Heilpraktiker auf der Anklagebank
Havixbeck - Der Mann, für den sich gestern im Saal 14 des Landgerichts Münster alle interessierten, weicht dem Blitzlichtgewitter der Medien aus. Durch einen Nebeneingang, durch den sonst nur Inhaftierte kommen, betritt er den Gerichtssaal. Leger gekleidet und äußerlich gelöst sitzt der in Havixbeck praktizierende Heilpraktiker und Osteopath neben seinem Verteidiger auf der Anklagebank.

Was die Staatsanwältin dem 56-Jährigen dann zur Last legte, hat schon Gewicht: In 19 Fällen soll der Angeklagte in Ausübung seines Berufes Patientinnen, die ihm anvertraut waren, sexuell missbraucht haben. Dass er auch des Geschlechtsverkehrs bezichtigt wird, dafür hat der Mann keine Erklärung.


Das Beschwerdebild, mit dem die Frauen sich in die Hände des Havixbeckers begaben, war vielschichtig. Von Migräne über Hüftprobleme bis hin zu Schmerzen an der Halswirbelsäule oder am Steiß. Nur eines war in einer Vielzahl von Fällen immer gleich: Die Frauen mussten sich völlig ausziehen. Zu den angewandten Behandlungsmethoden gehörte, dass intime Körperstellen nicht nur angefasst wurden, sondern auch weit darüber hinaus.

„Touchieren“ nennt es der Mann, der dem Gericht darzulegen versucht, wie er seine Patienten behandelt und wie er heilt. Darüber will er seine Patienten zuvor aufgeklärt haben. Dann sicherte er sich durch Unterschrift seiner Patientinnen ab, ihn nicht rechtlich zu verfolgen. Die Patientinnen, die dann kamen, sollen alle von seiner Methode gewusst haben.

Die Tatvorwürfe im Sinne der Anklage wies der Heilpraktiker vor Gericht vehement zurück. Bestimmte angewandte Methoden zur Linderung der Beschwerden bestreitet der Mann nicht. Er zeigte sich vielmehr von seinen Fähigkeiten überzeugt: „Wenn Patienten kommen, mache ich etwas, ohne zu denken. Ich werde gelenkt.“

Ihr sei der Angeklagte als Osteopath von ihrer Hausärztin sogar empfohlen worden. Der Mann habe eigenwillige Behandlungsmethoden, sie brauche aber keine Bedenken zu haben, so die Zeugin. Bedenken kamen der Frau bei der Behandlungsmethode schon bald, als sie völlig entkleidet auf der Liege gelegen hatte. „Was mir da geschehen ist, konnte ich mir erst nicht erklären.“ Zwei Tage musste die Frau das Erlebte verarbeiten. Ähnlich erging es einer weiteren Zeugin, die mit einem Bandscheibenvorfall in die Praxis kam. Auch sie musste sich ganz entkleiden. Obwohl das Geschehen lange Jahre zurückliege, habe sie ihn noch nicht verarbeitet.

Ins Rollen waren die Vorfälle gekommen, als eine Patientin die Rechnung bei der Krankenkasse eingereicht hatte und die diese Form der „Therapie“ nicht bezahlen wollte.

Am kommenden Montag (14. März) hört das Gericht weitere Zeugen.


04 · 03 · 10



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