Aus Sicherheitsgründen bleiben die Schultaschen vor der Klasse
Für mich war seit der 8. Klasse klar, dass ich die große Chance nutzen wollte, in der Jahrgangsstufe 11 für drei Monate nach Amerika zu gehen um das typisch Leben dort kennen zu lernen, inklusive dem Schullalltag. Das habe ich jetzt genutzt und konnte viele gute Erfahrungen sammeln, mein Bild von den USA bestätigen und auch in vielen Fällen erneuern.

In der Schule hatte ich neben den normalen Fächern - Englisch, Mathe, Biologie und Spanisch - auch noch Amerikanische Geschichte und Psychologie, vergleichbar mit unserem Philosophieunterricht in Deutschland, gewählt. Auffällig war, dass in der Schule viele Filme gezeigt wurden, da jeder Klassenraum mit einem eigenen Fernseher ausgestattet war. Viele Räume waren ungewöhnlich eingerichtet, da jeder Lehrer seinen Klassenraum individuell gestalten kann. Allgemein war das Schulleben anders, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Es war aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt, die Schultasche mit in eine Klasse zu nehmen. Außerdem waren Kappen und andere Kopfbedeckungen strikt verboten. Ein normaler Schultag beginnt um 7.40 Uhr, war acht Stunden lang und beinhaltete jeden Tag die selben Fächer, was auf Dauer langweilig werden konnte. Dazwischen gab es nur eine 30-minütige Pause, in der es Schulessen gab. Schulschluss war um 14.30 Uhr.


Ich entschied mich, neben dem normalen Schulalltag, Fußball im Highschool Team zu spielen. Das beanspruchte den größten Teil meiner Freizeit, da jeden Tag unmittelbar nach Schulschluss trainiert wurde. Die Trainer legen dort den Schwerpunkt auf Disziplin und Pünktlichkeit. Besonders beeindruckt hat mich der Teamgeist, der an den Tag gelegt wird. Es gibt wesentliche Unterschiede zu unserem Vereinstraining. Beispielsweise werden einige Spiele gefilmt, um im Nachhinein eine Videoanalyse vorzunehmen.

Häufig kamen viele Leute zu den Spielen, so dass sich der Trainingsaufwand bezahlt gemacht hat. Allgemein ist das Interesse der Amerikaner am High School-Sport sehr ausgeprägt, so dass zu den Freitags-Footballspielen der High School bis zu 2000 Zuschauer erschienen und sich ein Großteil von Wapakoneta (9000 Einwohner) zusammenfand.

Mit meiner Unterbringung hatte ich besonderes Glück. Zu meiner Gastfamilie gehörten zwei Jungen, die genau in meinem Alter waren, so dass es leicht war, neue Kontakte zu finden. Ein besonderes Highlight war der Besuch der Niagarafälle, das ich dank meiner Gastfamilie erleben durfte.

Einer der signifikantesten Unterschiede zum deutschen Alltag war, dass die Jugendlichen mit 16 Jahren Auto fahren dürfen. So konnte man morgens an der Schule nicht eine Reihe von Fahrrädern sehen, sondern einen prall gefüllten Parkplatz mit Autos.

Generell sind die meisten Familien nicht in Besitz eines Fahrrades. Wenn doch, wurde es nicht benutzt. So war es manchmal schon ziemlich komisch, wenn man mit dem Rad durch die Innenstadt fuhr, was so gut wie nie vorkam. Dann erkannten so viele Leute, dass wir die „Deutschen“ waren. Auch für kürzere Strecken in einem Rahmen von 500 Meter wurde immer das Auto aus der Garage geholt.

Ein weiterer Höhepunkt war Halloween, was eine riesige Bedeutung hat. Aus diesem Grund finden in dieser Zeit viele Kostümpartys statt, zu denen wir auch eingeladen waren.

Amerikanische Partys unterscheiden sich meistens von unseren Partys hier in Deutschland. Das liegt an dem Alkoholgesetz, das besagt, dass Alkohol erst ab 21 konsumiert werden darf. Doch das tat dem Spaß keinen Abbruch.

Allgemein kann ich sagen, dass ich viele nette und lustige Menschen kennen gelernt habe, mit denen ich auf jeden Fall versuchen werde, in Kontakt zu bleiben. Die drei Monate waren eine großartige Phase meines Lebens, die ich nie vergessen werde. Ich war traurig, als ich Amerika wieder verlassen musste. Ich hoffe, dass ich irgendwann mal wieder zurückkehren kann nach Wapakoneta, nach Ohio und die vielen Orte der Umgebung.


30 · 12 · 09



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