Wörter und Zeichen bilden eine Einheit

Hunger? Momentan befinden sich Tina und Paul Klöss noch mitten in der Lernphase. Der sieben Monate alte Nachwuchs macht aber schon große Fortschritte und wird seiner Mutter zukünftig genau zeigen können, was ihm fehlt. Ab dem 5. März bietet sie jetzt auch Kurse in ihrem Haus Am Eschhuesbach 50a für andere Eltern an.
Hunger? Momentan befinden sich Tina und Paul Klöss noch mitten in der Lernphase. Der sieben Monate alte Nachwuchs macht aber schon große Fortschritte und wird seiner Mutter zukünftig genau zeigen können, was ihm fehlt. Ab dem 5. März bietet sie jetzt auch Kurse in ihrem Haus Am Eschhuesbach 50a für andere Eltern an.
(Foto: scm-)


Altenberge. Der Besuch ihrer Tante vor ein paar Wochen war mit einem Erlebnis verbunden, das Tina Klöss bis heute ein freudiges Grinsen ins Gesicht treibt. Auch wenn ihr kleiner Paul da etwas fehlinterpretiert hat: Der jungen Mutter zeigte es, dass ihre Arbeit Früchte trägt. Als die Tante der 26-Jährigen zum Abschied winkte, da brach bei dem sieben Monate alten Paul große Freude aus. Und nicht etwa, weil er froh war, dass der Besuch gleich endlich verschwunden sein würde. „Er verwechselte das Winken mit dem Zeichen, das ihm sagt, dass es gleich Milch gibt“, meint Tina Klöss.

Die 26-jährige Altenbergerin bringt ihrem Zögling gerade die Zwergensprache bei, eine Art Gebärdensprache für Kleinkinder. „Sie basiert auf der deutschen Gebärdensprache, nur ein bisschen abgewandelt“, sagt die Mutter, die sich nach einer Ausbildung in Form einer Art Selbststudium offiziell Kursleiterin für Babyzeichensprache nennen darf und schon fleißig mit ihrem Nachwuchs übt. Geeignet ist das ganze für Kinder ab sechs bis neun Monaten, für ihren kleinen Paul also ideal. Und, was nicht nur der Vorfall mit der Tante zeigt, es gibt große Fortschritte: Das Zeichen für Milch sieht in der Tat ganz ähnlich aus wie das Abschiedswinken.



So sehen die Zeichen dann in Perfektion aus. Dieses Kind zeigt übrigens, dass es gerne etwas zu essen hätte.
So sehen die Zeichen dann in Perfektion aus. Dieses Kind zeigt übrigens, dass es gerne etwas zu essen hätte.


Tina Klöss sagt, dass die Zwergensprache den Alltag ungemein erleichtern könne. Sie helfe in bestimmten Situationen, besser zu verstehen, was das Kind habe. „Wenn es nachts schreit, dann weiß man oft erst nicht, was es hat: Hat das Kind Angst, Hunger, Schmerzen oder die Windel voll?“, zählt die gebürtige Kielerin mögliche Fragen auf, die sich Eltern regelmäßig stellen. Mithilfe der Zeichensprache könne der Nachwuchs zeigen, was er habe, was ihn bedrücke. Und sowieso: „Es geht darum, den Kindern die Möglichkeit zu geben, zu kommunizieren, noch bevor sie sprechen können.“

Kritikern, die befürchten, die Kinder könnten sich eventuell auf den Zeichen ausruhen und würden nie die gesprochene Sprache erlernen, hält Klöss entgegen: „Die Wörter und Zeichen bilden immer eine Einheit. Diese beiden Elemente werden immer zusammen gebraucht, also ersetzen die Zeichen die Wörter nicht.“ Tina Klöss ist von der Zwergensprache überzeugt. Ab März bietet die Altenbergerin jetzt auch Kurse für alle in Altenberge und Münster an, die ebenfalls die Zwergensprache mit ihrem Nachwuchs lernen wollen. „Ich möchte die Leute ein bisschen an die Hand nehmen“, sagt Tina Klöss und fügt hinzu: „Am Anfang dauert es einfach ein bisschen. Und zusammen lernen ist ja immer schöner als alleine.“ Für sie ist es auch mehr Hobby als Job. Und wer sich das erst einmal anschauen möchte, der kann auch an einmaligen Workshops teilnehmen.

Die Kursleiterin legt wert darauf, dass das Erlernen der Zwergensprache vor allem den Alltag erleichtern soll. „Es geht dabei nicht um einen Frühförderungswahn oder Ähnliches", sagt Tina Klöss. Gleichwohl fällt dieser Aspekt nicht ganz unter den Tisch: In den Kursen soll die frühe Kommunikation spielerisch erlernt werden, auch Musik und das Erlernen einfacher Instrumente soll auf dem Programm stehen. Und wer sich ein bisschen mit der Entwicklung des Gehirns in den ersten Lebensjahren auskennt, der weiß, dass eine frühe Stimulation nur positive Effekte hat. „Es werden alle Sinne angeregt“, sagt Tina Klöss.

Bis der kleine Paul die Zwergensprache perfekt beherrscht, wird es wohl noch ein bisschen dauern. Und bis dahin weiß Tina Klöss ja genau, worauf sich ihr Nachwuchs freut, wenn die Tante mal wieder zu Besuch kommt und mit ihrer Verabschiedung wieder große Freude auslöst.


29 · 02 · 08



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