WN-Serie Grevener Weltembummler: Die Angst vorm langen Winter

Teresa Maurer: Noch im Grevener Sommer, bald im Tallinschen Winter.Foto: tst
Teresa Maurer: Noch im Grevener Sommer, bald im Tallinschen Winter.Foto: tst


Greven - „Ich nehm nur Winterklamotten mit.“ Teresa Maurer hat sich innerlich bereits vom Sommer verabschiedet. Übermorgen reist sie in ein Land, in dem die Winter kalt, lang und dunkel sind. Ihr Ziel ist Tallinn. Tallinn, das liegt doch in Lettland, oder war es Litauen? Die ehemalige Hansestadt ist eine jener Metropolen, die man zwar ungefähr, aber doch nicht so ganz genau lokalisieren kann. Das passiert Teresa Maurer natürlich nicht. Sie weiß, dass Tallinn an der Ostsee liegt und mit seinen 400 000 Einwohnern fast ein Drittel der Bevölkerung Estlands stellt.

Dass es sie für ein Jahr in die Hauptstadt des nördlichsten der drei baltischen Staaten verschlagen würde, damit hatte die Abiturientin am Grevener Gymnasium nicht unbedingt gerechnet. Ihr schwebten eher Polen oder Tschechien vor, als sie bei „kulturweit“, dem erst in diesem Jahr gestarteten kulturellen Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes, Osteuropa als mögliches Einsatzgebiet nannte. Mittlerweile hat sie sich aber mit Estland angefreundet. „Ich bin erstaunt, wie viele etwas über das Land wissen oder dort schon Urlaub gemacht haben“, sagt Teresa.


Sie selbst wird an der Deutschen Schule arbeiten, wo sie bei der Unterrichtsvorbereitung oder Hausaufgabenbetreuung mithelfen wird. Also schon wieder Schule? „Schule ist etwas, was ich kenne“, sagt Teresa. Sie glaubt, im Bereich Bildung mehr Spuren hinterlassen zu können als in einem Entwicklungsprojekt. Dabei wollte sie eigentlich nie Lehrerin werden. „Mittlerweile kann ich mir das durchaus vorstellen“, sagt sie. Doch sie will die Zeit nutzen um herauszufinden, was sie im Anschluss machen will. „Hätte ich das vorher schon genau gewusst, wäre ich vielleicht gar nicht ins Ausland gegangen“, mutmaßt sie. Obwohl sie die Idee immer schon im Kopf hatte, spätestens seit sie in der 11 für ein halbes Jahr in Kalifornien war.

Estland ist seit 1991 unabhängig und hat sich nach der Loslösung von der Sowjetunion rasch dem Westen geöffnet. Die meisten Esten sprechen Estnisch. Und Estnisch ähnelt dem Finnischen. „Es ist eine ziemlich verrückte Sprache“, lacht Teresa. Die sie aber dennoch, so gut es geht, lernen möchte. Weil sie aber überwiegend im Deutschunterricht eingesetzt wird, fürchtet sie, dass alle Deutsch mit ihr sprechen wollen. „Ich muss einen Sprachkurs machen und ich will das auch“, sagt sie deshalb fast ein wenig trotzig.

Estland ist dünn besiedelt. In den endlosen Wäldern leben Elche, Luchse und Braunbären. Teresa freut sich auf die Naturschönheiten des Landes, ist aber froh, dass sie in Tallinn leben wird. Dort wird sie zunächst mit einer Deutschen und einer Schwedin in einer WG wohnen. Das ist ihr lieber als eine Gastfamilie, weil sie unabhängiger ist. „Ein bisschen Angst vor dem Winter habe ich schon“, sagt sie. Andererseits reizt sie die Vorstellung von verschneiten Landschaften und zugefrorenen Seen.

Ihre Chancen auf weiße Weihnachten stehen dennoch schlecht. Denn dann ist der erste Heimaturlaub geplant. Ganz aus der Welt ist Estland nicht, der Flug dauert rund zweieinhalb Stunden. „Ich rechne schon des Öfteren mit Besuch“, hofft Teresa deshalb. Zumindest ihr Freund Fabian, der bei dem Gespräch dabei ist, kann sie da beruhigen: „Ein oder zwei Besuche habe ich schon geplant.“

VON THOMAS STARKMANN, GREVEN

11 · 09 · 09



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