Falstaff reißt sie alle mit

Grandios: Hauptdarsteller Matthias Klesy spielt sich regelrecht in einen Rausch hinein.
Grandios: Hauptdarsteller Matthias Klesy spielt sich regelrecht in einen Rausch hinein.
(Foto: Dieter Klein)


Schapdetten - Der Aufforderung von Matthias Klesy an das Publikum im großen Tilbecker Festsaal, bitte nicht mit dem Applaus zu sparen, hätte es nicht bedurft. Denn im Laufe der nächsten zweieinhalb Stunden gab es für Klesy wie für seine Mit-Mimen noch oft und reichlich Beifall. Und das zu Recht. Mit den „Lustigen Weibern von Windsor“ - hier besser: „von Schapdetten“ - ist dem „Bühnen-Echo“ einmal mehr ein ganz großer Wurf gelungen.

Dass ist umso erfreulicher, als das Shakespeare-Lustspiel kein leichtes Stück Arbeit, sondern ein regelrechter Brocken ist. Regisseur und Hauptdarsteller Matthias Klesy hatte dem Komödien-Klassiker nämlich - wie üblich - eine ganze Reihe Zusatzszenen ins Textbuch geschrieben und seiner Truppe auf diese Weise gewaltige Textblöcke zum Einstudieren auferlegt, auch war so der Kostümbedarf erheblich angeschwollen.


Aber die Mühen haben sich gelohnt. Nach dieser Premiere sind alle glücklich. Spieler wie Publikum. Der komisch-fantastische Schwank gleitet durch seine vier Akte, dass schon allein die Lachmuskeln die Pausen dazwischen zur Erholung benötigen.

Matthias Klesy - alias Sir John Falstaff - nutzt dabei nicht nur seine Statur, um die Rolle des dicken, wein- und weibseligen Bühnenhelden auszufüllen. Er spielt sich förmlich in einen Rausch. Und reißt dabei seine Laientruppe mit. Das ist ein so köstliches Erlebnis, dass selbst kleine Textschwächen beim Nachwuchs in Unerheblichkeit versinken. Der „Koloss von Schapdetten“ wächst von Szene zu Szene. Grandios!

Sir John Falstaff, ständig ebenso sprittig wie pleite, aber „spitz wie Nachbars Lumpi“, wird von den beiden reichen Frauen, Frau Fluth und Frau Reich - die er nicht nur wegen ihrer Konten begehrt, so vorgeführt, dass nicht deren Ehemänner, sondern der Buhler selbst schlussendlich mit riesigen Hörnern zu Boden geht.

Um dem märchenhaften Spuk zum Finale die Krone aufzusetzen, wünscht sich Falstaff einen „One-Night-Stand“ mit seiner Angebeteten zu Mitternacht im Wald. Oh je, das kann ja heiter werden! Denn dort treibt sich Oberon, eine Art Waldschrat, mit diversen Spukgestalten, Geistern und Elfen herum, die alle dem dicken Fallstaff auf die Pelle rücken.

Dazwischen stehen noch eine Hochzeit, ein paar belämmerte Mitbewerber, die frustrierten Ehemänner, Mägde, Knechte, Kneipen-Personal und sogar ein Pfarrer. Nicht zu vergessen der Repräsentant geistiger Genüsse, Bacchus. Was die alles so durcheinanderwirbeln! Doch was anfänglich zum Verzweifeln umständlich erscheint, entwirrt sich zum Schluss zu einer irren Posse.

Das muss man einfach gesehen haben! Die nächste Vorstellung steht am Sonntag (14. März) um 18 Uhr im Forum des Gymnasiums Nottuln an.

VON DIETER KLEIN, NOTTULN

08 · 03 · 10


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