Senden - „Das kann man wohl als westfälische Kontinuität bezeichnen“, kommentierte Versammlungsleiter Jochen Reidegeld die Vorstandswahlen des „Roten Keil e.V.“ Senden. Am Mittwochabend waren die Mitglieder auf der Vollversammlung aufgefordert, einen neuen Vorstand zu bestimmen. Doch anstatt das Personalkarussell anzustoßen, wurden vier der fünf Vorstandsmitglieder im Amt bestätigt.
Lediglich Maria Kuhlmann schied auf eigenen Wunsch als dritte Vorsitzende aus, bleibt dem Verein als Beisitzerin aber erhalten. Ihren Posten übernimmt die bisherige Beisitzerin Maria Hülk, die krankheitsbedingt in Abwesenheit ins Amt gewählt wurde. Mit ihr bilden damit jetzt Werner Bußmann (1. Vorsitzender), Christoph Schludecker (2. Vorsitzender), Brigitte Röhlmann (Schriftführerin) und Kassiererin Christa Wemmer das Vorstandsteam des „Roten Keil“.
„Schön, dass die Mitglieder anscheinend mit uns zufrieden sind und wir wieder mit einem sehr guten Team in ein neues Jahr starten können“, freute sich Werner Bußmann über die hohe Zustimmung.
Den Abend eröffnet hatten zuvor die beiden Sendener Philip Geißler und Sebastian Kelling.
Mit dem Bericht ihres sechswöchigen Aufenthaltes auf den Philippinen hatten Sebastian Kelling und Philip Geißler die anwesenden Mitglieder von „roterkeil.net“ auf die Versammlung eingestimmt und ihnen erneut die Bedeutung ihrer Arbeit vor Augen geführt. Die beiden Sendener hatten im vergangenen Sommer mehrere kirchliche Don-Bosco-Hilfsprojekte auf den Philippinen besucht und stellten ihre Erfahrungen in Schulen und Jugendgefängnissen vor.
„Wir haben besonders im offenen Vollzug gearbeitet, in dem straffällig gewordene Jugendliche auf ein Leben nach ihrer Haftzeit vorbereitet werden“, erzählte Geißler. Sinnvolle Freizeittätigkeiten zu betreuen stand dabei ebenso im Fokus wie die Arbeit als Lehrer für Deutsch, Englisch und Mathematik. Ähnliche berufsbildende Projekte für Kinder und Jugendliche in Gefängnissen fördert auch der Rote Keil. „Dieses Engagement ist auch unheimlich wichtig“, betonte Kelling. Nur mit einer guten Ausbildung könne man die Kinder dauerhaft aus ihrem kriminellen Milieu holen. Eine Botschaft war den beiden Studenten dabei besonders wichtig: „Was auch immer die Jugendlichen getan haben, ob Vergewaltigung, Totschlag oder Mord. Man darf nie vergessen, dass auch sie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben.“ Allein das rechtfertige die Gründung und Aufrechterhaltung derartiger Projekte. Geißler: „Denn niemand von uns kann sagen, ob er nicht unter den Umständen ebenso gehandelt hätte oder hätte handeln müssen!“
Bewegt zeigten sich die Anwesenden von dem Bericht der beiden jungen Sendener aus den gewaltigen Slums. Die gezeigten Fotos erzeugten abschließend einen bleibenden Eindruck von Elend und Armut in den ärmlichen Siedlungen. Ihren Vortrag beendeten Geißler und Kelling schließlich mit den Worten Don Boscos: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“. Eine Botschaft, der sicherlich auch die Mitglieder des Roten Keils zustimmen würden.
Im Anschluss an den Bericht ließ der Vorstand die Arbeit des vergangenen Jahres noch einmal Revue passieren. „Besonders erfreulich ist dabei die weiterhin steigende Zahl von Mitgliedern“, gab Kassiererin Christa Wemmer einen Einblick in ihre Buchhaltung.
So habe auch der krisenbedingte Einbruch an Spenden durch das „noch höhere persönliche Engagement“ der Mitglieder aufgefangen werden können. Die Einnahmenseite sei daher konstant geblieben.
Enttäuscht äußerte sich der Vorstand über die mangelnde Unterstützung für das „Kindernotruftelefon“ durch den Kreis. Ein Antrag auf Finanzierung des Projekts sei abgelehnt worden. „Bedauerlich! Wir konnten über 400 Kindern in den vergangenen zwei Jahren helfen und mittlerweile ist die Nummer eine bekannte Anlaufstation“, ärgerte sich Bußmann. Eine zentrale Aufgabe sei es daher, im kommenden Jahr die Weiterfinanzierung durch Träger und Sponsoren zu sichern. „Dennoch ist mir mit unserem Vorstand, unseren Beisitzern und diesen Mitgliedern nicht bange um den Roten Keil, also: Auf ein Neues!“, entließ Bußmann schließlich die Anwesenden.