwinden, zeigten aus beiden Bereichen an diesem Abend einfach bestes Musizieren mit einer Sicht ganz tief in die Welt jenseits irgendwelcher Notation.


13 · 12 · 09



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