Altenberge - Heinz Jürgens neigt nicht zur Selbstdarstellung. Ganz beiläufig erzählt der Altenberger Unternehmer, dass er in der vergangenen Woche in Berlin im Kanzleramt gewesen sei. Mit zehn anderen Geschäftsleuten hat er im Konferenzsaal - dort, wo sonst die Minister tagen - Platz genommen und mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel rund zwei Stunden über Wünsche, Probleme und die Zukunft des Mittelstandes geredet. Angenehm sei es gewesen und Frau Merkel eine sehr gute Gesprächspartnerin, berichtet Jürgens.
Kein Wunder also, dass sich die CDU-Landtagskandidatin Christina Schulze Föcking am Donnerstag zum Mittelstandsgespräch an der Oststraße trifft und sich von Jürgens den Betrieb zeigen lässt.
Die 33-jährige Landwirtin und Mutter von zwei Kindern (drei und fünf Jahre alt) macht schnell deutlich, dass sie als Unternehmerin die Sorgen und Nöte vieler Betriebe kennt. Aber nicht nur die. Bei Kaffee und Kuchen geht der Fokus schnell auf die Bildungspolitik. Christel Hemker von der Firma Wecon bemängelt das schlechte Allgemeinwissen vieler Bewerber, Werner Beckmann von der gleichnamigen Tischlerei weiß, dass selbst ein einfacher Dreisatz oft nicht beherrscht wird von den Schülern. „Selbst von Gymnasiasten kommen Bewerbungen, die den Namen nicht verdient haben“, ergänzt der Geschäftsführer von Vollmer-Kaffee, Matthias Peters.
Christina Schulze Föcking und Bürgermeister Jochen Paus schauen sich die Produktion der Firma Jüke genau an. Zuvor hatten sie bereits die Unternehmen AT Zweirad und Kaffeewelten Vollmer besichtigt, Foto: (Uwe Renners)
Ausschließlich Lob gibt es von den Altenberger Unternehmern für die Ludgeri-Hauptschule. Zahlreiche Auszubildende bei Jüke haben die Schulbank in Altenberge gedrückt. „Wir müssen die weiterführenden Schulen im ländlichen Raum halten“, sagt Schulze Föcking und lobt die enge Zusammenarbeit der Hauptschule mit den Unternehmen. Die Ausbildungsbörse sei ein hervorragendes Beispiel.
Ob die Hauptschule immer Hauptschule bleibe, wisse sie nicht. „Wir werden eine Gliedrigkeit sicher behalten, das dreigliedrige Schulsystem wird es aber wohl nicht sein“, ist die CDU-Politikerin überzeugt. Der Hinweis, die Schulen müssten ein besseres Bewerbungstraining machen, fließt direkt in ihre Notizen ein. Und auch die Einlassung von Volker Thiemann (AT Zweirad), der Ganztag sei eine sehr gute Sache, findet bei der Politikerin Unterstützung.
„Mir ist nicht bange, dass wir hier eine weiterführende Schule am Ort halten. Ob es eine Hauptschule sein wird, weiß ich nicht. Der Name spielt aber auch keine Rolle“, sagt Bürgermeister Jochen Paus.
Die Antwort auf die Frage der CDU-Politikerin, wo der Schuh den Unternehmern sonst noch so drückt, fällt bei den Unternehmern fasst einstimmig aus. „Wir hätten gerne mal zehn Jahre lang keine Änderungen im Steuergesetz“, sagt Volker Thiemann. Der Aufwand, sich immer wieder umstellen zu müssen, sei enorm. „Einmal sind es die Reisekosten der Außendienstmitarbeiter, im anderen Jahr wieder ein anderes Thema“, so Thiemann. Und Heinz Jürgens fügt hinzu, dass Unternehmen bald zwei Bilanzen aufstellen müssen. „Eine für die Bank und eine für das Finanzamt“, so Jürgens. Generell sei die Bürokratie enorm.
„Der Bereich Mittelstand ist mir enorm wichtig. Ich hoffe, dass wir in engem Kontakt bleiben. Rufen Sie mich an, wenn es Probleme gibt“, sagt die 33-Jährige nach rund zwei Stunden intensiven Austausches - bei dem auch die Finanz- und Wirtschaftskrise und andere Themen gestreift werden - und verteilt ihre Visitenkarte an die Unternehmer. Die sind, das sieht man an den Gesichtern, von der jungen Unternehmerin angetan.
„Beim Altersdurchschnitt in der CDU kommt Christina gerade richtig“, freut sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Günter J. Badersbach über soviel weibliche Kompetenz. Als Landwirtin, Unternehmerin und Mutter decke sie ein breites Spektrum in der Bürgerschaft ab.