Seppenrade - „Nach der Schweinepest ist vor der Schweinepest.“ Diese Erfahrung mussten die Landwirte in der Vergangenheit immer wieder machen. Es ist erst wenige Jahre her, dass die Schweinepest aus dem Kreis Recklinghausen bis nach Seppenrade überschwappte und die heimischen Landwirte mit den Folgen zu kämpfen hatten. Kein Wunder, dass sie sich Sorgen machen, dass die für Schweine tödliche, für den Menschen aber ungefährliche Seuche wieder ausbricht und enorme wirtschaftliche Folgen hat.
Da in erster Linie das Wildschwein als Überträger des Virus angesehen wird und die „Schwarzkittel“ sich in den ländlichen Regionen mit dichtem Waldbestand enorm vermehren, verabschiedeten die Seppenrader Landwirte jetzt einen Forderungskatalog an Jägerschaft und Gesetzgeber, durch den weitere Vorkehrungen getroffen werden sollen, um die Gefahr zu mindern. Mittlerweile sind einige „Wünsche“ zum Teil erfüllt. „Die Angst unter den Landwirten ist groß. Wenn die Schweinepest bei uns ausbricht, bedeutet das für die heimische Landwirtschaft ein Sterben auf Raten“, kommentierte Antonius Vormann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Seppenrade, die Sorgen. „Wir sind mittlerweile ein Exportland mit einem Selbstversorgungsgrad von 110 Prozent. Der Export würde sogleich wegbrechen“, so Vormanns Sorge.
Die Nähe zu den großen Borkenberge-Wäldern sorgt dafür, dass die Seppenrader besonders häufig Erfahrungen mit den „Schwarzkitteln“ machen. Bis an den Dorfkern kommen die nachtaktiven Tiere heran. Sie drehten in der Vergangenheit manchen Garten auf links. Die Landwirte machen ebenfalls immer häufiger Erfahrungen mit den Allesfressern. Mittlerweile sind auch die Grünlandbesitzer an der Reihe, deren Wiesen von marodierenden Rotten umgepflügt wurden. Noch sind die heimischen Wildschweine nicht mit dem Pest-Erreger infiziert. Stichprobenartig lässt das Veterinäramt des Kreises erlegte Wildschweine auf den Virus untersuchen. 16 Tiere wurden im Jahr 2008 untersucht, 14 waren es im vergangenen Jahr. Das Ergebnis war negativ: Die heimischen Wildschweine sind „virusfrei“.
Dabei wird es jedoch nicht auf Dauer bleiben, ist die Sorge der heimischen Landwirte. Sie verweisen auf die Eifel, wo das Schweinepest-Virus bei Schwarzwild aufgetaucht ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die heimischen Wildschweine angesteckt sind, die dann schnell das Virus an die domestizierten Artgenossen weiterreichen. Die Folgen: Die Erlöse für die heimischen Mäster würden einbrechen. Die Märkte in Osteuropa, auf die die heimische Landwirtschaft nach Angaben von Vormann angewiesen seien, gingen verloren. „Schweinepest wird dann zur Existenzfrage für die Landwirte“, so der Vorsitzende des Ortsvereins.
Verständnis für die Sorgen der Landwirtschaft hat Georg Feldmeier, Revierbeamter des Bundesforstbetriebs Rhein-Weser, der für den Truppenübungsplatz Borkenberge zuständig ist. „Wir versuchen den Bestand im Rahmen der jagdrechtlichen Möglichkeiten kurzzuhalten“, erläuterte er gegenüber den WN seine Bemühungen. Im Jagdjahr 2008/09 wurden in dem Revier 23 Wildschweine erlegt. Das war jedoch nur ein Bruchteil der Tiere, die im Kreis Coesfeld von den Jägern abgeschossen wurden. Die Strecke belief sich auf 331 Tiere (drei weitere Tiere wurden verendet aufgefunden, 32 Tiere kamen durch Verkehrsunfälle um). Die Strecke, so erläuterte Feldmeier die Situation, könnte größer sein, wenn die „wanderfreudigen Überläufer“ (Tiere im Alter zwischen einem bis zwei Jahren) ganzjährig bejagd werden dürften. Er plädiert für eine Aufhebung der Schonzeit, die es in anderen Bundesländern nicht gebe. „Die Jäger“, so ist die Feldmeier sicher, „können die Bejagung der Überläufer verantwortlich entscheiden.“
Der Forderungskatalog, den die Landwirte erarbeitet haben, richtet sich in erster Linie an den Gesetzgeber, aber auch an die Jägerschaft. „Die Angst der Landwirte ist groß“, unterstreicht Vormann und verweist gleichzeitig auf die Schweinezucht als Wirtschaftsfaktor in der Region: Immerhin gibt es alleine im Kreis Coesfeld 1000 Schweinehalter mit rund eine Million Schweinen in den Ställen.
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Punkt für Punkt: Der Forderungskatalog der heimischen Landwirtschaft auf der dritten Lokalseite