Kraft tanken für neue Aufgaben: Dies ist ein Ziel des Erzieherinnentages, den Martina Menkhoff-Braun (v.l.), Petra Franetzki und Eugen Scholle vorbereitet haben.Foto: (di)
Senden - „Kita im Umbruch - Kraft für neue Aufgaben“, so lautet das Motto des Erzieherinnentages, der am Mittwoch begangen wird. 67 Erzieherinnen und Erzieher aus den acht Einrichtungen kommen in der Steverhalle zusammen, um über die Kita im beschleunigten Wandel zu sprechen. Für die Betreuung in den Kitas sind Notgruppen eingerichtet worden. Nicht zuletzt sollen die pädagogischen Fachkräfte selbst Gelegenheit finden, Kraft zu tanken. WN-Redakteur Dietrich Harhues sprach mit dem Vorbereitungsteam Martina Menkhoff-Braun (katholische Tageseinrichtung für Kinder St. Laurentius), Petra Franetzki (DRK-Familienzentrum Langeland) und Eugen Scholle (DRK-Familienzentrum Am Schloss) über den aktuellen Alltag in den Kindergärten.
Was sind die Faktoren, die in den Kitas Kraft rauben und Stress verursachen?
Menkhoff-Braun: Es sind mehrere Faktoren: Von der Lautstärke und dem Geräuschpegel über kurzfristige organisatorische Dienstplanänderungen aufgrund von Erkrankungen bis hin zur allgemeinen Personalknappheit. Die eigentliche Arbeit mit und am Kind muss vor- und nachbereitet werden - zum Beispiel die Entwicklung der Kinder beoabachten und dokumentieren. Dafür steht aber seit Inkrafttreten des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) immer weniger Zeit zur Verfügung. Angesichts des Zeitdrucks bleibt weniger Zeit, um sich mit Kolleginnen auszutauschen. Eine Vielzahl von Dingen erfordert eine ständige Aufmerksamkeit und Konzentration, Pausen können nicht immer eingehalten werden, Tätigkeiten müssen erledigt werden, die nicht unbedingt zu unserem Aufgabenbereich dazu gehören, und der Verwaltungsaufwand hat zugenommen.
Der Alltag in den Kitas hat sich gewandelt, was sind die gravierendsten Veränderungen?
Franetzki: Zu den Veränderungen zählt, dass die einzelnen Mitarbeiterinnen oftmals nur zeitlich befristete Verträge erhalten. Die Stundenbuchung der Eltern - 25, 35, 45 Stunden - hat Auswirkungen auf den Personalschlüssel. Konsequenz daraus sind Zukunftsängste und Planungsunsicherheit für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Einen gravierenden Wandel hat auch die erhöhte Aufnahme der U 3-Kinder bei zurzeit im Umbau befindlichem Raumprogramm zur Folge. Hinzu kommt: Die Anforderungen von Eltern und Kindern haben sich erhöht, und es stehen Fort- und Weiterbildungen für Mitarbeiterinnen an, um die Entwicklungphasen der U 3- Kinder verstehen, aufmerksam begleiten und individuell fördern zu können.
Kann der Erzieherinnentag helfen, mehr Kraft für den Alltag zu finden?
Scholle: Das Wissen darüber, wie sich Stress auf meinen Körper auswirkt, kann zu einem bewussteren Umgang führen, und ich kann eher dagegensteuern - zum Beispiel durchs Loslassen nach Feierabend. An diesem Tag werden viele unterschiedliche Wege im Einstiegsreferat beziehungsweise in den Nachmittag-Workshops aufgezeigt. Eventuell entwickelt sich eine Betriebssportgruppe daraus. Der Tag für Erzieherinnen und Erzieher dient auch dazu, eingefahrene Strukturen langjähriger Mitarbeiter aufzubrechen, neue Anregungen, Ideen zu erhalten um diese im Alltag umzusetzen. Denn nur wenn es dem Einzelnen gut geht, geht es auch der Einrichtung gut.
Themen des heutigen Tages sind auch Entspannung und Bewegung. Bleibt für diese Bereiche im Kita-Alltag noch Raum?
Menkhoff-Braun, Franetzki, Scholle: Wir erhalten Anregungen um gesundheitsdienliche Aktivitäten mit Kindern in den Lebensalltag zu integrieren.
Ein Nachrichtenmagazin titelt gerade mit der „Burn out“-Gesellschaft“: Ist dieses Phänomen auch bei Erzieherinnen und Erziehern festzustellen?
Menkhoff-Braun, Franetzki, Scholle: Ja, vermehrt. Der Arbeitsplatz Tageseinrichtung für Kinder stellt eine immer größere gesundheitliche Herausforderung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dar. Gesundheitliche Beschwerden wie Rückenschmerzen oder psychische Erkrankungen sind die Folge. Dieser Tag trägt vielleicht auch dazu bei herauszufinden, mit welchen Methoden wir unsere Kräfte und Energien effizient einsetzen und erneuern können.