Schulbedarf für die Tafel: Viele dankbare Abnehmer
Am Freitag holte „Tafel-Mutter“ Ingrid Koling (Mitte) in der Redaktion der Westfälischen Nachrichten einen Wagenladung voll gespendeter Materialien ab. (Foto: wik)
-tst/oh- Greven. Federmäppchen, Ranzen, Radiergummis, Stifte, Geodreiecke: Die WN-Redaktion hatte wochenlang „getrommelt“ – mit Erfolg. Die Grevener haben „ihre“ Tafel mal wieder nicht im Regen stehen lassen und Schulbedarf gespendet. Vielen WN-Leser musste man dankenswerterweise nicht lange erklären, dass die Ausstattung eines Kindes zum Schuljahresbeginn die finanziellen Möglichkeiten so mancher Familie übersteigt. Besonders wenn mehrere Kinder mit Heften und sonstigem Bedarf ausgerüstet werden müssen, reißt dies mitunter ein derart tiefes Loch in die Familienkasse, dass sich zahlreiche Tafel-Kunden überfordert sehen.
Die WN-Redaktion dankt allen Lesern, die ausrangierte, aber noch brauchbare Tornister, Mäppchen und sonstigen Schulbedarf in der Redaktion oder in den Sekretariaten der beteiligten Schulen abgegeben haben. Am Freitag beispielsweise holte „Tafel-Mutter“ Ingrid Koling in der Redaktion einen Wagenladung voll gespendeter Materialien ab.
Bevor die Mitarbeiter der Tafel die gespendeten Schulbedarfssachen ausgeben konnten, musste sortiert werden. (Foto: tst)
Am Samstag schließlich wurden die bislang gesammelten Schulmaterialien an die Kunden der Tafel verteilt. Da, wo sonst das Gemüse ausgegeben wird, stapeln sich fast 60 Schulranzen, Rucksäcke und Etuis. Und im Raum nebenan lagern in den Regalen statt Broten Hefte, Zeichenblöcke, Buntstifte und was sonst noch zum Schulalltag gehört. Doch noch immer ist nicht alles verstaut, so groß war die Spendenbereitschaft der Grevener für die WN-Aktion „Schulbedarf für die Tafel.“ Ingrid Koling ist in ihrem Element. „Hier sind noch Hefte, Buntstifte und Malkästen, die eingeräumt werden müssen.“ Ilse Hagemeister versucht alles halbwegs ordentlich zu sortieren. „Früher in der Schule warst du pingeliger“, scherzt Ingrid Koling mit der ehemaligen Lehrerin am Gymnasium.
Endspurt in der Ausgabestelle an der Kerkstiege. Vor dem Gebäude hat sich schon eine lange Schlange gebildet. Dann, kurz nach drei Uhr, ist es soweit. Nummernweise werden die Eltern eingelassen, damit das Durcheinander nicht zu groß wird. Viele haben ihre Kinder mitgebracht, manchmal sind die Kinder auch alleine gekommen. Jeder Berechtigte bekommt einen Korb, in den er den Schulbedarf packen kann. An der ersten Station gibt es Ranzen und Mäppchen. Hier ist der Andrang nicht ganz so groß, denn abgesehen von den i-Dötzen sind die Kinder oft schon versorgt. Eine Mutter hat gleich vier Kinder im Schlepptau. Nicht jeder Tornister findet ihr Gefallen. „Einige sind einfach nur dankbar, andere schon etwas wählerischer“, sagt Tafel-Mitarbeiterin Ursula Terhaer. „Das ist sonst aber auch so, wir kennen unsere Pappenheimer.“
Eine allein erziehende Mutter ist mit ihrer Tochter gekommen, einer Drittklässlerin. Sie begeben sich direkt dorthin, wo Hefte und diverses Schreib- und Zeichenmaterial verteilt werden. Die Mutter weiß genau, was ihre Tochter braucht. Großer Zeichenblock, Anspitzer, Filzstifte, Schnellhefter in verschiedenen Farben – der Korb füllt sich rasch. Es dauert, bis sie alles zusammen hat.
Die Frau ist selbst an einer Schule als Betreuerin für den Nachmittagsunterricht tätig und liegt mit ihrem Verdienst knapp über der Grenze für einen Sozialhilfeausweis. Doch die Tafel gibt etwas Spielraum, deshalb gehört sie zum Kreis der Berechtigten. Aus ihrem eigenen Berufsalltag weiß sie, dass manche Eltern wie sie Probleme haben, das Geld für den Schulbedarf ihrer Kinder aufzubringen. „Da fehlen dann schon mal die passenden Hefte oder eine Farbe im Malkasten“, berichtet sie. „Gerade weil ich knapp über dem Sozialhilfesatz liege und sonst keine Vergünstigungen bekomme, ist die Aktion eine große Hilfe für mich.“ Und für viele andere, die sich noch bis zum Schulbeginn eindecken können.
Noch allerdings ist der Bedarf nicht gedeckt, weshalb die Redaktion dazu aufruft, weiter zu spenden. Noch bis zum Ende der Ferien können die Spenden in der WN-Redaktion, Marktstraße 45, abgegeben werden.