Was wird aus dem „Kleinsten“?

Idyllisch gelegen: Nottulns kleinster Ortsteil Schapdetten am Südhang der Baumberge.
Idyllisch gelegen: Nottulns kleinster Ortsteil Schapdetten am Südhang der Baumberge.
(Foto: Dieter Klein)


Schapdetten - Am Südhang der Baumberge gelegen, genießt das dörfliche Schapdetten bei vielen Besuchern einen hohen Sympathiebonus. Doch die Idylle täuscht. Der mit rund 1350 Einwohnern kleinste Ortsteil in der vierpoligen 20.000-Einwohner-Gemeinde Nottuln scheint zunehmend ins Hintertreffen zu geraten.

Ein Beispiel dafür liefert der 9. November 2009: Ernüchtert müssen die Schapdettener Katholiken zur Kenntnis nehmen, dass keiner ihrer Kandidaten in den Kirchenvorstand und den Pfarrgemeinderat gewählt worden ist. Der Ortsteil ging in den Nachwehen zur Geburt der Großgemeinde St. Martin schlichtweg unter. Zwar setzte Pfarrdechant Norbert Caßens dieser Entwicklung sofort ein Stopp entgegen und ermöglichte Schapdettener Mitarbeit per Nachberufung, dennoch bleibt der Wahlausgang bei vielen Schapdettenern unvergessen. Und irgendwie passt dazu auch, dass die Schapdettener seit der Fusion zum Sonntagsgottesdienst in die Nachbardörfer fahren müssen.


Die Kirche ist auch beteiligt an der Diskussion über die Zukunft des St.-Bonifatius-Kindergartens. Die einstmals für 70 Kindergartenplätze geschaffene Einrichtung in Trägerschaft der katholischen Kirchengemeinde St. Martin ist mit derzeit rund 42 Kindern unterbesetzt und entwickelt sich zum finanziellen Sorgenkind. „Der Kindergarten ist durch 42 Kinder nicht zu finanzieren“, begründete Erik Potthoff von der Zentralrendantur Dülmen unlängst im Sozialausschuss der Gemeinde den Antrag der Kirchengemeinde auf einen gemeindlichen Zuschuss und warb um Unterstützung. Für 2010 gibt die Gemeinde einen Zuschuss von knapp 3700 Euro. Dieser dient zur Deckung der Kosten, die dadurch entstehen, dass die Offene Ganztagsschule den Kindergarten nutzt. Für 2010 ist der Kirchengemeinde damit geholfen, doch ist das Problem dadurch auf Dauer nicht gelöst. Die Kirche wolle sich nicht aus Schapdetten zurückziehen, meinte Potthoff. Aber: „Wir müssen uns dem Problem stellen. Irgendwann müssen mehr Kinder in Schapdetten geboren werden.“

Um Kinder geht es auch an der St.-Bonifatius-Grundschule. Die Entscheidung der Gemeinde, die ehemals selbstständige Schapdettener Grundschule aufgrund rückläufiger Schülerzahlen als Teil der St.-Martinus-Schule Nottuln fortzuführen, um so den Standort Schapdetten zu sichern, kann die Zukunftsängste nicht nehmen. Dass die Schülerzahlenprognose für 2014/2015 nur noch sechs Erstklässler in Schapdetten auflistet, hat viele auf Schapdetten aufmerksam gemacht. Auch die Bezirksregierung. Die wünscht sich von der Gemeinde ein klares politisches Signal, wie es zukünftig mit dem Schulstandort Schapdetten weitergehen soll. Diskutiert werden soll darüber in der zweiten Jahreshälfte.

Schule, Kirche, Kindergarten sind für einen kleinen Ortsteil tragende Säulen. Ihre Zukunft beeinflusst die Zukunftsperpektiven des ganzen Ortsteils. Muss man sich also um Schapdetten Sorgen machen?

VON LUDGER WARNKE, NOTTULN

06 · 03 · 10



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