Lengerich - Kai Engelmann zählt auf. Die Liste - eigentlich kurz - ist gefühlt fast endlos. Durch die Gempt-Halle geht ein leises Raunen. Dass die Nachbarorte Lengerich als unattraktiv wahrnehmen, bekannt. Dass die Lengericher ihre Stadt annähernd so sehen, hinter vorgehaltener Hand auf jeden Fall bekannt. Dafür gibt es keinen Anlass. Sagt Kai Engelmann. Gründe, die für Lengerich sprechen? Er präsentiert beim Neujahrsempfang eine kleine aber feine Auswahl.
„Lengerich Stadt mit Weitblick“. Aufkleber mit diesem Logo liegen auf den Tischen. Blau die Buchstaben der Stadt, auf blauem Untergrund die „Stadt mit Weitblick“. Verschmitzt scheint das „i“, der stilisierte Gempt-Schornstein, dem Betrachter zuzuzwinkern „Du kannst mir ruhig glauben“. So sieht sie also aus, die Image-Kampagne für Lengerich.
Römerstadt wird man wohl nicht mehr sagen dürfen. Wälder, Kirchen und andere Gebäude - „das haben andere Städte auch, das ist kein Alleinstellungsmerkmal“, erklärt Kai Engelmann, warum die Wahl just auf den Gempt-Turm gefallen ist.
„Stadt mit Weitblick“. Diese Aussage gilt, so der Marketing-Experte, sowohl wörtlich wie auch im übertragenen Sinne. Vom Hang des Teutoburger Waldes reiche der Blick weit ins Münsterland. Die Gempt-Halle ist für ihn das Symbol für den Wandel der Stadt in der viele Menschen leben, „die sich engagieren, einbringen, einfach Weitblick bewiesen haben mit der Gründung der Bürgerstiftung“.
Nun ist es nicht so, dass ab heute alles umgekrempelt wird in der Stadt. „Mit dem Logo wird eine Perspektive nach draußen getragen“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens Core Idea, einer Marketing- und Kommunikationsgesellschaft. Der Schriftzug soll Einzug halten auf Mitteilungen und Briefbögen der Stadt, natürlich auf der Internetseite, sich in Schaufenstern wiederfinden, bei der Werbung für Großereignisse (zum Beispiel Brunnenfest oder Krippenmarkt) wie selbstverständlich dazugehören. „Nach gewissen Spielregeln“, betont Engelmann. Schließlich soll alles wie aus einem Guss wirken.
Nun gibt´s professionelle Unterstützung nicht umsonst. Trotz klammer Kassen, die Stadt hält die Image-Kampagne für wichtig. Entstanden sei die Idee aus den runden Tischen, die vor einigen Jahren bezüglich der Stadtentwicklung eingerichtet worden sind. Daraus resultierte im vergangenen Jahr ein Antrag an das Land auf Fördermittel für die Entwicklung der Innenstadt. Das Geld - knapp 600 000 Euro - ist da. „Neben Gebäudesanierung lässt sich daraus anteilig die Image-Kampagne finanzieren“, freut sich Friedrich Prigge.
„Wir sind rundum gut aufgestellt“, befindet der Bürgermeister. Mit hörbarem Stolz verweist er auf die steigende Einwohnerzahl Lengerichs. Um 14 Menschen ist die im Jahr 2008 gewachsen. Nicht, weil mehr Geburten als Sterbefälle registriert wurden. In der Relation liegt das Minus bei 54 Personen. Der Zuwachs resultiert aus Zuzügen. „Da sind wir eine der wenigen Städte im Kreis mit einem Plus“, freut sich Prigge.
Viele Informationen also, die es zum Auftakt des Neujahrsempfangs gegeben hat. Darüber gesprochen worden ist anschließend auch. Blickfang in der Gempt-Halle ist an diesem Abend allerdings ein Wasserbassin, in dem sich ein Mühlrad dreht und darüber Blechfiguren einen fröhlichen Rundtanz zeigen.
Seit 1998 laden Werbegemeinschaft, Stadtmarketingverein und Stadt gemeinsam zum Neujahrsempfang, seit 2005 in die Gempt-Halle ein. Der Erfolg und Zuspruch gibt ihnen erneut Recht.