Begegnungsstätte steht auf der Kippe

Ein Bild aus den Anfangstagen der Begegnungsstätte: Seit Oktober 2005 gibt der Treffpunkt erwachsenen Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, sich nach dem Besuch der täglichen Arbeitsstätte und an den Wochenenden zu gemeinsamen Aktivitäten zu treffen. Christine Kemper-Marschall ist Heilpädagogin und leitet die Begegnungsstätte.
Ein Bild aus den Anfangstagen der Begegnungsstätte: Seit Oktober 2005 gibt der Treffpunkt erwachsenen Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, sich nach dem Besuch der täglichen Arbeitsstätte und an den Wochenenden zu gemeinsamen Aktivitäten zu treffen. Christine Kemper-Marschall ist Heilpädagogin und leitet die Begegnungsstätte.


Senden - Die Lebenshilfe Senden leistet wichtige und wertvolle Arbeit für Menschen mit Behinderungen und deren Familien. In dieser Einschätzung sind sich die Mitglieder des Sozialausschusses einig. Gleichwohl schlugen während der jüngsten Sitzung zwei Herzen in der Brust der Kommunalpolitiker. Denn einerseits sei es einsichtig, dass die Personalkosten für die Begegnungsstätte an der Stever finanziert werden müssen. Andererseits könne es nicht angehen, dass Projekte über eine zeitlich begrenzte Anstoßfinanzierung ins Leben gerufen werden und im Anschluss die Gemeinde gezwungen ist, finanziell in die Bresche zu springen - so die mehrheitliche Meinung.

Seit Oktober 2005 unterstützt die Aktion Mensch die Personalkosten für die Begegnungsstätte. Da diese Förderung Ende September 2010 ausläuft, werden für dieses Jahr rund 13 500 Euro Restkosten fällig. Ab 2011 beantragt die Lebenshilfe einen Zuschuss von 23 857 Euro. Die Lebenshilfe hatte bereits den Kreis Coesfeld um Förderung gebeten. Mit Hinweis auf den allgemeinen Sparzwanges hatte der Kreistag das Ansinnen zurückgewiesen.


„Trotz der wichtigen Arbeit der Lebenshilfe müssen wir auch das Gleichgewicht mit anderer ehrenamtlicher Arbeit in der Gemeinde halten“, gab Bürgermeister Alfred Holz zu bedenken. Im Übrigen gehe es um eine Grundsatzentscheidung: „Es kann nicht sein, dass Hilfen auf anderen Ebenen angestoßen werden und dann gesagt wird: So Gemeinde, sieh zu, wie du damit fertig wirst“, sagte der Bürgermeister.

Diese Haltung vertrat auch CDU-Fraktionssprecher Ulrich Röttger, räumte jedoch ein: „Andererseits müssten die Kosten eigentlich übernommen werden.“ Möglichkeiten könnten sich eventuell über andere Kommunen ergebe, denn 9 der 26 festen Teilnehmer stammen nicht aus Senden. Auch der Landschaftsverband könnte möglicherweise als Geldgeber mit ins Boot genommen werden, so die Hoffnung im Sozialausschuss. Nun soll die Verwaltung ihre Fühler ausstrecken.

„Ich würde schon heute dem Antrag ohne Wenn und Aber zustimmen“, bezog Anneliese Pieper, Fraktionssprecherin der Grünen, eine klare Position. Denn Einrichtungen wie die Lebenshilfe Senden leisteten wichtige präventive Arbeit, durch das Prinzip „ambulante vor stationärer Hilfe“ erst verwirklicht werden könne. „Wenn ambulant betreutes Wohnen scheitert, müssen die Menschen in ein Heim“, gab Pieper zu bedenken, und das sei teurer als die Förderung von Projekten.

„Wir sind uns einig, dass die Arbeit der Lebenshilfe unterstützt werden muss. Es geht aber nicht, den Kreis zum Sparen aufzufordern und gleichzeitig so weiter zu fahren wie bisher“, sagte SPD-Fraktionssprecher Achim Peltzer und kritisierte die Haltung der Lebenshilfe. Der Verein hätte in seinem Antrag „ein paar mehr inhaltliche Ausführungen“ machen sollen. Bertold Rieger (Bündnisgrüne) argumentierte in eine ähnliche Richtung: Die Lebenshilfe hätte sich früher melden müssen. Dann hätte man mehr Zeit gehabt, um „kreative Lösungen finden zu können“.

So wurde letztlich eine Entscheidung über den Antrag auf die nächste Sozialausschusssitzung am 8. Juni vertagt. Dann soll ein Vertreter der Lebenshilfe über das Projekt Begegnungsstätte berichten und den Ausschussmitgliedern Rede und Antwort stehen.

VON SIGMAR SYFFUS, SENDEN

04 · 03 · 10



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