Von den Finnen lernen

Ursula Röttger leitet die Geschwister-Scholl-Haupt­-schule. Foto:
Ursula Röttger leitet die Geschwister-Scholl-Haupt­-schule. Foto:
(Ludger Warnke)


Nottuln - Beim Besuch der Geschwister-Scholl-Hauptschule in der finnischen Partnerschule in Vantaa, nahe Helsinki, haben nicht nur die Schüler etwas gelernt. Auch die Lehrerinnen Sabine Steffan und Ursula Röttger, die zugleich auch Schulleiterin ist, gewannen neue Erkenntnisse. Erkenntnisse, die Röttger an die Lehrer und die Elternschaft weitergeben möchte - mit der Perspektive, auch einiges von dem in Finnland Gelernten für die Nottulner Schule fruchtbar zu machen.

Im Rahmen eines Comenius-Programms zur Lehrerfortbildung sahen die Nottulner Lehrerinnen ihren finnischen Kollegen intensiv über die Schulter und tauschten sich über die pädagogische Arbeit aus. Ein Thema war dabei das Stützsystem von „erziehungsschwierigen Schülern“. Um solche Schüler aufzufangen, hätten die Finnen ausreichend Personal, wodurch auch schneller gehandelt werden könne, hat Ursula Röttger festgestellt. „Ein Thema, das auch wir anpacken wollen.“


Zusammen mit der Sozialpädagogin wolle sie ein System etablieren, bei dem „Kinder mit besonderen Empfindlichkeiten“ erst einmal aus dem Unterricht genommen werden, um mit ihnen zu sprechen und so zugleich den Unterricht zu beruhigen. Zeitnah müsse das geschehen, und die Eltern müssten mit ins Boot geholt werden, betont Röttger.

Zweites Thema war die individuelle Förderung der Schüler. Die wird in Finnland groß geschrieben. Die Lehrer bieten den Schülern durch zusätzliche Aufgaben Anreize, die diese aufnehmen können. Wenn sie wollen. Die Angebote sind freiwillig. „Ein zweischneidiges Schwert“, sagt Ursula Röttger. „Die leistungsstarken Schüler nehmen sie gerne an, die anderen freuen sich über eine freie Stunde.“

Interessant zu beobachten sei gewesen, dass „kein finnischer Lehrer laut wird“. Das, so Röttger, mag einerseits eine Mentalitätsfrage sein, andererseits hänge es mit der intensiven Einbindung der Eltern zusammen. Zwischen Schule und Eltern herrsche die „totale Kommunikation“. Eltern und Schule sind per Computer über ein Intranet miteinander vernetzt.

Schwänzt ein Kind beispielsweise den Unterricht, informieren die Lehrer die Eltern umgehend per E-Mail. „Das funktioniert, die Eltern reagieren darauf, und die Lehrer müssen sich nicht allein um die Erziehung kümmern. Stattdessen können sie sich auf den Unterricht konzentrieren.“ Der verlaufe so einerseits konfliktfreier, andererseits falle kein Schüler durch die Maschen.

VON FRANK VOGEL, NOTTULN

07 · 03 · 10



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