Stinka fordert von CDU Entschuldigung

Dieser Vorstand führt die Sozialdemokraten im Kreis Coesfeld in die Wahlauseinandersetzungen in den Jahren 2009 und 2010. Unterbezirkschef André Stinka (7. v. l.) aus Dülmen konnte sich über ein Votum ohne Enthaltungen und Gegenstimmen freuen. Das hatte es noch nie gegeben. Die Bundestagsabgeordnete Dr. Angelica Schwall-Düren (links neben ihm) rief die Partei nach den Turbulenzen in Berlin zur Geschlossenheit auf.
Dieser Vorstand führt die Sozialdemokraten im Kreis Coesfeld in die Wahlauseinandersetzungen in den Jahren 2009 und 2010. Unterbezirkschef André Stinka (7. v. l.) aus Dülmen konnte sich über ein Votum ohne Enthaltungen und Gegenstimmen freuen. Das hatte es noch nie gegeben. Die Bundestagsabgeordnete Dr. Angelica Schwall-Düren (links neben ihm) rief die Partei nach den Turbulenzen in Berlin zur Geschlossenheit auf.
(Foto: ds)


Senden. „Das letzte Mal habe ich hier die Buchs‘ nass gekriegt“, erinnerte sich Unterbezirksvorsitzender und Landtagsabgeordneter André Stinka schmunzelnd an seinen Besuch in Senden. Das war im Sommer bei der gemeinsamen Fahrradtour mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Angelica Schwall-Düren, hinter der er nach eigenen Angaben „immer hergehechelt ist“. Das war am Samstag beim SPD-Unterbezirksparteitag anders. Unter dem Dach des Hotels Niemeyer gab‘s keine kalte Dusche für den Dülmener und er stand auch nicht im Schatten der SPD-Promi-Frau, sondern im warmen Stimmen-Regen: Mit 54 von 54 Stimmen – es gab keinen Gegenkandidaten – wurde der 43-jährige Justiz-Angestellte für zwei weitere Jahre wiedergewählt. Keiner konnte sich daran erinnern, dass das vor ihm je ein SPD-Unterbezirkschef geschafft hatte.

Mit Blumen gehörte die SPD-Bundestagsabgeordnete Schwall-Düren, die Stinkas Karriere an der Spitze der Kreispartei maßgeblich mit gefördert hatte, zu den ersten Gratulanten. Und mit ihrer Rede, die den Rahmen eines Grußwortes deutlich sprengte, hatte sie vorab auch schon für die rechte Stimmung gesorgt: „Wir brauchen die Geschlossenheit“, rief sie den Delegierten zu. Es müsse Schluss damit sein, „dass wir 90 Prozent unserer Zeit damit verbringen, uns selber zu kritisieren“, ermunterte sie die Genossen mit Blick auf die Wahljahre 2009 und 2010, den politischen Gegner in den Blick zu nehmen und trotz aller Umfragen und Unkenrufe Selbstbewusstsein an den Tag zu legen: „Wir haben in der großen Koalition viel erreicht.“


Aus erster Hand berichtete sie auch noch mal über die Vorgänge vor einer Woche an der Parteispitze – bei der besagten Klausur war sie selbst dabei. „Wir hatten keine andere Chance, als hier schnell zu handeln“, verteidigte sie die Nominierung von Franz Müntefering als neuen Parteivorsitzenden. Ausdrücklich würdigte sie die Verdienste von Kurt Beck, der die Partei „in schwieriger Zeit gut geführt hat“: „Mitglieder auf allen Ebenen hatten bei ihm wieder etwas zu sagen, wurden gehört.“ Sätze, die die Delegierten mit langanhaltendem Beifall unterstützten. Auf Antrag von Artur Friedenstab (Lüdinghausen) soll der Unterbezirksvorstand Beck in einem Schreiben den ausdrücklichen Dank der Genossen aus dem Kreis Coesfeld ausrichten. Gestürzt worden ist Beck nach Einschätzung von Schwall-Düren von Hauptstadtjournalisten, die ihn als tumben Provinzler abqualifiziert hätten, und auch „von Stichwortgebern aus der eigenen Partei“.

In einer betont kämpferischen Rede forderte Stinka die Genossen auf, die Nominierung von Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidaten als Chance zu nutzen, wieder Inhalte nach vorne zu bringen: „Wir sind das Original in Sachen soziale Gerechtigkeit – wir machen den Menschen nichts vor.“ „Die Politik der CDU ist nicht von gestern, sondern von vorgestern“, griff er die Mehrheitspartei im Kreistag scharf an. „Dass die CDU, wenn sie regiert und entscheidet, weit weg ist von den Menschen, zeigt am deutlichsten ihr Landtagsabgeordneter“ – Werner Jostmeier habe ihn im Zusammenhang mit dem Sparkassengesetz der Lüge bezichtigt: „Ich frage mich nur ob er jeden einzelnen der über 8000 Demonstranten, die gegen den geplanten Raubbau an den Sparkassen in Düsseldorf protestiert haben, als Lügner beschimpfen will“, empörte sich Stinka. Er erwarte vom CDU-Kreisvorstand dafür eine Entschuldigung „für die Menschen, die er mit ihren Ängsten alleine lässt“.

Stattdessen nehme es Jostmeier selbst mit der Wahrheit nicht so genau, konstatierte Stinka. Ein Feriengebiet in Dülmen sollte in ein Baugebiet umgewandelt werden, führte er aus – „im Januar gab es Freibier für eine Lösung, heute stellen wir fest, es hat sich nichts getan.“

„Wir können es besser“, rief Stinka den Delegierten zu und ermunterte sie, „mit vollem Einsatz und frischem Mut dafür zu kämpfen, dass wir diese Alternative an möglichst vielen entscheidenden Punkten, als Bürgermeister, Landrat und Mehrheitsfraktion anbieten und umsetzen können!“


14 · 09 · 08



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