MILLIONENINVESTITION_
Ibbenbürener RWE-Kraftwerker drehen am Ölhahn

Im „Sackbahnhof“ der RAG erhält das Kraftwerk ein neues Gleis: Hartmut Frank besichtigt die Baustelle.
Im „Sackbahnhof“ der RAG erhält das Kraftwerk ein neues Gleis: Hartmut Frank besichtigt die Baustelle.
(Foto: Klaus Rotte)


Ibbenbüren. Nach der Revision ist vor der Revision: 100 Millionen Euro investierte die RWE Power AG im vergangenen Jahr in die Runderneuerung des Kraftwerks Ibbenbüren. „Die nächste Revision im Jahr 2013 - im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich - ist bereits in der Planung“, berichtet Kraftwerksleiter Hartmut Frank. Doch der Reihe nach: In diesem Jahr steckt RWE weitere zehn Millionen Euro in die technische Verbesserung ihrer Stromfabrik.

Das Investment erspart jährlich 20 000 Tonnen schweres Heizöl beim Betrieb des Kraftwerks und steigert zugleich die Zündfähigkeit der Kraftwerkskohle. Zwar hat Ibbenbürener Anthrazit den höchsten Kohlenstoffanteil und wird praktisch nur noch vom Diamanten übertroffen - aber bei der Zündwilligkeit liegt das schwarze Gold aus Ibbenbüren nicht vorn. Freilich, wenn es einmal brennt, ist die Hölle los.


Da der niederflüchtige Anthrazit nicht in allen Betriebszuständen des E-Werks stabil brennt, ist es erforderlich, zum An- und Abfahren des Kraftwerks sowie im „Stützfeuerbetrieb“ pro Jahr bis zu 40 000 Tonnen schweres Heizöl in sogenannten Kombibrennern einzusetzen. „Das Öl für das Stützfeuer, rund 20 000 Tonnen jährlich, wird künftig durch Wirbelschichtbraunkohle ersetzt“, erläutert Hartmut Frank.

Die extrem trockene Spezialkohle ist ein Produkt aus der Braunkohleveredelung. Bevor sie vor Ort eingesetzt werden kann, muss eine neue Anlagentechnik installiert werden. Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um eine Waggonentladeanlage, eine Entladestelle für Lkw und eine Siloanlage. Mit dem Gleisbau wurde in diesen Tagen begonnen.

Insgesamt werden die Bauarbeiten zehn Monate beanspruchen, sodass die neue Anlagentechnik Ende des Jahres in Betrieb gehen kann. Die Genehmigung für das Projekt nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz wurde RWE im August 2009 erteilt.

Wird künftig Wirbelschichtbraunkohle anstelle von schwerem Heizöl eingeblasen, habe das nach Aussagen von RWE „keine nachteiligen Auswirkungen auf die Abgaszusammensetzung“. Aufgrund des geringeren Schwefelgehalts im Braunkohlenstaub werde eher mit einer Verringerung der Schwefeldioxid-Emissionen gerechnet. Wegen des relativ geringen Wassergehalts der Spezialkohle sei deren Einsatz auch nicht mit erhöhten Emissionen von Kohlendioxid verbunden. Ihre CO2-Bilanz hatte RWE erst im vergangenen Jahr durch die Optimierung des Ibbenbürener Kraftwerks verbessert: Der Ausstoß verringert sich seither um 260 000 Tonnen jährlich.

Das braune Pulver kommt aus dem rheinischen Braunkohlerevier von RWE: „Es ist für uns wesentlich günstiger als das Öl. Zugleich schonen wir mit unserer Umstellung auch die Erdölvorkommen“, verdeutlicht Kraftwerksleiter Frank.

Jeder Arbeitsplatz zählt: Mit ihrer neuen Investition erhöht RWE auch die Zahl der Beschäftigten - auf Techniker- oder Ingenieursebene.

VON KLAUS ROTTE, IBBENBÜREN

24 · 02 · 10



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