Rheine. Dennis hatte jede Menge Sexfilmchen und Gewaltvideos auf seinem Handy. Stolz zeigte er sie auf dem Schulhof auch jüngeren Mitschülern. Dass er sich damit strafbar gemacht hat, war Dennis gar nicht bewusst. Nun ist er sein Handy los. – In Internet und neuen Medien lauern zahlreiche Fallstricke, über die Jugendliche stolpern und dabei sowohl zu Tätern wie auch Opfern werden können. Einen höchst informativen Überblick über das Thema Internet-Kriminalität gab Kriminalhauptkommissar Guido Wilke von der Kreispolizeibehörde Steinfurt in der Sitzung des Gremiums „Sicherheit in Rheine“ (SIR) am Mittwoch im Rathaus.
Mit Phishing-Mails, also gefälschten Mails, hat sicher jeder Besitzer eines E-Mail-Kontos schon Bekanntschaft gemacht. Als Absender sind häufig Volksbanken, Sparkassen oder andere Kreditinstitute angegeben. Wer den entsprechenden Verweis anklickt, landet dann auf offiziell aussehenden Seiten. Es sind jedoch Fälschungen. Auf diese Weise versuchen Abzocker, an vertrauliche Daten, Passwörter, TAN-Codes, PIN-Nummern usw. kommen wollen. Und trotz massiver Aufklärung – vor allem durch die Verbraucherberatung – gelingt ihnen dies immer noch viel zu oft – im vergangenen Jahr insgesamt 4200 Mal! 4200 Mal gaben arglose Internet-User vertrauliche persönliche Daten preis und erlaubten so Internet-Gaunern, ihre Konten zu plündern.
Speziell an Jugendliche richten sich Internetseiten, die Klingeltöne, Hilfe bei den Hausaufgaben usw. anbieten. Dass die Leistungen kostenpflichtig sind, ist häufig irgendwo im Kleingedruckten versteckt. Wer sich hier mit Namen und Adresse anmeldet, muss meistens nicht lange auf die erste Zahlungsaufforderung warten. Miese Tricks inclusive. „Da wird dann etwa damit geworben, dass man einen Service kostenlos ausprobieren kann und keine Kosten anfallen, wenn man sich noch am gleichen Tag bis Mitternacht abmeldet“, beschrieb Wilke die Maschen der Gauner. Die Mail mit den Zugangsdaten kommt dann aber erst am nächsten Tag – und da ist die Frist dann schon abgelaufen.
Ein Tummelplatz für viele Pädophile sind die bei Jugendlichen beliebten Chat-Räume. Das Problem ist hier die Anonymität. Wenn die 13-jährige Vanessa im Internet chattet, weiß sie nicht, ob sie sich tatsächlich mit dem 14-jährigen Marcel unterhält oder mit einem 54-jährigen vorbestraften Kinderschänder, der Vanessa endlich einmal treffen will.
Beliebt sind bei Jugendlichen auch Community-Seiten, zum Beispiel von Schulen, auf denen etwa Fotos von gemeinsamen Unternehmungen, Partys usw. eingestellt werden. Hier riet Wilke zur Vorsicht. Unter Kumpels mag das Foto vom total betrunkenen Mike mit dem Kopf über der Kloschüssel vielleicht noch witzig sein. Der künftige Chef ist da aber sicher anderer Meinung. „Unternehmen durchforsten heute auch das Internet nach solchen Einträgen, um festzustellen, ob ein Bewerber um einen Ausbildungsplatz geeignet ist“, erläuterte Wilke.
Eine ständige Sorge von Eltern ist, dass ihre Kinder auf jugendgefährdende Inhalte im Internet stoßen. Zwar gibt es technische Filter, die jugendgefährdende Internetseiten sperren. „Aber diese Filter können Kids leicht abschalten, wenn sie etwas clever sind“, so Wilke. „Der beste Filter sind die Eltern selber. Lassen Sie ihre Kinder im Internet nicht allein.“
Aber ebenso leicht wie zu Opfern können Jugendliche im Internet auch zu Tätern werden. Raubkopien und illegale Downloads sind hier nur zwei Stichwörter. „Viele Jugendliche glauben, im Internet anonym zu sein. Aber das ist eine Illusion. Jeder, der im Internet unterwegs ist, hinterlässt Spuren“, stellte Wilke fest. Über die bei jedem Gang ins Internet neu zugewiesene IP-Adresse lässt sich jeder User identifizieren. Fatal, fatal, wenn man gerade ein paar aktuelle Songs aus der Tauschbörse runtergeladen hat.
Strafverfahren wegen Verletzung des Urheberrechtes würden zwar in 99 Prozent der Fälle eingestellt, so Wilke. Viel gravierender seien jedoch die Schadenersatzforderungen der Musikindustrie. Er führte den Fall eines jungen Mannes an, der wegen illegaler Musik-Downloads über 7000 Euro Strafe zahlen musste. Im Auftrag eines auf solche Urheberrechtsdelikte spezialisierten Anwaltsbüros macht in Deutschland ein Team von 100 Computerspezialisten rund um die Uhr Jagd auf illegale Downloader. „Die schaffen inzwischen 5000 Strafanträge im Monat“, machte Wilke die Dimensionen deutlich. Als Alternative kann man Songs auch ganz legal im Web-Radio mitschneiden. Entsprechende Gratissoftware findet man unter
www.tauschnix.de.